Damit würde die Münchener Rück an die Gewinne vor dem Katastrophenjahr 2017 anknüpfen, in dem ihr Ergebnis nach einer Serie von Stürmen und Erdbeben auf knapp 400 Millionen Euro zusammengeschmolzen war. "Aber es ist noch zu früh zum Feiern", sagte Schneider. Denn die Naturkatastrophen rissen auch im Oktober und November nicht ab.

Nach neun Monaten stehen bereits 2,04 Milliarden Euro Gewinn zu Buche, im dritten Quartal lag das Ergebnis mit 483 Millionen Euro sogar über den Erwartungen der Analysten. Vor einem Jahr hatten Naturkatastrophen den Konzern binnen drei Monaten fast drei Milliarden Euro gekostet. Ein Jahr später belasteten Sturm, Regen und Erdstöße die Münchener Rück unter dem Strich nur noch mit 505 Millionen. Dabei half der Münchener Rück die Auflösung von Rückstellungen für frühere Unglücke. Der Taifun "Jebi" in Japan und der Hurrikan "Florence" in den USA schlugen jeweils mit rund 300 Millionen zu Buche. Im Oktober kamen 350 Millionen durch die Stürme Michael und Trami hinzu.

Zuversichtlich zeigte sich Schneider zu den Preisen für die neuen Verträge mit Erstversicherern, die derzeit ausgehandelt werden. Er rechne in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung zum 1. Januar nicht mit rückläufigen Preisen. In Regionen wie Japan, der Karibik und Lateinamerika, die von Naturkatastrophen direkt betroffen waren, seien sogar deutliche Steigerungen drin. Die Branche steht seit Jahren unter Druck, weil viele Investoren auf den angesichts niedriger Zinsen lukrativen Markt drängen.

Beim größten Konkurrenten Swiss Re hatten Natur- und von Menschen verursachte Katastrophen den Gewinn im Quartal fast aufgezehrt. Schneider sagte, die Münchener Rück habe etwa für den Bruch eines im Bau befindlichen Staudamms in Kolumbien schon im zweiten Quartal genug Geld zurückgelegt. Der Einsturz einer Autobahnbrücke im italienischen Genua koste die Münchener Rück rund 20 Millionen Euro. Swiss Re hatte das Konsortium aus mehreren Versicherern für den Autobahnbetreiber angeführt.

BEI ERGO GREIFT DIE SANIERUNG



Rückenwind bekommt die Münchener Rück von der Erstversicherungs-Tochter Ergo, bei der die Sanierung offenbar Erfolge zeigt. Zudem profitierte sie von einem Bilanzeffekt in der Lebensversicherung. Aber auch ohne den Effekt schlage sich Ergo besser als im Strategieprogramm geplant, lobte Schneider. Der Gewinn lag nach neun Monaten mit 359 Millionen Euro über den 250 bis 300 Millionen Euro, die für das Gesamtjahr eingeplant waren. Nun liegt die Latte auf mindestens 350 Millionen. Im vierten Quartal drohten aber noch negative Sondereffekte, etwa aus dem Verkauf von Beteiligungen im Ausland, sagte Schneider.

Zudem muss der Rückversicherer weniger seiner lukrativen Kapitalanlagen verkaufen, um die Zinszusatzreserve zu speisen, die die Lebensversicherungskunden vor den Folgen der niedrigen Zinsen schützen soll. Die Bundesregierung hatte die Vorschriften gelockert. Statt mit deutlich mehr als einer Milliarde Euro muss der Reservetopf 2017 nur mit einem Viertel des Betrages gefüllt werden, wie Schneider sagte. "Damit werden sinnlose Verkauf- und Rückkauf-Transaktionen vermieden."

rtr