Stockpicking - also die Selektion von Aktien - ist schon immer ein Werkzeug gewesen, um die Performance des Depots zu steigern. In 2016 wird es vermutlich sogar entscheidend für den Anlageerfolg sein. Denn auf den steigenden Gesamtmarkt zu setzen dürfte sich angesichts des beschränkten Aufwärtspotenzials für den DAX kaum auszahlen. Einzelne Titel haben dagegen immer wieder Kursphantasie. Daher gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Sinnvoll ist es, positive Trends - also eine anhaltende Nachfrage - zu identifizieren und auf die entsprechenden Aktien zu setzen.

In einer dreiteiligen Serie analysieren wir in der ersten Woche des neuen Jahres die 30 Blue Chips im Leitindex und machen auf die aussichtsreichsten Titel aufmerksam. Auf den kommenden Seiten stellen wir im zweiten Teil die Papiere von Deutsche Börse bis K+S vor. Jede Aktie wird mit einem Tages- und einem Wochenchart dargestellt, unter welchem jeweils der Abstand zum Durchschnittskurs des vergangenen Monats (blau) und der vergangenen 200 Tage (violett) als kurz- und mittelfristiger Indikator für einen überkauften oder überverkauften Zustand dargestellt wird.



Deutsche Börse



Wir beginnen mit einem der zweifellos spannendsten Papiere im DAX. Aktuell befindet sich die Deutsche Börse in einer im Tageschart erkennbaren Seitwärtskonsolidierung zwischen 70,80 / 73,50 auf der Unterseite und 82 / 87,40 auf der Oberseite. Ein Test der unteren Grenzen ist in den vergangenen Monaten stets eine gute Kaufgelegenheit gewesen - zumal der langfristige Trend weiter aufwärts zeigt und Potenzial bis jenseits der 97er-Marke lässt, wie der Blick auf den Wochenchart zeigt. Abweichungen von 20 Prozent über den 200-Tage-Mittelkurs sind in Trendphasen möglich, dies bestätigt das zuvor genannte Kursziel. Nur wenn die Aktie unter 70,80 Euro fällt, muss mit erweiterten Verkäufen bis 63 gerechnet werden, wo dann eine starke Unterstützung als Stabilisierung dient. Anleger sollten knapp unter diese Schwelle Stoppkurse zur Verlustbegrenzung setzen.





Deutsche Post



Die Aktie tendiert bereits seit 2013 nur noch seitwärts, im Vorjahr ging es sogar unter dem Strich leicht nach unten. Verluste bis mindestens 23 Euro sind wahrscheinlich, dort wird es dann kritisch: Kann sich der Kurs - wie in den Vorjahren - hier erneut stabilisieren, könnte eine Erholung bis 27 / 28 Euro folgen. Hier bilden die 200-Tage-Durchschnittslinie sowie die jüngsten Zwischenhochs eine Barriere, die so schnell nicht mehr überwunden werden dürfte. Kippt die Stimmung aber an der 23er-Marke, kann es nach einen Durchbruch in Richtung Süden schnell weiter abwärts um 15 bis 25 Prozent unter den 200-Tage-Mittelpreis gehen (violetter Indikator unter dem Wochenchart), dann sind Preise um 20 Euro in Reichweite. Anleger sollten das Papier eher meiden.





Deutsche Telekom



Der Aufwärtstrend der Telekom ist im Vorjahr durch beständige Verkäufe um 17 / 17,60 Euro gestoppt worden. Dieses sehr auffällige Phänomen deutet darauf hin, dass ein oder mehrere Großinvestoren hier Kasse machen. Erst wenn die Aktie den daraus resultierenden Widerstandsbereich im Chart überwindet, ist neues Potenzial da. Dann sind Abweichungen von 15 bis 25 Prozent über den 200-Tage-Mittelpreis möglich (violetter Indikator unter dem Wochenchart), was Kursziele jenseits der 20er-Marke erwarten lässt. Eine Serie steigender Zwischentiefs seit dem Sommer 2015 deutet auch auf einen Ausbruch nach Norden hin (blauer Aufwärtstrend im Tageschart), vorsichtige Anleger warten diesen jedoch ab. Ein Schnäppchen ist die Aktie frühestens um 14,50 Euro, wo zahlreiche Zwischentiefs beweisen, dass viele Investoren so denken.





E.ON



Die Aktie ist immer für eine Spekulation gut - allerdings nur, wenn sich diese auf fallende Kurse bezieht. Das nächste Kursziel liegt bei rund 6,80 Euro am unteren Rand des langfristigen, im Wochenchart erkennbaren Abwärtstrendkanals. Sprunghafte Zwischenerholungen sind jederzeit möglich, die jüngste Bärenmarktrally vom September des vergangenen Jahres beweist dies. Allerdings ist auch kurzfristig momentan ein intakter Abwärtstrend erkennbar (siehe Tageschart), der bei 9 Euro als Bremse wirkt. Sollte er überraschend durchbrochen werden, ist eine Erholung bis an die Zwischenhochs um 10,30 möglich. Anleger sollten jedoch wenn überhaupt, dann nur wie eingangs erwähnt eher auf fallende Kurse setzen, die genannten Widerstände sind bestenfalls als gute Einstiegsniveaus für diese Short-Positionen zu sehen.





FMC



Fresenius Medical Care befindet sich zwar in einem langfristigen Aufwärtstrend, dieser entwickelt sich aber nicht stetig. Anstatt einer gleichförmigen Tendenz sind eher starke Rally-Phasen an der Tagesordnung, die teilweise von mehreren Jahren dauernden Seitwärtsbewegungen abgelöst werden. Hier gilt es besonders, auf das richtige Einstiegssignal zu achten. Dieses ergibt sich erst, wenn die Aktie auch über ihren zahlreichen oberen Wendepunkte bei 82/83 noch gekauft wird. Dann aber ist Luft bis zunächst 88 / 89 Euro und darüber hinaus, da die entsprechende, im Wochenchart erkennbare Trendlinie (blau gestrichelt) weiter steigt. Nur besonders mutige - und vor allem kurzfristig denkende - Anleger kaufen bereits vorher und setzen auf einen Ausbruch, wer um 72 eines der Zwischentiefs an der dortigen Unterstützung erwischt, kann aber auch schon mit einer kurzen Aufwärtsbewegung an den 82er-Widerstand einen schönen kurzfristigen Gewinn einstreichen.





Fresenius



Die Fresenius-Aktie gehört zu den DAX-Titeln mit den schönsten Aufwärtstrends. Derzeit reicht das Potenzial bis 72 Euro, Tendenz steigend. Kurse um 59/61 sind gute Einstiegspreise, erst unter den horizontalen Kaufzonen im Tageschart um 54/56 und 51 Euro würde sich die Prognose nachhaltig eintrüben, doch ein Rückfall darunter ist aus heutiger Sicht extrem unwahrscheinlich. Diese Aktie gehört in jedes gut sortierte DAX-Depot.





HeidelbergCement



Auch bei HeidelbergCement zeigt sich ein Phänomen, dass derzeit bei vielen DAX-Papieren mit langfristigen Aufwärtstrends auftaucht: Die positive Tendenz ist im Vorjahr ins Stocken geraten, ein klarer Widerstandsbereich / eine Verkaufszone hat sich ausgebildet. In diesem Fall liegt sie um 77 Euro. Anleger sollten abwarten, bis der Kurs darüber ausbricht - also frische Nachfrage zu einem neuen Kaufsignal führt. Dann wäre Luft nach oben bis an die 85er-Marke, wo die Obergrenze des langfristigen Aufwärtstrendkanals verläuft. Gefährlich wird es dagegen, wenn der Bereich um 68/70 noch einmal unterschritten wird. Dann dürften die Untergrenze des Aufwärtstrends im Wochenchart (blau) bei 57 und die Unterstützungszone bei 60 Euro angesteuert werden.





Henkel



Erneut ein langfristiger Aufwärtstrend, der 2015 ins Stocken geraten ist. Spannend wird diese Aktie erst wieder, wenn der Ausbruch über 112,25 nachhaltig geglückt ist. Ein zunächst aussichtsreich gestarteter Versuch scheiterte zu Beginn des Vorjahres. Davon hat sich die Aktie noch nicht erholt. Eine kurzfristige Stabilisierung um 95/98 Euro ist zwar möglich, aber weitere Verluste bis etwa 87/88 Euro drohen, falls dies nicht klappt. Erst dort können Schnäppchenjäger wieder über erste Käufe nachdenken, mit denen auf den nächsten Test der 112,25er-Marke spekuliert werden kann.





Infineon



Diese Aktie zeigt ebenfalls einen der schönsten Aufwärtstrends im gesamten Index. Die aktuelle kurzfristige Korrektur kann gute Einstiegschancen liefern. Die nächsten Unterstützungen/Kaufzonen sind um 12 und 11,20 Euro zu erwarten, wo ein horizontaler Bereich mit vielen (ehemaligen oberen) Wendepunkten und der 200-Tage-Durchschnittspreis liegen. Ein stärkerer Rückgang sollte um 10,40 gebremst werden, sonst trübt sich die Prognose ein und die Vorjahrestiefs kommen wieder in Reichweite. Wahrscheinlicher ist aber eine baldige Bodenbildung, wonach Potenzial bis rund 14,50 7 14,50 Euro an den oberen Rand des Aufwärtstrendkanals besteht.





K+S



Überdurchschnittlich starke, kaum kalkulierbare Ausschläge in beide Richtungen machen diese Aktie nur schwer investierbar. Eine kurzfristige Bodenbildung der leicht überverkauften Aktie bei 21,80 ist möglich, aber langfristig droht ein Durchbruch bis an die nächste Unterstützung um 18,30 Euro. Zwischenerholungen haben Potenzial bis in den Bereich 26,50 / 28 Euro - sind aber nur eine Option für hartgesottene Börsen-Spieler. Fazit: Es gibt Besseres im DAX.



Andreas Büchler ist Herausgeber des Magazins und Vorstand der Qarat AG, einer auf Quantitative Analyse und Algorithmic Trading spezialisierten Forschungsgesellschaft für Börsenhandelssysteme.

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