Der Stopp des Fregattenprogramms F126durch die Bundesregierung brachte jüngst schon die Rheinmetall-Aktie ins Taumeln. Nun zeigt sich: Auch Hensoldt ist betroffen. Was das für die Aktie bedeutet.
Am 24. Juni stoppte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius die Pläne zum Bau von sechs F126-Fregatten. Das niederländische Unternehmen Damen Naval konnte den Zeit- und Kostenrahmen nicht einhalten. Eigentlch war zunächst eine Neuzuteilung an Rheinmetall geplant. Doch das hätte die Gesamtkosten von zehn auf 18,8 Milliarden Euro erhöht. Deshalb plant das Verteidigungsministerium jetzt Schiffe vom Typ MEKO A-200 von TKMS zu kaufen - sofern der Haushaltsausschuss des Bundestages zustimmt.
Der überraschende Aus brachte vergangene Woche schon die Rheinmetall-Aktie zum Absturz. Jetzt wird klar: Auch Hensoldt ist betroffen.
Hensoldt hatte den Auftrag, das Radarüberwachungssystem vom Typ TRS-4D für die sechs Fregatten zu liefern. Der Auftragswert lag bei 200 Millionen Euro. Nach dem Stopp des Projektes will der Konzern nun laut einer Pressemitteilung "die konkreten Auswirkungen der Projektbeendigung auf den Hensoldt-Lieferumfang und die vertragliche Abwicklung" prüfen.
Schon mehr als ein Drittel des Umsatzes realisiert
Trotz des Auftragsstopps zeigt sich Hensoldt zuversichtlich: Mehr als ein Drittel des Auftragsvolumens hat der Konzern bereits als Umsatz realisiert. Für das laufende Geschäftsjahr erwarten die Taufkirchner noch Umsätze im niedrigen zweistelligen Millionenbereich aus dem nun angesagten Projekt. "Für Hensoldt ist wichtig: Unser technologischer Beitrag im Projekt F126 ist leistungsfähig und basiert auf einer etablierten Produktfamilie. Nach heutigem Stand erwarten wir keine Auswirkungen auf unsere kurz- oder mittelfristige Prognose", sagt Hensoldt-CEO Oliver Dörre laut der vorliegenden Mitteilung.
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Hensoldt-Aktie auf Erholungskurs
Das Aus des Marine-Projektes hatte die Hensoldt-Aktie in der vergangenen Woche schwer belastet. Der Kurs fiel am Freitag auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 63,18 Euro. Am Montag legte die Aktie jedoch wieder deutlich zu und notierte bei 67,56 Euro. Einen Tag später steigt der Titel weiter an.
Das Analysehaus MWB Research bleibt dagegen ruhig und bestätigte sein bisheriges Kursziel von 62 Euro für die Hensoldt-Aktie. Analyst Jens-Peter Rieck stufte die Aktie sogar von "Sell" auf "Hold" herauf. Das bedeutet: Er hält den jüngsten Kursrutsch für übertrieben. Rieck begründete seine Entscheidung damit, dass er die Risiken im aktuellen Geschäftszyklus bei dem Kursniveau für eingepreist halte.
Dennoch bleibt die Lage für Hensoldt und andere Rüstungskonzerne schwierig. Wer einsteigen möchte, stellt sich damit gegen das derzeitige Abwärtsmomentum und sollte sich des Risikos bewusst sein.
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Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet der F126-Stopp für die deutsche Rüstungsindustrie?
Der Stopp des F126-Projekts zeigt, wie stark große Beschaffungsprogramme die Planung in der Rüstungsindustrie beeinflussen. Für Unternehmen wie Hensoldt, Rheinmetall oder TKMS kann das sowohl Chancen als auch Risiken bedeuten, weil Aufträge neu verteilt oder verschoben werden können.
Lohnt sich die Hensoldt-Aktie nach dem F126-Aus noch?
Kurzfristig kann die Aktie weiter schwanken, langfristig zählen vor allem Umsatzwachstum, Margen und die Auftragslage.
Welche Rolle spielt das TRS-4D-Radar im Marinebereich?
Das TRS-4D gilt als modernes Radarsystem für den Einsatz auf Kriegsschiffen und Fregatten. Es wird in verschiedenen Marineprojekten genutzt und ist für die Überwachung von Luftraum und Seegebiet besonders wichtig.
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