"Wir bedauern diesen Entschluss, haben aber eine Anzahl hervorragender Führungskräfte, die die Nachfolge antreten können", erklärte Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff.

Wie es im Umfeld des Unternehmens hieß, gab es vor Bernhards Entscheidung keinen Streit. Der Manager hatte dem Autobauer schon einmal 2004 den Rücken gekehrt nach einem Krach mit dem damaligen Daimler-Chef Jürgen Schrempp über Pläne, den schwächelnden japanischen Hersteller Mitsubishi zu übernehmen. Seine Entscheidung jetzt kam überraschend, eigentlich sollte sein Vertrag bald verlängert werden. "Es gibt kein internes Zerwürfnis, es ist eine persönliche Entscheidung, etwas anderes zu tun", sagte der Insider.

LKW-GESCHÄFT UNTER DRUCK



Bernhard verlässt Daimler Trucks in einer schwierigen Zeit. Das stark konjunkturabhängige Nutzfahrzeuggeschäft läuft in mehreren wichtigen Märkten, vor allem in den USA und Brasilien, derzeit schlecht. Daimler baute bereits Tausende Stellen an den Produktionsstandorten in diesen Ländern ab und muss jetzt auch in Deutschland auf die Kostenbremse treten. Bernhard hat ein Sparprogramm initiiert, das dem Konzern insgesamt 1,4 Milliarden Euro bringen soll. Für dieses Jahr rechnet Daimler Trucks nach einem operativen Gewinneinbruch um ein Viertel auf gut zwei Milliarden Euro mit einem weiteren Ergebnisschwund um bis zu zehn Prozent. Das Geschäftsfeld steuert ein Fünftel zum Konzernumsatz bei.

Doch die Flaute habe nichts mit Bernhards Ausscheiden zu tun, erklärten Insider. "Er hat einen tollen Job gemacht, bei dem schwachen Markt die Marge hoch zu halten", hieß es im Umfeld des Unternehmens. Nach Einschätzung von Daniel Schwarz, Analyst bei Mainfirst, hat Bernhard die Weichen für den nächsten Aufschwung des Lkw-Weltmarktführers gestellt. Vom 2016 eingeleiteten Sparprogramm sei schon viel abgearbeitet. "Daimler Trucks kann einen Führungswechsel verkraften", sagte Schwarz.

HARTER SANIERER



Bernhard hat bis auf ein kurzes Intermezzo beim Volkswagen -Konzern, wo er von 2005 bis 2007 arbeitete, fast sein gesamtes Berufsleben bei Daimler verbracht. Bevor der Wirtschaftsingenieur 1994 seine Karriere bei dem Autokonzern begann, hatte er das Handwerk des Sparens als Berater bei McKinsey gelernt. Sein Kunde war damals Mercedes-Benz. Dem Konzernvorstand gehört Bernhard seit 2010 an, zunächst als Chef der Hauptsparte Mercedes-Benz Pkw. Als unerbittlicher Kostensenker lieferte sich der Manager damals scharfe Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat. Mit Äußerungen über den "Sanierungsfall" Mercedes-Benz, bei dem Blut fließen werde, polarisierte er. Beim Streit über die Vertragsverlängerung von Vorstandschef Zetsche 2013 musste er auf Druck der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat mit dem damaligen Trucks-Chef Andreas Renschler den Posten tauschen.

Konflikte mit dem einflussreichen Betriebsrat scheute Bernhard auch nicht in seinen Jahren als VW-Markenchef. Doch die Führungskräfte standen hinter Bernhard, deshalb sei es ihm gelungen, die Produktivität der chronisch renditeschwachen Hauptmarke zu steigern, sagte einer der Insider. Nach dem Zwischenspiel in Wolfsburg holte Zetsche Bernhard zurück. Die beiden sind enge Weggefährten, seit sie Anfang des Jahrtausends den mit Daimler verschmolzenen US-Autobauer Chrysler in den USA sanierten. Für eine internationale Karriere nahm der gebürtige Allgäuer Ende der 80er Jahre den Namen seiner Mutter an, da der Familienname Ayerle international schwer auszusprechen war.

DOCH NOCH AN DIE SPITZE?



Über Bernhards Zukunftspläne ist nichts bekannt. "Spiegel Online" berichtete, er wolle künftig selbstständig arbeiten, möglicherweise als Investor. Sowohl bei Daimler als auch bei VW wurde Bernhard früher als Kronprinz gehandelt. Als aussichtsreicher Kandidat für Zetsches Nachfolge 2020 gilt aber der 47-jährige Ola Källenius, seit Januar Entwicklungsvorstand. Sein Vertrag wurde am Freitag bis Ende 2022 verlängert.

Analysten spekulierten, der ehrgeizige Manager Bernhard habe seinen Traum eines Postens als "Chief Executive Officer" nicht aufgegeben und könnte woanders anheuern. So stellt Arnd Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI Gedankenspiele an, Bernhard könnte Matthias Müller als VW-Konzernchef beerben. Mainfirst-Analyst Schwarz tippt auf die Nachfolge von Sergio Marcchione an der Spitze des italienisch-amerikanischen Konzerns FiatChrysler, dessen Vertrag Ende 2018 ausläuft. Fiat sei als internationaler Konzern interessant für Bernhard und brauche eine starke Persönlichkeit an der Spitze. "Das könnte passen." rtr

Auf Seite 2: Mögliche Kandidaten





Mögliche Kandidaten



Als möglicher Kandidat für die Nachfolge gilt Branchenkreisen zufolge der Chef der Vans-Sparte, Volker Mornhinweg. Seit seiner Berufung an die Spitze der Transporter-Sparte im Frühjahr 2010 hatte Mornhinweg die Internationalisierung des Geschäfts um Sprinter und Vito erfolgreich vorangetrieben. Alleine im vergangenen Jahr hatte die Sparte ein Umsatzplus von zwölf Prozent auf 12,8 Milliarden Euro eingefahren. Das operative Ergebnis war gar um 33 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro gestiegen. Kein anderer Geschäftsbereich war im vergangenen Jahr schneller gewachsen. Vor seinem Wechsel auf den Chefsessel von Mercedes Benz Vans führte Mornhinweg Mercedes AMG. Der Sportwagen-Bauer gilt als zentrale Kaderschmiede im Daimler-Reich.

Chancen für die Nachfolge von Bernhard werden zudem Daimler-Trucks Bereichsvorstand Stefan E. Buchner sowie China-Vorstand Hubertus Troska eingeräumt. Troska war vor seiner Beförderung in den Konzernvorstand Chef von Mercedes-Benz Lkw und davor AMG-Boss.

Buchner hat sich seine Meriten in der Nutzfahrzeugsparte mit der Einführung zahlreicher baugleicher Kernkomponenten für den europäischen und US-Markt verdient. 2012 folgte er Troska an die Spitze von Mercedes-Benz Lkw. Dort verantwortet der gebürtige Stuttgarter neben der Marke mit dem Stern auch die wichtigen Märkte Europa und Lateinamerika und gilt damit innerhalb des Truck-Geschäfts als Nummer 2 hinter Bernhard.

Unklar blieb am Freitag Mittag jedoch zunächst, ob der Aufsichtsrat bereits am Nachmittag über eine Nachfolge von Bernhard entscheidet. Beobachter halten dies jedoch angesichts der überraschenden Wendung für wenig wahrscheinlich. Thomas Schmidtutz