Einem Medienbericht zufolge sieht die Regierung in Peking noch Gesprächsbedarf, bevor sie ihre Unterschrift unter die von US-Präsident Donald Trump verkündete Einigung setzt. "Es war ohnehin kein richtiger Deal", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Für die Märkte beunruhigend ist, dass die USA und China das Abkommen mit unterschiedlichen Worten beschreiben." Dies deute darauf hin, dass die Fortschritte in den Gesprächen überschaubar seien. "Ich bin besorgt, dass das Weiße Haus aus Angst, das Gesicht zu verlieren, das Kind mit dem Bade ausschüttet und alle bisherigen Gesten des guten Willens zurücknimmt." Die USA hatten die für Dienstag geplante Verschärfung der Strafzölle auf chinesische Waren zunächst ausgesetzt.

Aus Verunsicherung nahmen Anleger verstärkt Kurs auf "sichere Häfen". So verteuerte sich die "Antikrisen-Währung" Gold um bis zu 0,5 Prozent auf 1496,20 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Nachfrage nach Bundesanleihen drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,482 von minus 0,438 Prozent.

Spekulationen auf eine weitere Abkühlung der Weltwirtschaft drückten dagegen den Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um zwei Prozent auf 59,30 Dollar je Barrel (159 Liter). Zu diesem Bild passte der überraschend starke Rückgang des chinesischen Außenhandels im September. Die Zahlen seien mehr als ein Alarmsignal, warnte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Das ist blanker Horror für die chinesische Wirtschaft."

"DIE ZEIT LÄUFT AB"


Auch beim zweiten Dauerbrenner-Thema, dem Brexit, verpuffte der Optimismus der Anleger. Der britische Premierminister Boris Johnson will einem Medienbericht zufolge am Abend Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und EU-Kommissions-Chef Jean-Claude Juncker von seinen Brexit-Plänen überzeugen. Allerdings hatten sowohl die Regierung in London als auch die EU zuvor betont, es liege noch viel Arbeit vor ihnen. "Die Zeit läuft ab, und handfeste Nachrichten gibt es bislang nicht, nur Gerüchte", sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades.

Pfund-Anleger machten daher Kasse. Die britische Währung verbilligte sich um 0,7 Prozent auf 1,2552 Dollar. Gleiches galt für die Royal Bank of Scotland (RBS) und britische Eigenheim-Bauer wie Barrat und Travis Perkins. Ihre Aktien büßten bis zu 3,3 Prozent ein, nachdem sie in der vergangenen Woche dank der Hoffnungen auf einen raschen Brexit-Deal kräftig zugelegt hatten.

Unter den deutschen Aktienwerten stand Daimler im Rampenlicht. Der Autobauer muss wegen unzulässiger Abgas-Technik in Dieselmotoren Hunderttausende Fahrzeuge zurückrufen. Daimler-Aktien verloren 0,7 Prozent.

In Paris rutschten die Titel von BIC sogar um 3,2 Prozent ab. Der französische Anbieter von Feuerzeugen, Kugelschreibern und Rasierklingen rechnet wegen eines schwächelnden Feuerzeug-Geschäfts in den USA mit einem stagnierenden bis leicht rückläufigen Gesamtjahresumsatz. Bislang hatte das Unternehmen ein leichtes Plus angepeilt.

rtr