"Sollte der Markt vor dem langen Wochenende sein Niveau halten können und Gewinnmitnahmen in großem Stil ausbleiben, wäre dies eine weitere Bestätigung dafür, dass das Ende der Hausse noch lange nicht erreicht ist", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Angetrieben wird die Rally von den geplanten zusätzlichen billionenschweren Infrastruktur-Investitionen in den USA. "Der Markt ist zweifellos von Stimuli abhängig", kommentierte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses Avatrade. Investoren seien außerdem erleichtert, dass die zur Finanzierung der Pläne angekündigten Steuererhöhungen vergleichsweise moderat ausfielen.

"Die Eine-Million-Dollar-Frage ist aber, wie sich die Inflation entwickelt", gab Portfoliomanagerin Geraldine Sundstrom vom Vermögensverwalter Pimco zu bedenken. "Wird sie sich aufschaukeln oder auf ein komfortables Niveau zurückfallen?" Am Anleihemarkt gingen die Inflationssorgen vorerst etwas zurück. Die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen US-Bonds fiel auf 1,707 Prozent.

ÖLPREIS ZIEHT AN - OPEC+-BERATUNGEN IM BLICK


Daneben warteten Börsianer gespannt auf die Ergebnisse der Beratungen zur Rohölproduktion der großen Exportländer. Deren Gruppe Opec+ werde ihre Fördermengenbremse ebenso verlängern wie das Mitglied Saudi-Arabien seine zusätzlichen freiwilligen Kürzungen, prognostizierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Vor diesem Hintergrund verteuerte sich die Sorte Brent aus der Nordsee um 0,3 Prozent auf 6,91 Dollar je Barrel (159 Liter).

Der Preis für Kupfer fiel dagegen um bis zu ein Prozent auf ein Vier-Wochen-Tief von 8695 Dollar je Tonne. "Die Bestände in den Lagerhäusern der Metallbörse LME steigen, und die Nachfrage kühlt sich offenbar ab", sagte der unabhängige Analyst Robin Bhar. "Das ist etwas beunruhigend, da wir in die saisonal stärkste Zeit des Jahres eintreten."

BRANCHEN-OPTIMISMUS BEFLÜGELT CHIPWERTE


Am Aktienmarkt deckten sich Investoren vor allem mit Chipwerten ein. Mut machten ihnen starke Zahlen und ein optimistischer Ausblick des Halbleiter-Herstellers Micron sowie die 100 Milliarden Dollar schweren Investitionspläne des weltgrößten Chip-Auftragsfertigers TSMC. Den europäischen Index für die Technologiebranche hievte dies auf ein 20-Jahres-Hoch von 687,08 Punkten. Micron-Titel gewannen im vorbörslichen US-Geschäft fast fünf Prozent.

Gefragt waren auch die Papiere von Next, die in London zeitweise um ebenfalls knapp fünf Prozent auf ein Rekordhoch von 8232 Pence stiegen. Der Gewinn des Modehändlers halbierte sich zwar. Vor dem Hintergrund der Pandemie-Beschränkungen sei dies aber ein respektables Ergebnis, lobte Analyst Adam Tomlinson von der Investmentbank Liberum. Zudem habe das Unternehmen dank eines boomenden Online-Geschäfts sein Gewinnziel für das laufende Geschäftsjahr angehoben.

rtr