Die DAX-Anleger haben zu Wochenbeginn die Chance nach den jüngsten Kursrücksetzern zum Wiedereinstieg genutzt. Ein Kurseinbruch beim Index-Schwergewicht Allianz bremste die Erholung allerdings. Dem Versicherer drohen Sonderbelastungen in den USA durch einen milliardenschweren Streit um den sogenannten Structured Alpha Fonds der Konzerntochter Allianz Global Investors (AGI). Eigentlich sollte der Fonds eine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt generieren. Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte der Fonds jedoch happige Verluste erlitten. Zwei Fonds nahm die Allianz daraufhin vom Markt. Die Kläger warfen dem deutschen Unternehmen vor, in der Krise eigene Richtlinien und Pflichten als Treuhänder der Gelder, verletzt zu haben. Vor Gericht erklärte die Allianz Global Investors, dass es sich bei den Klägern um versierte Investoren handele, die sich bewusst für risikoreiche Anlagen entschieden hätten. Nach der Wertpapieraufsichtsbehörde SEC schaltete sich nun auch das US-Justizministerium (DoJ) in die Untersuchung ein. "Juristische Auseinandersetzungen in den USA oder Untersuchungen US-amerikanischer Behörden sind nicht gerade angenehm, zumal der Ausgang teilweise schwer bis gar nicht zu prognostizieren ist", erklärte Analyst Volker Sack von der NordLB. Die Allianz Aktie brach in der Spitze um bis zu zehn Prozent ein.

Für den Gesamtmarkt lief es zu Beginn der Woche dagegen besser. Die Analysten hätten ihre Prognosen für europäische Firmen erneut erhöht, erklärten die Anlagestrategen der Bank Morgan Stanley. Die Wirtschaft und Aktienmärkte würden sich von den Folgen der Corona-Pandemie gut erholen, sagte Haefele Chef-Anleger der Vermögensverwaltung der Bank UBS.

Das Rohöl verbilligte sich in Folge enttäuschender chinesischen Konjunkturdaten. Die Daten des Einkaufsmanager-Index der chinesischen Industrie enttäuschte. Schwächele die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt weiter, sehe es für die globale Konjunktur düster aus, sagte Analyst Edward Moya vom Brokerhaus Oanda.

Infineon Technologies und Adidas gingen als DAX-Gewinner aus dem Handel. Die Schlusslichter waren am Montag Fresenius Medical Care und Allianz.

Was am Montag an der Börse außerdem wichtig war


US-Ministerium schaltet sich in Allianz-Streit ein - Aktie sackt ab
Die Allianz hat in den USA mit einer Untersuchung des US-Justizministeriums zu Schadenersatzklagen potenter Investoren zu kämpfen. Die Kläger werfen dem zum Münchner Konzern gehörenden Vermögensverwalter Allianz Global Investors (AGI) coronabedingte Milliardenverluste vor. Nach der Wertpapieraufsichtsbehörde SEC habe nun auch das US-Justizministerium (DOJ) eine Untersuchung eingeleitet, teilte die Allianz am Sonntag mit. Für die Allianz-Aktie ging es am Montag daraufhin deutlich abwärts.

Vonovia lässt bei Deutsche Wohnen nicht locker - Plant neue Offerte
Der Immobilienkonzern Vonovia gibt auch nach dem abermals gescheiterten Versuch einer Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen nicht auf: Die Bochumer wollen nun mit einer leicht erhöhten Offerte einen weiteren Anlauf wagen. Vonovia will den Aktionären der Deutsche Wohnen 53 Euro je Anteil in bar zahlen und damit einen Euro mehr als zuletzt, wie das Unternehmen in der Nacht zu Montag bekanntgab. Zunächst muss aber noch die Finanzaufsicht Bafin grünes Licht geben.

Flatexdegiro bekommt weniger neue Kunden - Aktie sackt ab
Beim Online-Broker Flatexdegiro hat sich der Zustrom neuer Kunden im zweiten Quartal verlangsamt. Zwar stieg Zahl der Kunden in den ersten sechs Monaten des Jahres um mehr als 500 000 auf 1,75 Millionen, wie das im SDax gelistete Unternehmen am Montag in Frankfurt mitteilte. Allerdings kamen im zweiten Jahresviertel nur rund 140 000 Neukunden hinzu. Flatexdegiro-Chef Frank Niehage sieht das Unternehmen dennoch auf Kurs, die Zahl der Kunden bis Jahresende wie geplant auf 2 bis 2,2 Millionen nach oben zu treiben und 2021 insgesamt 90 bis 110 Millionen Transaktionen abzuwickeln.

Pharmaunternehmen Medios erhöht Umsatzprognose - Aktie steigt
Das Spezialpharma-Unternehmen Medios hat im ersten Halbjahr so viel umgesetzt und verdient wie noch nie. Der Vorstand des SDax-Unternehmens erhöht deshalb ein weiteres Mal seine Jahresziele. "Wir gehen davon aus, dass sich die positive Geschäftsentwicklung auch in den kommenden Monaten fortsetzen wird", sagte Konzernchef Matthias Gärtner laut Konzernmitteilung am Montag in Berlin. Neben dem organischen Wachstum stünden auch Übernahmen weiterhin im Fokus.

HSBC zahlt nach Gewinnsprung wieder Dividende
Die britische Großbank HSBC hat im zweiten Quartal dank einer besseren Lage bei faulen Krediten deutlich mehr verdient als ein Jahr zuvor. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Steuern sei auf 5,6 Milliarden Dollar (rund 4,7 Mrd. Euro) gestiegen, teilte die auf Asien fokussierte Bank am Montag in London mit. Im von Corona stark belasteten Vorjahresquartal hatte dieser Wert bei 2,6 Milliarden Dollar gelegen. Mit dem Quartalsergebnis schnitt die Bank deutlich besser ab, als von Bloomberg befragte Experten erwartet hatten. An der Börse wurden die Nachrichten positiv aufgenommen - zumindest zunächst.

Evotec plant Zweitnotierung an der Nasdaq
Das Biotechunternehmen Evotec will zurück an die US-Börse. Der Konzern habe bei der zuständigen Börsenaufsicht SEC die notwendigen Unterlagen für ein bevorstehendes Angebot sogenannter American Depository Shares (ADS) eingereicht, teilte Evotec am Montag in der Hansestadt mit. Das im MDax und TecDax gelistete Unternehmen plant damit eine Zweitnotiz an der Technologiebörse Nasdaq. Die Einwilligung der SEC vorausgesetzt wird die Erstnotiz für die zweite Jahreshälfte erwartet, die endgültige Zahl der anzubietenden ADS und auch der Angebotspreis stünden aber noch nicht fest. Die neuen Aktien sollen aus dem genehmigten Kapital ausgegeben werden.

Axa steigert Gewinn überraschend stark - Flutkatastrophe dürfte teuer werden
Der französische Versicherer Axa hat seinen Gewinn ein Jahr nach den hohen Schäden durch die Corona-Krise überraschend kräftig gesteigert. Mit knapp vier Milliarden Euro lag der Überschuss im ersten Halbjahr 180 Prozent höher als ein Jahr zuvor, wie der Konkurrent des deutschen Versicherers Allianz am Montag in Paris mitteilte. Damit schnitt Axa besser ab als von Analysten im Schnitt erwartet.

Sportwagenbauer Ferrari verkauft mehr Autos als vor der Krise
Der italienische Luxussportwagenbauer Ferrari hat im zweiten Quartal gut an der deutlich anziehenden Nachfrage verdient. Das Unternehmen lieferte fast doppelt so viele Autos aus wie im coronabedingt sehr schwachen Vorjahresquartal und der Umsatz stieg um 81 Prozent auf etwas mehr als eine Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Montag in Maranello mitteilte. Auch die stärkere Personalisierung von Autos sowie mehr ausgelieferte Motoren an die Stellantis-Marke Maserati und andere Formel-1-Teams trugen dazu bei. Umsatz und Auslieferungen lagen damit höher als im zweiten Quartal 2019 vor der Krise.

US-Bezahldienst Square will Ratenzahlungs-Anbieter Afterpay schlucken
Mit der Übernahme des australischen Zahlungsdienstleisters Afterpay will der US-Bezahldienst Square sein Geschäft um Ratenzahlungen erweitern. Der Deal mit einem Wert von gut 29 Milliarden US-Dollar (24,4 Mrd Euro) solle im ersten Quartal des kommenden Jahres abgeschlossen sein, teilten beide Unternehmen am Montag in San Francisco und Melbourne mit. Square will den Kaufpreis vollständig in eigenen Aktien bezahlen, könnte aber ein Prozent des Gesamtwertes auch in bar abgelten. Damit wäre der Afterpay-Zukauf der größte der Firmengeschichte der Kalifornier.

Eine Million Fahrzeuge mit Elektroantrieb
In Deutschland ist die Schwelle von einer Million Elektrofahrzeugen überschritten. Mit den Neuzulassungen des Juli sei diese Zahl für Plug-in-Hybride und reine Stromer erreicht, erklärten Verkehrs-, Umwelt- und Wirtschaftsministerium am Montag. Dabei werden allerdings nicht nur Pkw, sondern auch Nutzfahrzeuge und Busse mit eingerechnet.

rtr/dpa-AFX/lb