Der Paketboom in Coronazeiten hat der Deutschen Post ein prächtiges Geschäftsjahr beschert. "Der E-Commerce-Boom wird anhalten", sagte Konzernchef Frank Appel am Dienstag. Durch die Corona-Pandemie sei der Onlinehandel 2020 in wenigen Monaten so stark gewachsen wie sonst über Jahre. Dieses Wachstum werde sich nun auf hohem Niveau normalisieren.

Da im vergangenen Jahr der stationäre Handel zeitweise wegen Lockdowns geschlossen war, gingen die Online-Bestellungen durch die Decke. DHL transportierte 2020 nach eigenen Angaben in Deutschland 1,83 Milliarden Pakete und damit deutlich mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019. Da waren es 1,59 Milliarden. Im laufenden Jahr dürfte es den nächsten Höchstwert geben.

Die Flut an Paketen hat der Deutschen Post ein Rekord-Ergebnis eingebracht. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) ist um 17 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gestiegen. Der Konzernumsatz kletterte 2020 um fünf Prozent auf 66,8 Milliarden Euro. Unterm Strich verdiente das Dax-Unternehmen knapp drei Milliarden Euro nach 2,6 Milliarden im Vorjahr.

Aktienrückkauf geplant und angehobene Dividende


Die Geschäfte liefen für den gelben Riesen sogar so gut, dass die Deutsche Post nun Aktien für eine Milliarde Euro zurückkaufen will. Die binnen eines Jahres zurückgekauften Anteilsscheine werden entweder eingezogen oder für die Bedienung von Vergütungsprogrammen eingesetzt, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Das Programm soll noch im März beginnen. Den Mitarbeitern hatte die Post in der Corona-Krise bereits 2020 einen Sonderbonus bezahlt.

Die Aktionärinnen und Aktionäre sollen aber noch mehr vom starken Ergebnis profitieren. Die Bonner schlugen für das abgelaufene Geschäftsjahr eine überraschend höhere Dividende von 1,35 Euro je Aktie vor. Damit zahlt die Deutsche Post 20 Cent mehr als das Jahr zuvor. Eigentlich wollte der Dax-Konzern auf die geplante Erhöhung aufgrund der Corona-Pandemie verzichten. Nachdem im Jahresverlauf aber deutlich wurde, wie gut die Post durch die Krise kommt, war klar, dass auch an der Dividende geschraubt werden würde. Analysten hatten im Schnitt mit einer Erhöhung auf 1,24 Euro gerechnet - die Ankündigung übertrifft die Erwartungen also.

Weiter auf Wachstumskurs


Auch für das laufende Jahr rechnet die Deutsche Post mit weiterem Wachstum vor allem im Onlinehandel. Die Bonner haben deshalb ihre Ziele angehoben. Der Logistikkonzern erwartet 2021 ein Ebit von mehr als 5,6 Milliarden Euro.

Auch bei den Mittelfristzielen bis 2023 zeigt sich das Management optimistischer. Der Konzern hat in zwei Jahren ein Ebit von sechs Milliarden Euro auf dem Zettel. Die Investitionen sollen nun kumuliert für den Zeitraum bis 2023 9,5 bis 10,5 Milliarden Euro betragen. Zuvor war die Post von rund 9,5 Milliarden Euro ausgegangen. Der kumulierte Free Cashflow soll in einer Spanne zwischen 7,5 bis 8,5 Milliarden Euro liegen - bislang hatte das Management mehr als sechs Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Investitionen sind bitter nötig


Die Investitionen wird die Deutsche Post auch brauchen, denn der Paket-Boom steigt und steigt. Zudem greifen Kundinnen und Kunden verstärkt zu den teureren Express-Angeboten. Post-Express-Chef John Pearson ist dabei zuversichtlich, dass das Wachsen des E-Commerce ein nachhaltiger Trend ist.

So schlossen der Logistikkonzern und die Fluggesellschaft Condor erst kürzlich eine Kooperation: Seit Ende Februar hebt Condor für DHL Express ab. Denn vor allem Ferienflieger sind derzeit wegen Corona nicht ausgelastet - kaum jemand fliegt in den Urlaub. Die Partnerschaft sei allerdings zunächst bis Ende Mai befristet, heißt es von Konzernseite.

Perspektivisch sei dabei auch der Transport von Impfstoffen möglich. Auch hier stellt sich der Konzern breiter auf und erweitert seine Kapazitäten zur Lagerung und zum Umschlagen von Pharma- und Medizinprodukten in Deutschland.

Die Partnerschaft mit Condor ist für die Bonner nur ein Teil eines Maßnahmenprogramms, um die weltweit steigenden Express-Volumina bedienen zu können. Bereits Anfang des Jahres hatte das Unternehmen den zusätzlichen Kauf neuer Großraumflugzeuge angekündigt. Die Corona-Krise hat das Einkaufsverhalten verändert und viel ins Internet verlagert.

Unsere Einschätzung zur Deutschen Post-Aktie


Bereits am Montag baute die Deutsche Post-Aktie ihre Gewinne weiter aus, als bekannt wurde, dass der gelbe Riese mehr Dividende zahlt. Das Papier war mit zeitweise mehr als vier Prozent der klare Gewinner im rekordhohen Dax. Auch am Dienstag nach Bekanntgabe der endgültigen Zahlen und dem angehobenen Ausblick schoss die Aktie an die Dax-Spitze und markierte ein neues Rekordhoch bei rund 48,90 Euro.

Die Deutsche Post wird schon länger als absoluter Corona-Profiteur gehandelt. Nicht nur der freie Barmittelzufluss sei im vergangenen Jahr gestiegen, lobt Daniel Roeska vom US-Analysehaus Bernstein Research, jetzt sei auch klar, wie das Geld verwendet werde. Aus seiner Sicht könne der Logistikkonzern künftig zuverlässig mehr als drei Milliarden an freiem Barmittelzufluss generieren.

Charttechnisch betrachtet schwingt die Aktie von Rekord zu Rekord. Im Zuge des Corona-Crashs war der Kurs zeitweise unter 20 Euro abgesackt, hat sich anschließend aber stark erholt. 2020 ist es der Post auch erstmals seit Anfang 2018 wieder gelungen, die 40-Euro-Marke zu knacken. Seit Februar 2020 - also noch vor dem Corona-Crash - zog der Kurs um rund ein Viertel an. Zum Vergleich: Der Dax legte in diesem Zeitraum gerade einmal zwei Prozent zu. Die Post kommt nach der jüngsten Rally an der Börse derzeit auf eine Marktkapitalisierung von knapp 52 Milliarden Euro.

Die im dpa-AFX-Analyser gelisteten Experten plädieren mehrheitlich weiterhin für "Kaufen". Von 14 empfehlen nur drei die Aktie zu halten, Verkaufsempfehlungen gibt es keine. Auch wir bleiben bei unserer Kaufen-Empfehlung. Die anhaltende Stärke im E-Commerce-Geschäft dürfte langfristiger Treiber der Deutschen Post werden. Zudem stützen die geplanten Investitionen und das starke Wachstum im Express-Geschäft unsere Einschätzung.



Mit Material von dpa-AFX/rtr