Eigentlich sollen KI-Chatbots keine Aktien empfehlen – doch im Test liefern Gemini, Claude und ChatGPT überraschend konkrete Anlagetipps. Wir haben die drei großen KI-Systeme nach der Trendfolge-Strategie befragt und verglichen, welche Aktien sie für besonders aussichtsreich halten.

Immer mehr Menschen nutzen KI auch für Anlegertipps an der Börse. Dabei soll KI eigentlich keine direkte Anlageberatung oder spezifische Kaufempfehlungen für einzelne Aktien geben. Sie liefern jedoch in unserem Versuch konkrete Tipps, wenn man im Rahmen einer Investmentstrategie fragt.

Trendfolge-Strategie: KI soll passende Aktien finden

Dafür bietet sich vor allem die Anlagestrategie der Trendfolge an, da die KI diese relativ einfach auswerten kann. Bei der Strategie setzen Anleger darauf, dass sich die bisherige Kursrichtung einer Aktie (Aufwärts- oder Abwärtstrend) auch in Zukunft fortsetzt.

Statt den perfekten Einstiegszeitpunkt am Tiefpunkt zu suchen, wartet man bei dieser Strategie, bis ein Trend klar erkennbar ist, und springt dann auf. Die Vorgabe lautet: „The trend is your friend" (Der Trend ist dein Freund).

Typische Kriterien für solche Aktien sind stabile Kurse über der 50- wie auch 200-Tage-Linie. Das Unternehmen soll zudem regelmäßig neue 52-Wochen-Hochs markieren und eine Relative Stärke (RS) zeigen.

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Weiterführende Links

Claude und Gemini: Banken und Versicherungen

Alphabets Gemini weist zwar auf Risiken bei Aktieninvestments hin, empfiehlt aber unter Verweis auf einen Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Titel aus dem Banken- und Versicherungssektor wegen seiner „bemerkenswerten relativen Stärke". Dabei nennt Gemini die Unternehmen ABN Amro, ING und Axa namentlich.

Anthropics Claude will erst keine konkreten Aktientitel nennen, bietet aber an, vom Fragesteller genannte Papiere nach der Trendfolge-Analyse zu untersuchen. Also schlagen wir die Titel vor, die Gemini aus dem FAZ-Artikel gezogen hat:

Laut Claude erfüllt dabei ING aktuell fast alle Trendfolge-Kriterien am stärksten: "Klarer Aufwärtstrend, gutes Momentum, noch nicht überkauft." Axa bewertet er als okay, aber vergleichsweise unattraktiv, da der Titel nur sehr knapp über der 200-Tage-Linie notiere.

Wenn man Gemini nach einem Ranking fragt, setzt es ABN Amro auf den ersten Platz ("absoluter Top-Trend, bricht gerade auf Allzeithochs aus") und sieht bei Axa die gleichen Schwachstellen wie Claude.

ABN Amro Group (WKN: A143G0)
ING (WKN: A2ANV3)
AXA (WKN: 855705)

Aktientipps: ChatGPT setzt eher auf Tech

OpenAIs ChatGPT hat wiederum kein Problem damit, Empfehlungen zu geben, und geht dabei in eine andere Richtung: Die KI empfiehlt Marvell Technology – "einer der stärksten Large Caps der letzten Monate, profitiert vom KI- und Rechenzentrums-Boom und hat sehr starke relative Stärke".

Für den DAX empfiehlt ChatGPT Siemens – Begründung: "Notiert nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch und zeigt seit mehreren Wochen einen stabilen Aufwärtstrend. Das Industrie-, Infrastruktur- und Automatisierungsgeschäft liefern einen breiten Trendtreiber."

Gemini bewertet beide Titel auch als Trendfolge-Aktien. Allerdings sieht er bei Marvell Technology einen "extremen, fast schon „überhitzten“ High-Flyer-Trend", während er bei Siemens einen stabilen, klassischen Bilderbuch-Aufwärtstrend mit hoher Zuverlässigkeit sieht.

Claude ist auch der Meinung, dass Siemens ein "lehrbuchhaftes Trendfolge-Bild" zeigt, während er bei dem US Konzern warnt: "Marvell ist technisch der stärkste Trend auf dem Markt – aber genau das ist das Problem. Der Abstand zur 200-Tage-Linie von über 160 Prozent ist kein normales Trendfolge-Signal mehr, sondern ein Extremwert."

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Marvell Technology Group (WKN: A3CNLD)
Siemens (WKN: 723610)

Häufige Fragen

Wer sind Gemini, Claude und ChatGPT?

Gemini, Claude und ChatGPT sind die drei derzeit meistgenutzten KI-Chatbots weltweit. Gemini stammt vom Google-Mutterkonzern Alphabet und ist direkt in viele Google-Dienste integriert. Claude wird vom US-amerikanischen KI-Unternehmen Anthropic entwickelt, das von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet wurde und besonders auf Sicherheit und Verlässlichkeit setzt. ChatGPT ist das Produkt von OpenAI und gilt als der bekannteste KI-Chatbot überhaupt – er hat die öffentliche Debatte über Künstliche Intelligenz maßgeblich ausgelöst. Alle drei Systeme basieren auf sogenannten Large Language Models (LLMs), also KI-Modellen, die auf riesigen Mengen an Textdaten trainiert wurden und dadurch in der Lage sind, menschliche Sprache zu verstehen und zu erzeugen.

Warum ist KI-Anlageberatung ein Problem?

KI-Chatbots sind keine zugelassenen Finanzberater – und das ist kein Detail, sondern ein grundsätzliches Problem. In Deutschland und der EU darf Anlageberatung nur von regulierten Fachleuten mit entsprechender Zulassung erteilt werden. KI-Systeme unterliegen dieser Regulierung nicht und haben keinen Einblick in die persönliche finanzielle Situation des Nutzers. Hinzu kommt: Die Modelle können veraltete oder schlicht falsche Informationen liefern – sogenannte „Halluzinationen" –, ohne dass der Nutzer dies ohne weiteres erkennen kann. Wer auf Basis von KI-Tipps investiert, trägt das volle Risiko selbst. Die Anbieter weisen zwar in ihren Nutzungsbedingungen auf diese Einschränkungen hin, doch in der Praxis liefern die Chatbots auf geschickt gestellte Fragen trotzdem konkrete Empfehlungen – was die Grenze zwischen Information und Beratung gefährlich verwischt.

Was ist die Trendfolge-Strategie?

Die Trendfolge ist eine klassische Anlagestrategie, bei der Investoren gezielt auf Aktien setzen, die sich bereits in einem klaren Aufwärtstrend befinden – in der Erwartung, dass sich dieser Trend fortsetzt. Das Prinzip dahinter lautet: „The trend is your friend." Anstatt nach dem perfekten Einstiegszeitpunkt am Tiefpunkt zu suchen, warten Trendfolger, bis ein Aufwärtstrend eindeutig erkennbar ist, und steigen dann ein.

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