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Dividenden-Analyse: Krisenfeste Geldquellen - hier erzielen Sie nachhaltige Rendite

Dividenden-Analyse: Krisenfeste Geldquellen - hier erzielen Sie nachhaltige Rendite
16.04.2021 07:00:00

Trotz der Pandemie hebt über die Hälfte der DAX-Konzerne die Dividende für 2020 an. Wo Anleger künftig nachhaltige Renditen erzielen. Von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Deutschlands Topkonzerne verbreiten Optimismus: Mehr als die Hälfte der DAX-Mitglieder will die Dividende für 2020 trotz der weiter wütenden Pandemie anheben. Die Gesamtsumme dürfte im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht steigen. €uro am Sonntag rechnet für die 30 Indexmitglieder mit einer Ausschüttung von 33,8 Milliarden Euro. Das wäre rund ein Prozent mehr als für 2019. Von der Bestmarke sind die Konzerne allerdings weit entfernt - vor der Pandemie zahlten die DAX-Konzerne über 38 Milliarden.

Bereits die laufende Dividendensaison soll den Weg zurück in die Normalität ebnen. Die heiße Phase begann vergangenen Mittwoch mit der Hauptversammlung von Daimler. Den Schlusspunkt setzt Volkswagen im Juli. Dass die Welt noch immer in der Krise steckt, ist dabei nicht zu übersehen: Das zweite Jahr in Serie werden die Treffen über das Internet abgehalten. Aktionäre müssen also auf das bei vielen beliebte Büfett verzichten. Schwer im Magen liegen dagegen, zumindest bei einigen Unternehmen, die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres.

Die harten Fakten: Der auf die Anteilseigner entfallene Nettogewinn aller 30 DAX-Konzerne ist 2020 nach Berechnung von €uro am Sonntag um fast 50 Prozent eingebrochen. Selbst wenn man Bayer herausrechnet - der Konzern verbuchte unter anderem durch Sonderaufwendungen aus dem Glyphosat-Rechtsstreit mehr als zehn Milliarden Euro Verlust -, bleibt ein Gewinnrückgang im DAX von über 30 Prozent. Immerhin fast jedes dritte Unternehmen konnte den Nettogewinn im vergangenen Jahr steigern.

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Doppelter Schmerz

Die Pandemie wird zum Härtetest für die Dividendenpolitik der Konzerne. Wie schon in der Finanzkrise 2008/09 haben viele enttäuscht. Knapp die Hälfte der aktuellen DAX-Mitglieder hat die Auszahlung seit Beginn der Pandemie mindestens einmal gekürzt oder sogar komplett gestrichen. Viele haben den Schnitt bereits im vergangenen Jahr vollzogen, also mit der Ausschüttung für 2019. Eine Dividendenkürzung ist ein schneller und einfacher Weg, die Bilanz zu schonen. Für Aktionäre dagegen kann der Einschnitt schmerzhaft sein, wenn das Geld fester Bestandteil der persönlichen Finanzplanung ist.

Doch auf welche Unternehmen im DAX ist bei der Dividende wirklich Verlass? Die exklusive Analyse von €uro am Sonntag belegt: Die Auswahl ist überschaubar. Nur SAP, Fresenius und Fresenius Medical Care haben ihre Ausschüttung in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gesteigert. Bei diesen drei allerdings liegt die Dividendenrendite lediglich bei rund zwei Prozent. Anleger, die überdurchschnittliche Dividendenrendite, eine möglichst saubere Historie und dazu gute Perspektiven wollen, werden hier fündig: Im Folgenden stellen wir unsere Favoriten vor.

Der Riese im DAX

Der größte Dividendenzahler im DAX bleibt die Allianz. Knapp vier Milliarden Euro sollen im Mai an die Aktionäre überwiesen werden. Wie im Vorjahr gibt es für jede Aktie 9,60 Euro. Vor zehn Jahren zahlte der Versicherungskonzern noch 4,50 Euro. Die Ausschüttung je Aktie hat sich also innerhalb einer Dekade mehr als verdoppelt. Zum letzten Mal gekürzt wurde für das Jahr 2008: Inmitten der globalen Finanzkrise war die Konzernbilanz durch hohe Verluste der damaligen Konzerntochter Dresdner Bank belastet worden.

Der Versicherungskonzern hat die Pandemie bislang gut überstanden: Der Nettogewinn sank zwar 2020 um 14 Prozent. Es blieb aber ein Überschuss von 6,8 Milliarden. Die Ausschüttungsquote steigt damit über die angestrebte Marke von 50 Prozent. In einem Ausnahmejahr ist das aber vertretbar. Analysten gehen davon aus, dass der Nettogewinn bereits 2021 auf mehr als acht Milliarden Euro steigt. Damit wären zehn Euro je Aktie als Dividende drin. Außerdem könnte das während der Pandemie gestoppte Aktienrückkaufprogramm in der zweiten Jahreshälfte wieder aufgenommen werden. Die Dividendenrendite der Aktie liegt mehr als einen halben Prozentpunkt über dem Niveau des Branchenrivalen Munich Re. Die Allianz bleibt der Top-Dividendenwert im DAX.

Positives aus Ludwigshafen

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF rechnet für das laufende Jahr mit einer kräftigen Geschäftsbelebung: Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) soll auf 4,1 bis 5,0 Milliarden Euro klettern. Das wäre in der Spitze ein Zuwachs von 39 Prozent. Schon im Schlussquartal 2020 waren die Signale aus Ludwigshafen klar positiv. Der bereinigte operative Gewinn stieg um knapp ein Drittel, stärker als von Börsianern erwartet.

Als Dividendenwert hat sich BASF mit zehn Anhebungen in Serie einen exzellenten Ruf erarbeitet. Für das vergangene Jahr allerdings soll die Ausschüttung bei 3,30 Euro je Aktie stagnieren. Und das, obwohl Konzernchef Martin Brudermüller das Ziel ausgeben hatte, die Zahlung jedes Jahr anzuheben. Jetzt heißt es lediglich, BASF könne "nach vorn weiterhin hohe Dividenden bezahlen". Analysten gehen davon aus, dass die Dividende für das laufende und kommende Jahr bestenfalls ganz leicht steigt, auch weil der Konzern hohe Investitionen etwa in den Klimaschutz stemmen muss. Das operative Geschäft sollte unabhängig davon anziehen. Die zyklische Erholung der Wirtschaft, Kostensenkungen und Portfolioumschichtungen versprechen einen Hebel.

Möglich ist, dass BASF den oberen Rand seiner Prognose erreicht oder übertrifft. Die Aktie bietet eine Dividendenrendite von über viereinhalb Prozent und gehört hiermit zur DAX-Spitze.

Glücksboten

Für die Boten der Deutschen Post war 2020 richtig anstrengend: 1,6 Milliarden Pakete wurden allein im Heimatmarkt zugestellt, 200 Millionen mehr als im Vorjahr. Weil in der Pandemie viele Läden geschlossen wurden, shoppen die Konsumenten im Internet, und in vielen Fällen wurde die Ware von der Deutschen Post geliefert. Besonders lukrativ für den Konzern ist das Express-Geschäft, bei dem Lieferungen termingenau zugestellt werden.

Das Rekordjahr 2020 dürfte nur eine Zwischenstation für die Rheinländer sein: Der operative Gewinn (Ebit) soll bis zum Jahr 2023 von zuletzt 4,8 Milliarden auf mehr als sechs Milliarden Euro zulegen. Das Volumen wird durch den wachsenden Internethandel getrieben, die Digitalisierung senkt zugleich die Kosten. 40 bis 60 Prozent des Gewinns sollen an die Aktionäre gehen. Für 2020 will die Post 1,35 Euro je Aktie zahlen, 20 Cent mehr als 2019. Das entspricht einer Ausschüttungsquote von 56 Prozent. Analysten kalkulieren, dass die Dividende des Logistikriesen in den kommenden Jahren um durchschnittlich sechs bis sieben Prozent zulegt. Die Aktie der Deutschen Post bleibt ein Wachstumswert mit einer Dividendenrendite leicht über DAX-Niveau.

Wohngeld für Aktionäre

Seit Sommer 2013 wird die Aktie des Bochumer Immobilienkonzerns Vonovia an der Börse gehandelt. Die Dividendenhistorie ist jetzt schon beachtlich: In jedem Jahr hat er seine Ausschüttung angehoben, im Schnitt um 14 Prozent. Für das vergangene Jahr soll es 1,69 Euro je Aktie geben. Das läuft auf eine Dividendenrendite von rund drei Prozent hinaus. 70 Prozent des FFO - diese Kennziffer steht für den operativen Gewinn eines Immobilienkonzerns - sollen ausgeschüttet werden.

Vonovia gehören 416.000 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich. Weitere 74.000 werden verwaltet. Niedrige Zinsen und wachsende Großstädte treiben die Immobilienpreise nach oben und steigern den Wert des Bestands. Außerdem erweitern die Bochumer ihr Portfolio durch Zukäufe und Neubauten. Mit zunehmender Größe lassen sich Kostenvorteile beim Unterhalt erzielen.

Das Geschäft der Immobilienbranche ist in Wirtschaftskrisen relativ stabil, weil Mieter nicht riskieren wollen, ihre Wohnung zu verlieren. 2020 stieg der FFO bei Vonovia um knapp elf Prozent. Problematisch würde es, wenn die Immobilienpreise in Europa deutlich sänken, die Zinsen kräftig stiegen oder der Staat den Markt stärker regulierte. Analysten sehen Vonovia aber auf Kurs: Der FFO dürfte weiter steigen, die Dividende entsprechend mitziehen. Analysten gehen davon aus, dass die Ausschüttung im Jahresschnitt um rund fünf Prozent wächst. Die makellose Dividendenserie dürfte also anhalten.


 


28 Jahre zuverlässig Dividende

Fuchs Petrolub hat eine beachtliche Serie vorzuweisen: Seit 28 Jahren hat der Schmierstoffhersteller aus Mannheim seine Dividende nicht gesenkt, seit 19 Jahren steigt sie durchgehend. Für 2020 sollen Besitzer der im MDAX notierten Vorzüge 99 Cent pro Aktie erhalten, zwei Cent mehr als im Vorjahr. Analysten erwarten, dass es in kleinen Schritten weiter nach oben geht.

Das Geschäft von Fuchs hat sich im vergangenen Jahr mit einem Rückgang von drei Prozent beim operativen Ergebnis gut gehalten. Die Erholung dürfte allerdings durch steigende Rohstoffkosten gebremst werden. Der Konzern, zu dessen wichtigsten Kunden auch die Autoindustrie zählt, hat inzwischen auch Öle und Schmierstoffe für die Anforderungen alternativer Antriebe in Elektro- und Hybridfahrzeugen im Portfolio. Die Eigenkapitalquote liegt mit 75 Prozent auf einem hohen Niveau.

Durch die jüngste Kursschwäche ist die Dividendenrendite auf ein Niveau von knapp zweieinhalb Prozent gestiegen. Die Ausschüttungsquote liegt bei 62 Prozent und damit auf einem vertretbaren Niveau. Die Aktie ist angesichts des wirtschaftlichen Umfelds eine Turnaround-Spekulation mit Dividende als Extra.

Eine deutlich höhere Dividendenrendite als bei Fuchs gibt es bei der DWS Group. Der im SDAX notierte Vermögensverwalter aus Frankfurt profitiert von der guten Stimmung an den Aktienmärkten. Das verwaltete Vermögen stieg zuletzt auf das Rekordvolumen von 793 Milliarden. Der bereinigte Vorsteuergewinn legte im vergangenen Jahr leicht um drei Prozent zu.

Als Dividende für 2020 soll es nach der Hauptversammlung im Juni 1,81 Euro je Aktie geben. Das entspricht bei aktuellem Kurswert einer Rendite von rund fünf Prozent. Die DWS ist erst seit März 2018 an der Börse und hat die Ausschüttung seitdem stets angehoben. 65 bis 75 Prozent, also ein sehr großer Teil des Gewinns, soll an die Aktionäre gehen. Die Aktie hat also über die Dividende den Charakter eines zuverlässigen Cash-Lieferanten.

Sogar rund acht Prozent Dividendenrendite wirft die Aktie von Freenet derzeit ab. Der Telekomdienstleister will seinen Aktionären für das vergangene Geschäftsjahr 1,50 Euro Dividende und eine Sonderzahlung von 15 Cent überweisen, also insgesamt 1,65 Euro. Zusätzlich kauft das im MDAX gelistete Unternehmen eigene Aktien zurück. In der Pandemie war die Dividende für 2019 allerdings auf den Mindestsatz von vier Cent gestutzt worden.

Grundsätzlich strebt Freenet eine Ausschüttung von mindestens 80 Prozent des Free Cashflows an. Da sich die Büdelsdorfer in einem hart umkämpfen Markt bewegen, dürfte das Steigerungspotenzial begrenzt sein. Aber auch bei einer konstanten Zahlung in Höhe von 1,50 Euro wäre die Dividendenrendite mit mehr als sieben Prozent immer noch überdurchschnittlich.

 


INVESTOR-INFO

DAX-Dividende

Leicht verbessert

Deutschlands Topkonzerne haben die Dividenden schon im vergangenen Jahr, also in der Frühphase der Pandemie, deutlich gekürzt. Dadurch ist der Druck jetzt nicht mehr so groß. In diesem Jahr steigt die Dividendensumme im DAX sogar leicht an.

Die grössten Zahler

Klarer Spitzenreiter

Knapp vier Milliarden Euro wird die Allianz in diesem Jahr an ihre Aktionäre ausschütten. Damit verteidigt der Versicherungskonzern seine Stellung als der größte Dividendenzahler im DAX. Mit deutlichem Abstand folgen BASF, Deutsche Telekom und Siemens, die jeweils rund drei Milliarden auszahlen.

So geht Dividende

Die wichtigsten Regeln

Viele Unternehmen beteiligen ihre Aktionäre über eine Ausschüttung am Jahresgewinn. Wer die Dividende kassieren will, muss die Aktie spätestens am Tag der Hauptversammlung des Unternehmens kaufen und am Ende dieses Tages im Depot haben. Gezahlt wird das Geld spätestens am dritten auf die Hauptversammlung folgenden Geschäftstag. Allerdings hält der Fiskus bei in Deutschland steuerpflichtigen Aktionären die Hand auf. Abgezogen werden insgesamt 26,375 Prozent an Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag, gegebenenfalls kommt Kirchensteuer dazu. Die Abgaben werden automatisch an das Finanzamt abgeführt. Angerechnet wird der Sparerpauschbetrag. Mit einem Freistellungsauftrag bei der Depotbank können Anleger im Jahr 801 Euro steuerfrei kassieren, zusammenveranlagte Paare 1.602 Euro.


Bildquelle: Finanzen Verlag, Finanzen Verlag

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