Geldpolitik



War das schlechte Börsenjahr 2018 lediglich eine Episode, auf die wieder gute Jahre folgen werden oder aber der Auftakt zu einer längeren Schwächephase mit stagnierenden oder fallenden Kursen? Diese Frage bewegt derzeit Sonja Laud, die seit Anfang 2019 als stellvertretende Anlagechefin bei der britischen Fondsgesellschaft Legal & General Investment Management (LGIM) arbeitet. Um es gleich vorweg zu sagen: Laud, die zuvor für die DWS, Schroders, Barings und Fidelity gearbeitet hat, blickt derzeit skeptisch auf die Kapitalmärkte. "In den Jahren 2009 bis 2017 sind die Anlagerenditen stärker gestiegen als das BIP-Wachstum", sagt sie. Gleichzeitig sei 2018 das erste Jahr nach der Finanzkrise gewesen, in dem die Notenbanken ihre Unterstützung zurückgezogen hätten. Es stellt sich also die Frage, ob eine straffere Geldpolitik die Kapitalmärkte in dem Maße negativ beeinflussen könnte wie die expansive Geldpolitik sie positiv beeinlusst hat. "Für die Geldpolitik der vergangenen zehn Jahre gibt es keine historischen Vorbilder, sodass es zu unerwarteten Konsequenzen kommen kann", schildert die LGIM-Expertin das Problem. "Daher dürfte eine Rückführung der expansiven Geldpolitik mit einer höheren Volatilität einhergehen".

Fundamentaldaten



In den USA werde die Wirtschaft langsamer wachsen und sich dem weltweiten Niveau annähern, erwartet Laud. China könne einen Gegenimpuls dazu bilden, falls das Kreditwachstum wieder anspringe. "Falls es hier aber keine Bewegung gibt, haben wir ein Problem", sagt sie, da das globale Wachstum stark von China abhänge. Wachsam bleibt die gebürtige Hamburgerin auch beim Rentenmarkt. Aufgrund der niedrigen Zinsen hätten viele US-Unternehmen neue Anleihen im "BBB"-Bereich aufgelegt. Was für jedes einzelne Unternehmen sinnvoll sei, könne die Wirtschaft als Ganzes aber belasten, falls es hier vermehrt zu Zahlungsausfällen komme, analysiert sie. Gleichzeitig befürchtet Laud, dass das Gewinnwachstum der US-Unternehmen nachlassen werde. Bedenken müsse man zudem, dass die jüngste Aktienhausse vermögende Bürger stärker begünstigt habe als nicht vermögende Bürger und dies zu gesellschaftlichen Konflikten führen könne.

Bewertungen



Ein weiteres Problem seien die Bewertungen. "Seit dem Jahr 2009 hat die Ausweitung der Kurs-Gewinn-Verhältnisse die Aktienmärkte stärker getrieben als das Gewinn- und Umsatzwachstum", sagt Laud und schlussfolgert, dass das nicht wiederholbar sei. Daher rät sie Anlegern, die Risiken im Portfolio zu senken.

Neue L & G Core ETFs



Unterdessen hat LGIM neue Core-Aktien- ETFs lanciert, die Handelsverluste vermeiden sollten, ESG-Faktoren berücksichtigen und bei denen LGIM seine Stimmrechte aktiv ausübt.