Es kommt eher selten vor, dass Meldungen aus den britischen Boulevardzeitungen zu Kurskapriolen bei deutschen Aktien führen. Gerade während der eher ruhigen und umsatzschwachen Sommerzeit scheinen einige Zocker für entsprechende Beiträge aber sehr empfänglich. In der "Daily Mail" wurde eine Übernahme von Evotec durch den britischen Pharmakonzern AstraZeneca ins Spiel gebracht. Geboten werden offenbar mehr als fünf Euro pro Aktie, rund 20 Prozent mehr als aktuell aufgerufen werden. Zeitweise schoss der Kurs auf den höchsten Stand seit Mitte Januar.

Eine fragwürdige Reaktion, denn als Begründung wird auf die drohende Übernahme von AstraZeneca durch den US-Giganten Pfizer verwiesen. Auch wenn Evotec zuletzt einige Erfolge vermeldete, sollte AstraZeneca von Pfizer geschluckt werden, würden die Hamburger keine Rolle spielen. Zur Einordnung: Die defizitäre Evotec bringt derzeit rund 540 Mio. Euro auf die Börsenwaage. Die Übernahmeschlacht zwischen den beiden Pharma-Giganten bewegt sich hingegen in ganz anderen Dimensionen. Ende Mai erklärte der Viagra-Hersteller Pfizer, dass man nach der Absage der Briten an die jüngste Offerte über 118 Mrd. Dollar vorerst keine weiteren Versuche starten wird. Eine Übernahme von AstraZeneca durch Pfizer ist somit vorerst vom Tisch, hier geht es um dreistellige Milliarden-Beträge.

Halten wir uns daher an die Fakten. Bis Mitte Juni wirkten die eher durchwachsenen Quartalszahlen der ersten drei Monate nach. Nach einem Verlust von 2,9 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum rauschte die Biotechschmiede wegen geringerer Zahlungen von Pharmapartnern mit vier Mio. Euro tiefer in die roten Zahlen. Zumindest haben die Hamburger vorerst genügend Geld in der Kasse, die Liquidität soll auch Ende 2014 unverändert bei mehr als 90 Mio. Euro liegen. Beim Ebitda wird ein ähnliches Niveau wie im vergangenen Jahr angepeilt, als 13 Mio. Euro erzielt wurden.

Auf Seite 2: Starke Nachrichten in den vergangenen Wochen

Starke Nachrichten in den vergangenen Wochen

Hoffnungen wecken vor allem einige Übernahmen und Kooperationen. Nach dem Zukauf eines Forschungsdienstleisters im Mai meldete Evotec einen Meilenstein in der Kooperation mit Boehringer Ingelheim. Anfang Juli gab das TecDAX-Unternehmen eine exklusive strategische Zusammenarbeit mit dem Frauenhofer-Institut bekannt. "Diese Zusammenarbeit stellt mit der projektspezifischen Kombination von erstklassigen Technologien eine Win-Win-Situation dar. Insbesondere Evotecs medizinische Chemie und Expertise wird unseren gemeinsamen sowie den Partnerprojekten entscheidende Vorteile bringen", sagte der Leiter des Fraunhofer IME-Instituts, Rainer Fischer. Finanzielle Details wurden nicht bekannt, für Evotec steigen aber die Chancen, eigene Projekte voranzutreiben und neue Partner zu überzeugen. Allerdings dürfte es wohl noch länger dauern, bis kommerziell relevante Projekte vorliegen. In den Fokus rücken nun die Zahlen für das erste Halbjahr, die am 12. August erwartet werden.

Charttechnisch ist der Anstieg der vergangenen Tage über die ehemalige Barriere um 3,70 / 3,75 Euro durchaus beeindrucken, zumal auch das Handelsvolumen explodierte. Hier dürften aber besonders sehr kurzfristige Trader aufgrund der zweifelhaften Übernahmegerüchte aktiv geworden sein. Aus technischer Sicht ist durchaus noch Luft bis an das Jahreshoch um 4,56 Euro, aber auch ein Rücksetzer bis an das Ausbruchsniveau wäre nicht überraschend. Kursbewegungen zwischen diesen Marken sind vollkommen willkürlich, hier geben Zocker die Richtung vor. Die Charttechnik spielt nur eine untergeordnete Rolle, denn die Geschichte lebt ganz klar von neuen Kooperationen oder Spekulationen.

Auf Seite 3: Der passende Schein zum Chart

Der passende Schein zum Chart

Die Risiken sind derzeit sehr hoch, nach oben wie auch nach unten muss mit größeren Bewegungen gerechnet werden. Alternativ zu einem Direktinvestment oder Spekulationen mit Hebelprodukten können Anleger auch die derzeit erhöhte Volatilität in der Aktie nutzen und mit Discountzertifikaten einsteigen. Interessant erscheint das Papier mit der WKN DZS8G7 https://zertifikate.boerse-online.de/zertifikate/Auf-Evotec-AG/DZS8G7 . Die Rückzahlung ist bei Fälligkeit Ende Dezember 2014 auf maximal vier Euro begrenzt. Aktuell kostet der Schein 3,61 Euro, Anleger steigen also mit einem Discount von 13 Prozent ein. Die Maximalrendite liegt bei 10,8 Prozent oder 25,8 Prozent p.a.