Der deutsche Cloud-Anbieter Ionos könnte von einer Milliardenförderung seitens der EU profitieren. Diese erhofft sich mehr Resilienz und Unabhängigkeit bei europäischen KI-Anwendungen.
Der deutsche Cloud- und Hosting-Anbieter Ionos könnte massiv von der Genehmigung einer sogenannten KI-Gigafactory durch die EU profitieren. An dem Projekt wäre neben Ionos auch das Bauunternehmen Hochtief beteiligt. Vergangenen Juni haben die beiden Unternehmen eine Interessenbekundung für den Bau und Betrieb einer solchen KI-Factory bei der Europäischen Kommission eingereicht. Die Interessenbekundung sieht den Aufbau einer hochleistungsfähigen Rechenzentrumsinfrastruktur vor, deren Betrieb bereits 2027 aufgenommen werden soll. Zum Einsatz soll neueste GPU-Technologie mit einer Leistung von über 50 000 GPUs kommen, skalierbar auf über 100 000 GPUs. 20 Milliarden Euro will die Europäische Union in fünf KI-Gigafactorys investieren. Pro Rechenzentrum zwischen drei und fünf Milliarden Euro.
Fokus auf kleineren KI-Modellen
Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Digitalisierung sowie im Betrieb von Cloud-Infrastruktur bringt Ionos das technologische Know-how für den Betrieb mit. Die Leistung soll bei 100 bis 200 Megawatt liegen. In den USA sind es bisweilen über ein Gigawatt, auf die ein Rechenzentrum, etwa von Alphabet oder Meta, kommt. Diese Leistung wird für Large Language Models wie zum Beispiel ChatGPT von OpenAI benötigt. Andreas Nauerz, Chief Product Officer bei Ionos, sieht für die Europäische Union aber einen anderen Bedarf. „Für ein Industrieland wie Deutschland halte ich Large Language Models für gar nicht so relevant. Denn was will man mit einem Large Language Model, das einem sagt, was Christoph Kolumbus 1492 gemacht hat? Wir brauchen eher kleine Modelle“, so Nauerz. Diese sollen dann in der Industrie, in autonomen Systemen, in Fahrzeugen und Robotern eingesetzt werden.
Laut einem Sprecher rechnet Ionos frühestens Ende Januar mit einer Bekanntgabe seitens der EU-Kommission. In Deutschland hat sich Berichten zufolge eine geringe zweistellige Zahl an Unternehmen auf eine Förderung beworben, von denen vier besonders hohe Chancen haben. Zu diesen zählt laut CPO Nauerz auch Ionos. Denkbar sei auch, dass ein solches Projekt ohne die Förderung umgesetzt werden kann. Voraussetzung sei jedoch die Wirtschaftlichkeit. Operativ läuft es gut für Ionos. 2025 gewann das Unternehmen in den ersten neun Monaten 210 000 Neukunden nach 110 000 im Vorjahreszeitraum. Im laufenden Jahr soll das Umsatzwachstum währungsbereinigt auf sieben Prozent zulegen. Sollten Ionos und Hochtief den Zuschlag bekommen, könnte sich das deutlich auf den Aktienkurs von Ionos auswirken. Ohnehin ist die derzeitige Bewertung attraktiv.
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