Zwei Aktien aus Deutschland zeigen sich zum Wochenstart besonders schwach. Dabei hat eine ihr drängendstes Problem am Persischen Golf am Wochenende gelöst - doch das reicht nicht, weil sich die geopolitische Lage ernuet zuspitzt.
Auslöser ist die faktische Wieder-Schließung der strategisch extrem wichtigen Straße von Hormus durch den Iran. Die Meerenge zählt derzeit bekanntlich zu den bedeutendsten Transportrouten für Öl und Flüssiggas weltweit. Entsprechend sensibel reagieren Investoren auf jede Eskalation in der Region. Die Sorge vor Lieferengpässen, steigenden Energiepreisen und möglichen militärischen Auseinandersetzungen sorgt zum Wochenstart für erhöhte Nervosität an den Börsen. Besonders stark unter Druck geraten dabei zwei deutsche Aktien aus dem MDAX: TUI (-3,4 Prozent) und Lufthansa (-4,1 Prozent). Beide Werte verlieren überproportional und zählen zu den schwächsten Titeln im Markt.
TUI: Gute Nachrichten verpuffen
Dabei hab es bei der TUI eigentlich positive Nachrichten zu vermelden. Schließlich konnten zwei Kreuzfahrtschiffe des Reisekonzerns - „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ - die Straße von Hormus bereits am Samstag erfolgreich passieren. Sie befinden sich mittlerweile auf dem Weg ins Mittelmeer. Damit wurde eine kritische Phase ohne Zwischenfälle überstanden, was grundsätzlich für Entspannung sorgen könnte. Eine weitere Verzögerung hätte erhebliche Auswirkungen auf den Kreuzfahrtbetrieb der TUI gehabt.
Doch diese gute Nachricht verpufft im aktuellen Marktumfeld nahezu vollständig. Anleger fokussieren sich stattdessen auf die anhaltenden geopolitischen Risiken und die Unsicherheit rund um mögliche weitere Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr. Gerade ein Tourismuskonzern wie TUI reagiert besonders empfindlich auf solche Entwicklungen, da Buchungen schnell zurückgehen können, wenn sich die Sicherheitslage verschlechtert oder die Kerosinpreise steigen.
Lufthansa: Mehrere Belastungsfaktoren zugleich
Noch deutlicher fällt die Lufthansa-Aktie. Hier kommen gleich mehrere belastende Faktoren zusammen. Zum einen warnen Experten zunehmend vor einem möglichen Kerosinmangel in Europa, sollte sich die Lage im Nahen Osten weiter zuspitzen. Die Internationale Energieagentur hat bereits auf potenzielle Versorgungsengpässe hingewiesen. In Deutschland wird das Thema zusätzlich auf politischer Ebene diskutiert, unter anderem im Rahmen eines heute stattfindenden Kerosin-Gipfels der Bundesregierung mit Vertretern der Luftfahrtbranche in Berlin. Steigende Treibstoffpreise oder gar Versorgungsengpässe würden die Kostenstruktur der Airline massiv belasten.
Hinzu kommen beid er Lufthansa hausgemachte Probleme: Streiks sorgen weiterhin für Bremsspuren im operativen Geschäft. Flugausfälle, Verzögerungen und steigende Personalkosten drücken auf die Margen. Gleichzeitig hat Lufthansa zuletzt Maschinen der Tochter Cityline stillgelegt, was die Kapazitäten einschränkt und zusätzliche Belastungen verursacht. Diese Kombination aus externen Risiken und internen Herausforderungen lässt Anleger aktuell das Weite suchen.
Fazit: Sowohl TUI als auch Lufthansa stehen derzeit unter erheblichem Kosten- und auch Nachfragedruck. Die geopolitische Unsicherheit rund um die Straße von Hormus ist ein schwer kalkulierbares Risiko, das jederzeit weiter eskalieren kann. Gleichzeitig kämpfen beide Unternehmen mit branchenspezifischen Problemen. Auch wenn einzelne positive Nachrichten vorhanden sind, dominieren aktuell die Risiken. Für Anleger gilt daher: Vorsicht ist angebracht. Ein Einstieg erscheint zum jetzigen Zeitpunkt wenig attraktiv, solange sich die Lage nicht nachhaltig stabilisiert. Abwarten dürfte aktuell die bessere Strategie sein.
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