Hella passe weniger gut zu Knorr-Bremse als gedacht, räumte Vorstandschef Jan Mrosik ein. Für das Unternehmen aus Lippstadt - das sich nicht zu den Verkaufsplänen seiner Großaktionäre bekannt hat - interessieren sich aber noch mehrere Konkurrenten. Darunter seien die französischen Autozulieferer Faurecia und Plastic Omnium, mit denen derzeit bevorzugt verhandelt werde, sagten mehrere mit dem Bieterprozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Eine Vorentscheidung könne in der kommenden Woche fallen, sagten zwei der Insider. Nur wenn die Verhandlungen mit den Branchenvertretern scheiterten, könnten auch Finanzinvestoren wie Advent und Bain zum Zuge kommen, die ebenfalls ein Auge auf Hella geworfen hätten. Mit dem Einstieg wäre ein Pflichtangebot an die übrigen Hella-Aktionäre verbunden. Das Unternehmen ist an der Börse mehr als 6,4 Milliarden Euro wert. Am Donnerstag gab die Aktie um zwei Prozent auf 56,76 Euro nach. Erleichtert waren dagegen die Investoren in Knorr-Bremse. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie, die nach Bekanntwerden der Pläne um 20 Prozent abgerutscht war, erholte sich um gut sechs Prozent auf 96,04 Euro.

Ganz werde Knorr-Bremse den Rückstand aber nicht aufholen, erklärten die Analysten von Credit Suisse. Es stehe weiter die Frage im Raum, wo das Unternehmen zukaufen müsse, um dem Trend zum autonomen Fahren auch bei Lastwagen zu folgen. Bei Hella hatte Knorr-Bremse vor allem das Sensoren-Geschäft attraktiv gefunden. "Wir ziehen jederzeit Möglichkeiten wertsteigender Transaktionen mit international führenden Unternehmen in Betracht. Deshalb haben wir uns Hella angeschaut", rechtfertigte Vorstandschef Mrosik den Vorstoß im Nachhinein. "Allerdings haben sich für uns Chancen für einen möglichen Transfer von Kompetenzen speziell in den Nutzfahrzeugbereich nicht in ausreichendem Maße bestätigt." Damit wäre auch ein großes Fragezeichen hinter den erhofften Synergien gestanden, dank derer sich die Übernahme auszahlen hätte sollen.

rtr