Was aussieht wie eine Börse, ist längst ein global agierender Datenkonzern mit steigenden Margen und wachsender KI-Relevanz. Und der Kurs lädt zum Einstieg ein.
Das nennt man Tradition: Die London Stock Exchange (LSE) existiert schon seit 1698. Krisen, Kriege, Crashs: Die Börse hat alles überstanden — und sich gewandelt. Denn inzwischen ist das Unternehmen weit mehr als nur ein klassischer Börsenbetreiber. Nur noch rund ein Viertel trägt das Handelsgeschäft zum Ergebnis bei. Der eigentliche Motor sind mittlerweile Finanzdaten, Indizes und Analytik.
Mit der Übernahme von Refinitiv, dem direkten Bloomberg-Konkurrenten, und dem Indexanbieter FTSE Russell hat die LSE ihr Geschäft grundlegend transformiert. Rund 70 Prozent der Umsätze sind heute wiederkehrend dank Abonnements und Lizenzverträgen mit Banken, Fonds und Vermögensverwaltern. Das Modell ist damit wenig konjunkturanfällig, hochmargig und dank faktischer Monopolstellung kaum angreifbar. Wer beispielsweise einen ETF auf den englischen Leitindex FTSE 100 kauft, zahlt über Umwege eine Lizenzgebühr an die LSE.
Die Zahlen für das erste Quartal 2026 belegen das eindrucksvoll. Die LSE wuchs organisch um 9,8 Prozent und damit deutlich über den Erwartungen von acht Prozent. Die Ebitda-Marge kletterte 2025 bereits auf 48,4 Prozent und soll bis 2028 auf über 52 Prozent steigen. Zudem kaufte das Unternehmen 2025 eigene Aktien im Wert von 2,1 Milliarden Pfund zurück und legte mit einem neuen Rückkaufprogramm über drei Milliarden Pfund gleich nach.
Fast vergessen ist damit, dass die Aktie Anfang 2026 schwer unter Druck geraten war. Sorgen waren aufgekommen, dass die KI das Lizenzmodell aushöhlen könnte. Diese Logik greift aber zu kurz: Die Kerndaten der Börse London gehören exklusiv dem Unternehmen und sind nicht frei zugänglich. Und zudem agiert man längst selbst als KI-Profiteur: Über neue Schnittstellen können Kunden Daten direkt in KI-Agenten einbinden — bereits über 150 Kunden testen das System. Zusätzlich hat man eine milliardenschwere Partnerschaft mit Microsoft aufgebaut, und auch mit OpenAI wurde eine Kooperation vereinbart. KI macht die LSE-Daten also nicht überflüssig, sondern begehrter.
Fazit
Barclays hat ein Kursziel von 144 Euro errechnet. Dem schließen wir uns an, auch weil die Bewertung im Vergleich etwa zur Deutschen Börse und zu US-Konkurrenten weiter günstig ist.