Google hat eine neue Kompressionsmethode für seine KI-Anwendungen entwickelt, die den Speicherbedarf großer Sprachmodelle angeblich auf ein Sechstel drückt. Daraufhin schicken Anleger die Kurse von Speicherchip-Herstellern wie Samsung oder Micron in den Keller. Zu Recht?
Google hat am Donnerstag den nächsten KI-Trade ausgelöst – nur diesmal anders herum: Kaum hatte der Tech-Gigant angekündigt, dass seine KI-Modelle schon bald „sechsmal weniger Speicher“ benötigen werden, drückten Händler bei Speicherchip-Aktien auf die „Verkaufen“-Taste.
Laut CNBC soll die neue Kompressionsmethode mit dem Namen „TurboQuant“ den Speicherbedarf für das Ausführen großer Sprachmodelle (LLMs) um den Faktor sechs senken. Die Technik setzt beim sogenannten Key-Value-Cache an, also dem Zwischenspeicher früherer Modellberechnungen, was erneute Rechenarbeit vermeiden soll.
Das Ende des unstillbaren Hungers nach Arbeitsspeicher
Für Investoren klingt das wie eine direkte Kampfansage an den aktuell heißesten Sektor im Tech-Kosmos: Der scheinbare unstillbare Hunger der KI-Branche nach Arbeitsspeicher hatte die Preise von DRAM, NAND und anderen Speicherchips zuletzt in astronomische Höhen geschraubt – und damit auch die Aktienkurse von Herstellern wie Micron, Samsung oder SK Hynix. Manche Produkte hatten sich im Preis versechsfacht und damit auch Computer-Hersteller wie Apple zu Preiserhöhungen gezwungen.
Google setzt zusammen mit Broadcom schon länger auf sogenannte Inference-Chips. Diese bilden im Gegensatz zu den teuren Nvidia-Racks nicht das komplette Spektrum an Rechenleistung ab, sondern sind speziell für den Einsatz mit bereits trainierten KI-Modellen ausgelegt. Wenn diese Inference-Prozessoren nun auch noch weniger Speicher fressen, könnten ihre Betreiber theoretisch mit weniger HBM/DRAM/NAND auskommen und neue Rechenkapazitäten mit einem weitaus geringeren Anteil an neuem Speicher hochziehen.
Der Markt reagiert sofort
Das preisten die Anleger am Donnerstag offenbar sofort ein: In Korea rutschten die Aktienkurse von SK Hynix und Samsung um bis zu sechs Prozent ab, auch der Flash-Spezialist Kioxia verlor deutlich. In den USA geben Sandisk und Micron nach. Vorbörslich lag die Sandisk-Aktie um 13.30 Uhr deutscher Zeit bereits vier Prozent hinten, Micron, Western Digital und Seagate gaben jeweils etwa zwei Prozent ab.
Sell-off oder eher Gewinnmitnahmen?
Sind die Erträge der Speicherriesen also ernsthaft bedroht? Mehrere Analysten ordneten die Kursbewegungen gegenüber CNBC als Gewinnmitnahmen ein. Denn die Speicher-Aktien hatten eine außergewöhnliche Kursrally hinter sich: Samsung legte binnen eines Jahres um fast 200 Prozent zu, Micron und SK Hynix sogar jeweils um mehr als 300 Prozent. In so einem Umfeld suchen Anleger oft nur nach einem Anlass, um ihre Positionen zu reduzieren.
Ben Barringer von Quilter Cheviot sagte, TurboQuant sei „evolutionär, nicht revolutionär“. Aus seiner Sicht ändere die Ankündigung von Google das langfristige Nachfragebild nicht.
Der Branchenanalyst Ray Wang von SemiAnalysis glaubt, dass Effizienz den Speicherbedarf am Ende sogar erhöhen könnte. Er sieht in dem sogenannten Value-Cache einen zentralen Flaschenhals bei KI-Anwendungen. Wenn es gelinge, diesen technisch zu entschärfen, ermögliche das am Ende noch leistungsfähigere Modelle, eine höhere Hardwareauslastung – und genau werde den absoluten Speicherverbrauch dann erneut nach oben treiben.
Bietet der Abverkauf ein Einstiegschance?
Noch ist nicht ganz klar, welche der beiden Sichtweisen am Ende die richtige sein wird. Dazu ist noch zu wenig darüber bekannt, wie „TurboQuant“ sich in der Praxis tatsächlich auswirkt – und ob Google selbst seine neue Entwicklung zum Anlass nehmen wird, um seine Investitionsstrategie zu überdenken.
Die vergangenen KI-Trades, etwa bei Softwareaktien, lehren jedoch, dass ein einmal ausgelöster Kursrutsch auch noch über mehrere Tage anhalten kann, bevor sich der Markt besinnt und Gegenargumente wieder mitberücksichtigt. Auf die Watchlist gehören Speicheraktien nach dem heutigen Kursabschwung aber ganz sicher.
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Häufig gestellte Fragen
Wie funktioniert die neue KI-Kompressionsmethode „TurboQuant“ von Google?
„TurboQuant“ setzt beim sogenannten Key-Value-Cache an, einem Zwischenspeicher für Berechnungen großer Sprachmodelle (LLMs). Durch diese Technik wird der Speicherbedarf beim Ausführen von KI-Anwendungen um den Faktor sechs reduziert, indem doppelte Rechenarbeit vermieden und die Effizienz des Zwischenspeichers drastisch erhöht wird. Dies ermöglicht den Betrieb leistungsfähiger Modelle auf Hardware mit deutlich geringeren Kapazitäten an HBM, DRAM oder NAND.
Warum reagieren die Aktienkurse von Speicherherstellern wie Samsung und Micron negativ auf die Google-Ankündigung?
Anleger befürchten, dass die enorme Nachfrage nach Arbeitsspeicher, die zuletzt die Preise für Chips in astronomische Höhen getrieben hat, durch effizientere Softwarelösungen wie „TurboQuant“ gebremst werden könnte. Da die Kurse von Branchenriesen wie SK Hynix, Micron und Samsung im Vorfeld um bis zu 300 Prozent gestiegen waren, löste die Nachricht zudem eine Welle von Gewinnmitnahmen aus, da der Markt eine geringere Abhängigkeit von physischem Speicher einpreiste.
Was sagt BÖRSE ONLINE zur Google-Aktie?
BÖRSE ONLINE rät aktuell nicht zum Kauf der Alphabet-Aktie (Muttergesellschaft von Google).
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