Mit konkreten Gewinnprognosen tut sich Siemens daher schwer. Kaeser schaut ohnehin schon weiter in die Zukunft und arbeitet an der Strategie für die Jahre nach 2020. "Wir haben verstanden, dass klassische Konglomerate alten Zuschnitts keine Zukunft haben. Ich bin überzeugt, dass unsere Geschäfte noch deutlich fokussierter sein müssen."

Die Schwierigkeiten im Geschäft mit Kraftwerks-Turbinen und Windrädern belasteten Siemens schon im Sommer. In der Turbinen-Sparte Power & Gas brach der Gewinn um 40 Prozent ein, die Windenergie-Tochter Siemens Gamesa schrieb sogar rote Zahlen. Die für die Anleger enttäuschende Quartalsbilanz drückte die Siemens-Aktie zeitweise um drei Prozent auf 119 Euro. Sie war damit einer der schwächsten Werte im Leitindex Dax.

Im gesamten Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende September) fuhr Siemens unter dem Strich einen Gewinn von 6,2 Milliarden Euro ein, elf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz legte um vier Prozent auf 83 Milliarden Euro zu, Ende September lagen Aufträge im Volumen von 126 Milliarden Euro vor. "Die meisten Geschäfte sind stark wie nie", sagte Kaeser. Sechs von acht Divisionen hätten mehr verdient.

"SCHMERZHAFTE EINSCHNITTE"



Die deutsch-spanische Siemens Gamesa machte zuletzt nicht nur mit enttäuschenden Zahlen Schlagzeilen. 6000 von 26.000 Stellen sollen abgebaut werden. Mit dem Gemeinschaftsunternehmen will Siemens dem dänischen Marktführer Vestas besser Paroli bieten, vor allem auf dem wichtigen US-Markt. Aber auch Vestas bekommt mächtig Gegenwind: Weil die Pläne der US-Regierung zur steuerlichen Förderung von Windenergie an der Rendite knabbern werden, brach die Vestas-Aktie am Donnerstag um 20 Prozent ein.

Hiobsbotschaften stehen der Kraftwerkssparte noch bevor, der die Energiewende hin zu Wind- und Solarstrom schwer zu schaffen macht. "Wir müssen die Kapazitäten anpassen, auch wenn das schmerzhafte Einschnitte bedeutet", sagte Kaeser. Siemens könnte allein mehr Turbinen produzieren, als in den nächsten Jahren weltweit gebaut werden dürften, dabei ist der US-Rivale GE doppelt so groß. Siemens-Personalchefin Janina Kugel will die Pläne am kommenden Donnerstag vorstellen. Sie deutete an, dass der Stellenabbau nicht ohne Entlassungen und Werksschließungen machbar sein wird. Die Verhandlungen könnten sich über Monate hinziehen. Finanzchef Ralf Thomas sagte, 2017/18 seien erhebliche Kosten dafür eingeplant.

Die IG Metall warf Siemens vor, dem Abwärtstrend so lange zugesehen zu haben, bis Kündigungen unvermeidbar seien. Rund 50 Gewerkschafter und Mitarbeiter protestierten vor der Siemens-Zentrale. "Es ist nicht nachzuvollziehen, auf der einen Seite Milliardengewinne zu erwirtschaften, auf der anderen aber tausende Beschäftigte in eine ungewisse Zukunft entlassen zu wollen", sagte IG-Metall-Bezirksleiter Jürgen Wechsler.

Doch nicht nur der Stellenabbau belastet Siemens im neuen Geschäftsjahr. Allein Währungseffekte dürften den Gewinn um eine halbe Milliarde Euro schmälern. Auch die Ausgliederung von Healthineers und die Fusion mit Alstom dürften für Verwerfungen sorgen. Das alles hat Siemens aber aus der Prognose für 2017/18 ausgeklammert, die auf vergleichbarer Basis ein Plus von zwei bis neun Prozent beim Gewinn je Aktie vorsieht. "Nach Jahren, in denen Siemens immer die Erwartungen übertroffen hat, wird es ein bisschen härter", schrieb Barclays-Analyst James Stettler. Die Umsatzrendite soll wieder zwischen elf und zwölf Prozent liegen; 2016/17 waren es 11,2 Prozent.

Die Aktionäre sollen 3,70 Euro Dividende erhalten, zehn Cent mehr als ein Jahr zuvor. An die 372.000 Mitarbeiter werden 400 Millionen Euro ausgeschüttet, überwiegend in Form von Aktien.

HEALTHINEERS BEKOMMT "EINEN UNSERER BESTEN"



An den Börsenplänen für Healthineers rüttelt Siemens nicht. "Der Fahrplan steht und wir machen gute Fortschritte", erklärte Vorstand Michael Sen. Bis Ende März will Siemens startklar sein, um die profitabelste Sparte mit einem Firmenwert von bis zu 40 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2018 an die Börse zu bringen. Ob in Frankfurt oder New York, soll sich in den nächsten Wochen entscheiden. Dem Börsengang uf die Sprünge helfen soll ein neuer Finanzvorstand: Jochen Schmitz, bisher in der Zentrale für Finanzberichte und Controlling zuständig, sei "einer unserer Besten", sagte Kaeser.

2018 soll dann auch die neue Strategie Konturen annehmen, die Siemens ins nächste Jahrzehnt führen soll. Die Ziele, die sich der Vorstand 2014 nach seinem Amtsantritt für 2020 gegeben habe, seien in weiten Teilen bereits erreicht, stellte Kaeser fest. Siemens müsse schneller auf Veränderungen reagieren. "Wer groß ist, ist nie richtig schlecht - aber auch nicht richtig gut" sagte der Siemens-Chef. "Die digitale Revolution wird die Mittelmäßigkeit mit größter Wucht attackieren."

rtr