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Siemens-Vorstand Busch steuert auf Kaeser-Nachfolge zu

Siemens-Vorstand Busch steuert auf Kaeser-Nachfolge zu

WKN: 723610 ISIN: DE0007236101 Siemens AG

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19.02.2020 - 13:39
19.09.2019 10:27:14

Siemens-Technologie-Vorstand Roland Busch steht in den Startlöchern für die Nachfolge von Konzernchef Joe Kaeser. Der Aufsichtsrat des Münchner Industrieriesen stellte am Mittwoch die Weichen für einen Abschied des 62-Jährigen, dessen Vertrag Ende Januar 2021 ausläuft.

Aufsichtsratskreisen zufolge könnte Busch Kaeser aber bereits im kommenden Jahr ablösen, wenn er sich bis dahin als stellvertretender Vorstandsvorsitzender bewährt. Der bisher neben Busch als möglicher Siemens-Chef gehandelte Vorstand Michael Sen übernimmt den Energie- und Elektrizitätskonzern, der in einem Jahr von Siemens abgespalten und separat an die Börse gebracht werden soll. Sen galt aufgrund seiner Branchenerfahrung bereits als Favorit für den Posten, wie Reuters in der vergangenen Woche berichtet hatte.

Busch wird zum 1. Oktober Vizechef. Ob und wann er Kaesers Nachfolger wird, will Siemens im Sommer 2020 entscheiden. "Ehe Kaeser seinen Vertrag noch einmal verlängert, müsste Siemens schon der Himmel auf den Kopf fallen", sagte eine Person aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. "Mit der Bestellung von Roland Busch zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden betonen wir die Bedeutung der industriellen Digitalisierung für die nächste Generation", erklärte Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe. Kerngeschäft der künftigen, verkleinerten Siemens AG ist die Industrie-Automatisierung und die Infrastruktur-Technik. Dazu kommt die Verkehrstechnik, deren Fusion mit dem französischen Rivalen Alstom gescheitert war.

"Die neue Siemens AG braucht einen Techniker an der Spitze, der der Belegschaft und den Aktionären eine Vision vermitteln kann", sagte ein Insider Reuters. Kaesers Stärken, etwa auf dem internationalem Parkett über große Kraftwerks- und Infrastruktur-Aufträge zu verhandeln, kämen dort nicht mehr so stark zum Tragen. "Da sind andere Führungsfähigkeiten gefragt." Die traut man eher dem studierten und promovierten Physiker Busch zu, der sein ganzes Berufsleben bei Siemens verbracht hat. Der 54-jährige war vor einem Jahr zum Chief Operating Officer ernannt worden und ist damit für das Tagesgeschäft zuständig. Jetzt steigt er noch eine Stufe der Karriereleiter nach oben und kann sich ein Jahr bewähren.

Betriebsratschefin Birgit Steinborn begrüßte die Berufung Buschs: "Die große Herausforderung ist, die Mitarbeiter und das Unternehmen im Strukturwandel und in der Digitalisierung weiterzuentwickeln. Dazu hat Dr. Busch durch seine langjährige Erfahrung als Chief Technology Officer und Stratege die besten Voraussetzungen." Zudem folgt Busch als Arbeitsdirektor ab Dezember vorübergehend Janina Kugel, die überraschend ihren Rücktritt angekündigt hatte. Später will Siemens Aufsichtsratskreisen zufolge wieder einen eigenen Personalvorstand berufen.

KAESER ALS "LAME ENTE"?


Dass der Aufsichtsrat schon so früh die künftige Führung vorzeichnet, gilt als Überraschung. Kaeser riskiert damit, rasch an Autorität zu verlieren. Der Niederbayer, der den Konzern seit gut sechs Jahren führt, hatte stets offen gelassen, ob er seinen Vertrag verlängern werde. Doch die Berufung von Sen hätte ohnehin eine Debatte über Kaesers Zukunft losgetreten. Snabe sagte, jetzt sei die richtige Zeit, "erste personelle Weichen zu stellen".

Sen soll schon vom 1. Oktober an zusammen mit Lisa Davis die Energie-Sparte Gas & Power führen, die den Kern des künftig selbstständigen Unternehmens darstellt. Anfang 2020 übernimmt er dort die alleinige Führung, Davis lässt ihren Vertrag auslaufen. Einen Namen für das neue Unternehmen gibt es noch nicht, intern wird das Projekt "Powerhouse" genannt. Der neue Konzern mit mehr als 80.000 Mitarbeitern, der sich mit Gas- und Dampfturbinen, aber auch mit der Windkraft und Strom-Überlandnetzen beschäftigt, gilt angesichts seiner Größe als Anwärter für den Leitindex Dax. Die Abspaltung ist der Schlusspunkt des grundlegenden Umbaus von Siemens, den Kaeser in den vergangenen Jahren begonnen hat. Die Siemens AG trennt sich damit von knapp einem Viertel der Mitarbeiter und von einem Drittel des Umsatzes.

Sen hat Erfahrung in der Energiebranche und mit Börsengängen von Tochterfirmen. Der 59-Jährige war von 2015 an knapp zwei Jahre Finanzvorstand des Versorgers E.ON, ehe er überraschend zu Siemens zurückkehrte. Bei E.ON war er auch für die Abspaltung der Kraftwerkstochter Uniper zuständig. Sein restliches Berufsleben hat der Rheinländer, dessen Eltern aus Indien stammen, bei Siemens verbracht. Im Vorstand ist er unter anderem für die Beteiligung am Windanlagenbauer Siemens Gamesa und für die Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers zuständig, die ebenfalls börsennotiert ist.

rtr


Bildquelle: Reuters

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