Dank immenser Anstrengungen schreibt das Unternehmen wieder schwarze Zahlen. Die Aktie ist trotzdem immer noch viel zu billig.
Mit 3.400 Mitarbeitern in 21 Werken weltweit und einem Umsatz von rund 680 Millionen Euro ist Polytec aus Hörsching bei Linz ein Unternehmen mit ordentlich Substanz. Der Komplettanbieter im Bereich Kunststoff-Spritzguss und Spezialist für faserverstärktes Plastik beliefert teils seit Jahrzehnten namhafte Pkw- und Nutzfahrzeughersteller, unter anderem mit Motorraum-Komponenten und Unterböden.
Ein nicht immer ganz einfaches Business. Im Geschäftsjahr 2024 gelang indes der Turnaround. Die Jahre davor glichen laut Polytec-CEO Markus Huemer einer „Rallye ohne Streckenplan“: mit zu hohen Kosten, operativen Problemen in mehreren Werken und ein Nettoergebnis tief in den roten Zahlen. Seit den ersten neun Monaten 2025 zeigt sich, dass die Erholung bereits weit fortgeschritten ist. Das Ebit stieg von 1,4 auf 8,9 Millionen Euro, die Ebit-Marge verbesserte sich von 0,3 auf 1,7 Prozent, und das Nettoergebnis drehte von minus 7,4 auf plus 2,4 Millionen Euro. Auch weil man in den zurückliegenden Jahren viel getan hat. Polytec hat seit 2019 sieben von 27 Werken geschlossen und das britische Geschäft verkauft. Mit 40 Prozent weniger Personal als noch 2017 erzielt der Konzern nun denselben Umsatz — ein eindrucksvoller Effizienzgewinn. Für das offiziell noch nicht beendete Geschäftsjahr 2025 peilt der Vorstand 660 bis 680 Millionen Euro Umsatz bei 2,5 Prozent Ebit-Marge an. Erstmals seit zwei Jahren soll wieder ein Gewinn stehen und die Dividende erneut fließen.
Zwei spannende Zukunftsfelder
Zukunftspläne hat man auch. Um die Abhängigkeit vom Fahrzeuggeschäft zu reduzieren, baut man den Bereich „Smart Plastics“ aus und will dort langfristig 30 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaften — bislang sind es zehn Prozent. Die Chancen sind greifbar: In der Lebensmittellogistik arbeitet man an Transportkisten, die 25 Prozent leichter sind als heutige Lösungen. Zudem winkt im Bereich Kunststoffpaletten ein riesiger Markt. So hat der Weltmarktführer bei Holzpaletten 410 Millionen Stück im Umlauf. Davon will Polytec ein Stück abhaben. Gemeinsam mit dem Start-up Booxit entstehen zudem stapelbare, digital vernetzte Logistikboxen, die auch für den Verteidigungsbereich interessant sind.
Der Aktie sollte das weiter Aufwind verschaffen. Beim aktuellen Kurs bringt es Polytec auf eine Marktkapitalisierung von nicht einmal 85 Millionen Euro. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt damit bei nur 0,4. Die Analysten von M.M. Warburg haben das Kursziel auf 5,75 Euro angehoben und erwarten zehn Cent Dividende. Wir sehen einen fairen Wert bei fünf Euro.
Fazit
Klassische Turnaround-Story mit solider Bilanz, greifbaren Wachstumskatalysatoren und günstiger Bewertung. Möglicher Kurstreiber: Am 30. April erscheint der Geschäftsbericht 2025. Wir ziehen den Stoppkurs leicht nach.
Dieser Artikel stammt aus der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 19/2026
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