Value-Investing: Wir zeigen fünf deutsche Werte mit attraktivem Kurs-Buchwert-Verhältnis – und worauf Anleger achten sollten.

Nach den jüngsten zum Teil deutlichen Kursverlusten bei zahlreichen Aktien stellen sich viele Anleger die Frage, ob und wo sich jetzt an der Börse mögliche Schnäppchen finden lassen. Eine der am häufigsten verwendeten Kennzahlen, um das einzuschätzen, ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV).

Das KBV setzt die Marktkapitalisierung eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinem bilanziellen Eigenkapital. Liegt das KBV unter 1, gilt die Aktie oft als unterbewertet – denn der „Preis“ für einen Euro Eigenkapital ist dann niedriger als ein Euro. Dahinter steht ein theoretisches Szenario: Würde das Unternehmen vollständig liquidiert werden, könnten die Aktionäre im Idealfall mehr aus den Verkaufserlösen der Vermögenswerte erhalten, als ihre Aktien aktuell an der Börse wert sind. Einfach ausgedrückt: Bei einem KBV von 0,5 bekommt man rechnerisch einen Euro Eigenkapital für nur 50 Cent.

In diesem Artikel stellen wir fünf deutsche Aktien mit einem niedrigen KBV vor, die nach den klassischen Kriterien des Value-Investing als potenziell unterbewertet gelten.

Aktie 1: Wüstenrot & Württembergische

Diese Versicherungsgesellschaft wird aktuell lediglich mit dem 0,27-fachen ihres Buchwertes gehandelt. Seit dem 18. März hat die Aktie rund 14 Prozent an Wert verloren (Stand: 30. März 2026). Auslöser war vor allem der enttäuschende Gewinnausblick für 2026: Das Unternehmen erwartet für das laufende Jahr Gewinne zwischen 120 und 150 Millionen Euro. Die Analysten hatten zuvor jedoch mit 184 Millionen Euro gerechnet. Nach dem Kursrücksetzer ist die erwartete Dividendenrendite für 2026 jedoch wieder auf attraktive 5,17 Prozent angestiegen.

Wüstenrot & Württembergische (WKN: 805100)

Aktie 2: Lanxess

Mit einem KBV von 0,43 zählt Lanxess nach dem heftigen Kursrutsch nun zu den am niedrigsten bewerteten Unternehmen im Chemiesektor. Dieser Meinung sind auch die Analysten von J.P. Morgan: Sie haben kürzlich die Lanxess-Aktie von „Underweight“ auf „Overweight“ hochgestuft und zu ihrem Branchenfavoriten gekürt. Die Begründung der Analysten können Sie hier nachlesen.

Lanxess (WKN: 547040)

Aktie 3: Salzgitter

Auch der Stahlkonzern Salzgitter weist ein besonders niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis auf. Aktuell liegt das KBV bei 0,43. Die Aktie hat im vergangenen Jahr in einem schwierigen Marktumfeld eine Achterbahnfahrt hingelegt. Von Ende Juni 2025 bis Ende Februar 2026 konnte Salzgitter um 192 Prozent zulegen. Seit diesem Zwischenhoch hat der Kurs jedoch wieder deutlich nachgegeben und liegt inzwischen rund 40 Prozent darunter.

Salzgitter (WKN: 620200)

Aktie 4: K+S

Trotz der Herausforderungen, mit denen sich der Chemie- und Düngemittelkonzern im Zuge des Nahost-Konflikts konfrontiert sieht, entwickelte sich die Aktie von K+S zuletzt deutlich besser als die von Lanxess. Während Lanxess in den vergangenen zwölf Monaten um 36 Prozent sank, stieg K+S im gleichen Zeitraum sogar um 30 Prozent. Mit einem KBV von 0,6 ist die Bewertung allerdings etwas höher als beim Wettbewerber.

K+S (WKN: KSAG88)

Aktie 5: Volkswagen AG

Dem Wolfsburger Autohersteller gelingt bislang kein nachhaltiger Befreiungsschlag aus seiner Krise: Gewinn und Umsatz stagnieren seit Jahren und zugleich sind die Margen rückläufig. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: Innerhalb der vergangenen fünf Jahre brach die VW-Aktie um 63 Prozent ein. Das KBV ist im Zuge dieser Entwicklung deutlich gesunken und liegt aktuell bei 0,23. Die erwartete Dividendenrendite für 2026 beträgt 7,09 Prozent. Damit könnte die Aktie vor allem für Dividendenanleger interessant sein, die auf eine mittelfristige Verbesserung der fundamentalen Lage setzen.

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

Fazit: KBV als erste Orientierung, nicht als alleiniges Entscheidungskriterium

Niedrige Kurs-Buchwert-Verhältnisse bieten immer wieder spannende Ansatzpunkte für die Suche nach unterbewerteten Aktien. Das KBV kann dabei erste Hinweise liefern, ob ein Unternehmen am Markt vergleichsweise günstig bewertet ist.

Allerdings eignet sich die Kennzahl nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage. Häufig sind niedrige KBVs auch das Ergebnis deutlich gefallener Aktienkurse – etwa infolge schwacher Geschäftsentwicklungen oder unsicherer Perspektiven. Anleger sollten daher jeden Wert im Einzelfall prüfen und neben der Bewertung auch Faktoren wie Gewinnentwicklung, Margen und Zukunftsaussichten berücksichtigen.

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Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen:

Was ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis?

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) setzt die Marktkapitalisierung eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinem bilanziellen Eigenkapital.


Ab welchem KBV gilt eine Aktie als unterbewertet?

Nach Kriterien des klassischen Value-Investing ist eine Aktie mit einem KBV kleiner als 1 unterbewertet.


Warum ist ein niedriges KBV nicht automatisch ein Schnäppchen?

Ein niedriges KBV kann auch ein Warnsignal sein. Oft resultiert es aus stark gefallenen Kursen, die auf schwache Geschäftszahlen, rückläufige Margen oder unsichere Zukunftsaussichten hinweisen. Anleger sollten daher immer die fundamentalen Daten, Branchentrends und Wachstumsaussichten prüfen, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen.

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