Die dynamische Erholung der Aktie erhielt zuletzt einen Dämpfer. Die KI-Sorgen, die den MDAX-Titel hatten abstürzen lassen, sind unbegründet.
Der April brachte für Auto1-Aktionäre erneut Ernüchterung. Nachdem eine dynamische Erholung den Kurs von seinem Tief bei knapp über 14 Euro zeitweise zurück Richtung 20 Euro getragen hatte, geriet das Papier wieder unter Druck. Der MDAX-Titel rutschte zuletzt erneut in Richtung jenes Niveaus, das er im April 2025 während des von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Zollchaos markiert hatte. Bereits im Februar kam die Auto1-Aktie kräftig unter die Räder und halbierte sich binnen zwei Monaten beinahe.
Die Ursachen liegen nicht im operativen Geschäft. Die Zahlen 2025 waren stark: Umsatz plus 30 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro, bereinigtes Ebitda plus 81 Prozent auf knapp 200 Millionen. Doch die Prognose für 2026 enttäuschte, da der Markt eine aggressivere Margenexpansion erwartet hatte. Leerverkäufe in Auto- und Internetkörben verstärkten den Druck. Auslöser für Letztere war das Narrativ der KI-Disruption, das zuletzt diverse Branchen an der Börse schwer belastet hat. Die These, künstliche Intelligenz könnte Auto1 überflüssig machen, verdreht aber die Wirklichkeit, denn das Unternehmen ist kein KI-Opfer, sondern -Profiteur. Insgesamt 14 Jahre realer Transaktionsdaten aus Millionen von Fahrzeugkäufen bilden einen Datenschatz, den kein Wettbewerber replizieren kann. Klassifizierungsportale kennen Angebotspreise, Auto1 aber weiß, was tatsächlich bezahlt wird. Darauf trainierte Pricing-Algorithmen sind ein schwer angreifbarer Vorteil.
Finanzierungslösung als Hebel
Ein zweiter Burggraben, die konzerneigene Finanzierungsplattform, wächst bislang weitestgehend im Verborgenen. Auto1 refinanziert Bestände und Kundenkredite über Asset-Backed Securities, kurz ABS. Dabei werden Forderungen gebündelt und am Kapitalmarkt platziert, was günstige Liquidität schafft, ohne die Bilanz zu belasten. Das Händlerportfolio wuchs um 41 Prozent auf 303 Millionen Euro, die Kundenfinanzierung um 50 Prozent auf 549 Millionen. Entscheidend ist die Attach Rate, der Anteil der Deals, bei denen Kunden zusätzlich eine Finanzierung abschließen. Sie lag zuletzt bei 17 Prozent und soll auf 50 Prozent ausgeweitet werden. Jeder Prozentpunkt bedeutet dabei höhermargige Erträge bei kaum zusätzlichen Kosten.
Fazit
Aus Anlegersicht verdient diese Kennzahl bei der Vorstellung der Ergebnisse für das erste Quartal, die für den 13. Mai angekündigt sind, also besondere Aufmerksamkeit. Aktuell notiert die Auto1- Aktie auf Einstiegskursniveau.
Dieser Artikel stammt aus der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 19/2026
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