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Kenneth Rogoff: Mutiger Angriff auf die Big Techs

Kenneth Rogoff: Mutiger Angriff auf die Big Techs

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22.05.2019 - 19:28
12.04.2019 03:10:00

Der rasante Aufstieg und die marktbeherrschende Stellung US-amerikanischer Technologieunternehmen weist deutliche Parallelen zum Finanzmarkt auf. Welche Probleme daraus resultieren können, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Von Kenneth Rogoff, Gastautor für €uro am Sonntag

US-Senatorin und Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren hat einen Angriff auf die großen Technologieunternehmen - darunter Facebook, Google, Amazon und Apple - gestartet und legt dabei ein Maß an Mut und Klarheit an den Tag, das sich nicht genug überbetonen lässt. Warrens Vorschläge laufen auf ein völliges Umdenken bei der ungemein freizügigen Fusions- und Übernahmepolitik der USA der vergangenen vier Jahrzehnte hinaus. Dabei sind die großen Technologieunternehmen lediglich das Paradebeispiel für die deutliche ­Zunahme der Monopol- und Oligopolmacht in breiten Teilen der amerikanischen Volkswirtschaft. Obwohl nach wie vor alles andere als klar ist, worin die beste Vorgehensweise besteht, stimme ich völlig zu, dass etwas passieren muss - insbesondere was ihre Fähigkeit betrifft, potenzielle Wettbewerber aufzukaufen und ihre Dominanz für die Erschließung anderer Geschäfts­felder auszunutzen.

Warren ist mutig, weil die Big Techs wichtige Geldgeber der linken demokratischen Kandidaten sind, für die Kalifornien ein veritabler Geldautomat der Wahlkampffinanzierung ist. Und obwohl man ihrer Forderung sicher widersprechen kann, ist Warren nicht die Einzige, die glaubt, dass die Big Techs eine übertrieben marktbeherrschende Stellung erreicht haben; tatsächlich ist dies eines der wenigen Themen in Washington, bei dem Einigkeit möglich scheint. Andere Kandidaten wie die Senatorin Amy ­Klobuchar aus Minnesota, haben auch eine prinzipiengeleitete Haltung eingenommen.

Obwohl die Kausalbeziehungen schwer zu entwirren sind, gibt es gewichtige Gründe für die Annahme, dass die wachsende Monopolmacht bei der Verschärfung der Einkommensungleichheit, der Schwächung der Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer und dem sich verlangsamenden Innovationstempo eine Rolle spielte. Und das ist, möglicherweise mit Ausnahme von China, ein globales Problem, weil die US-Technologiemonopole häufig eine marktbeherrschende Stellung erreichten, bevor es Regulierungsbehörden und Politiker mitbekommen konnten. Insbesondere die Europäische Union versucht inzwischen, einen eigenen Kurs bei der Regulierung der Technologieunternehmen einzuschlagen, und auch Großbritannien hat vor Kurzem eine Expertengruppe unter Vorsitz des früheren Chefökonomen von Präsident Barack Obama, Jason Furman (heute ein Arbeitskollege von mir), eingesetzt.

Die Debatten über das Wie einer Regulierung erinnern stark an die Diskussion über die Finanzregulierung der frühen 2000er-Jahre. Die Befürworter eines weniger strikten Regulierungs­ansatzes argumentierten, der Finanzsektor sei zu komplex, als dass Regulierungsbehörden mit der Innovation Schritt halten könnten, und der ­Derivatehandel erlaube es den Banken, in Sekundenschnelle umfassende Veränderungen an ihrem Risikoprofil vorzunehmen. Außerdem setzte die Finanz­industrie ihr Geld gekonnt ein und entlockte dem US-Notenbankensystem jeden wissenschaftlichen Mitarbeiter mit einem Gehalt, das jenes seines Chefs deutlich überstieg.

Auf Seite 2: Die Weltwirtschaft ist anfällig gegenüber Techfirmen

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Bildquelle: Ruben Sprich/Reuters

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