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PSD2 - bequem, aber auch mit Risiken behaftet

PSD2 - bequem, aber auch mit Risiken behaftet
14.01.2018 11:00:00

Datenschutz: Die Abkürzung "PSD2" steht für Payment Service Directive 2, die Neufassung der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie. Die Regeln treten am 13. Januar in Kraft. Was dabei wichtig ist. Von Gastautor Jürgen Gros



Banken waren wegen PSD2 dazu verpflichtet, ihren Kunden zum Jahreswechsel einen Stapel Informationsblätter zu schicken. Doch in der Vorweihnachtszeit blieben die oft ungelesen. Vielen Verbrauchern sind die neuen Vorgaben deshalb kein Begriff. Doch das sollten sie: Denn was als technisches Akronym daherkommt, kann massive Auswirkungen auf die Privatsphäre haben. Warum? Vereinfacht gesagt, erlaubt es die Richtlinie Dritten, auf die Kontodaten von Bankkunden zuzugreifen. Vereinzelt gab es das bisher schon, allerdings ohne rechtliche Basis. Die schafft nun die PSD2.



Auf diese Weise können Finanzdienstleister den Anwendern -einer Smartphone-App zum Beispiel einen zusammenfassenden Überblick über deren Konten bei verschiedenen Banken bieten. So lässt sich sofort erkennen, wie sich der Geldbestand insgesamt entwickelt. Das ist praktisch und bequem, eröffnet den Dienstleistern aber gleichzeitig tiefe Einblicke in die Finanzdaten von Verbrauchern. Zwar muss der Kontoinhaber dem Zugriff von Fremddienstleistern explizit zustimmen. In Zukunft werden dazu jedoch ein paar Klicks ausreichen. Für die Kunden kann das durchaus einen Zugewinn an Komfort bringen. Aber zu welchem Preis? PSD2 birgt die Gefahr, die Hoheit über die eigenen Kontodaten leichtfertig und unüberlegt aus der Hand zu geben. Darüber müssen sich die Verbraucher im Klaren sein.


Es ist absehbar, dass Scharen an neuen und altbekannten Dienstleistern bei den Bankkunden anklopfen werden. Längst sind es nicht mehr nur Digitalkonzerne wie Google, Facebook, Apple oder Amazon, die den großen Reibach mit den Nutzerdaten wittern. Es sind oftmals die unzähligen Fintechs. Verbraucherschützer kritisieren, dass in den digitalen Branchen häufig ein zu laxer Umgang mit dem Datenschutz herrscht. Wer Dritte also in Zukunft hereinbittet, der darf sich nicht wundern, wenn Marketingspezialisten im Hintergrund aus dem gewonnenen Datenmaterial Käuferprofile schnitzen. Auf diese Weise lassen sich etwa Preise oder Werbung zielgruppengenau ausrichten.

Wer damit nicht einverstanden ist, sollte sich grundsätzlich fragen: Will ich wirklich, dass jeder auf mein Konto zugreifen kann? Denn Unternehmen, die das können, erfahren eine ganze Menge über den Kontoinhaber: zum Beispiel wie viel er verdient, wo er einkauft, wie er versichert ist oder welche Zeitung er liest. Die Zahlungen lassen nicht nur Rückschlüsse auf Konsumgewohnheiten zu, sondern auch auf das Privatleben. Verbraucher sollten genau abwägen, wem sie den Zugriff aufs Konto einräumen.

Es lohnt sich zudem, auf die Angebote vertrauter Dienstleister zu setzen. Dazu gehören traditionell die Hausbanken. Viele Institute bieten bereits multibankfähige Anwendungen für das Smartphone oder eigene Onlinebezahldienste an - also das, was Dritte im Rahmen der PSD2 versprechen. Der Vorteil: Wer diese Dienste nutzt, belässt seine Daten, wo sie bislang waren - bei der Bank. Dort gelten seit Jahrzehnten gewachsene, ständig überprüfte Sicherheits- und Datenschutzstandards. Schließlich gibt es in kaum einer anderen Branche derart viele regulatorische Anforderungen an die IT-Sicherheit. Bei einer (nicht repräsentativen) Onlineumfrage des Genossenschaftsverbands Bayern gaben kürzlich fast zwei Drittel der Teilnehmer an, dass sie ihre Kontodaten ausschließlich ihrer Hausbank überlassen wollen.

Die PSD2 sieht Türen vor, durch die Drittanbieter auf Kontodaten von Privatleuten zugreifen können. Den Schlüssel für diese Türen behalten aber die Bankkunden. Und sie sollten ihn sorgfältig aufbewahren und nicht jedem in die Hand drücken. Es lohnt sich, das Angebot von Onlineanbietern mit denen der Hausbank zu vergleichen. Denn fest steht: Bewährte Vertrauensverhältnisse enden nicht an der Filialtüre - Banken schützen Daten auch online.

Jürgen Gros: Der promovierte Politologe Gros vertritt die Interessen von 1278 genossenschaftlichen Unternehmen. Dazu zählen Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie ländliche und gewerbliche Unternehmen mit insgesamt rund 51 000 Beschäftigten und 2,9 Millionen Mitgliedern. Damit bilden die bayerischen Genossenschaften eine der größten mittelständischen Wirtschaftsorganisationen im Freistaat.

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