Obwohl das allgemeine Interesse an Silber-Futures im Berichtszeitraum einen heftigen Einbruch erlitten hat, sind die spekulativen Marktakteure aktiver und optimistischer geworden. So hat sich die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) auf Wochensicht von 187.600 auf 166.400 Futures (-11,3 Prozent) markant reduziert. Sowohl große Terminspekulanten (Non-Commercials) als auch Kleinspekulanten (Non-Reportables) wetten derzeit dennoch auf höhere Silberpreise und haben dadurch bei der kumulierten Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten einen Anstieg von 47.800 auf 51.800 Kontrakte (+8,4 Prozent) verursacht. Dies führt zum stärksten Optimismus seit sechs Wochen.

Der gesunkene Open Interest ging eindeutig auf das Konto der kommerziellen Markakteure (Commercials), die sich im großen Stil aus Silber-Futures verabschiedet haben. Große Terminspekulanten sind im Berichtszeitraum indes aktiver geworden und stockten ihre Long-Seite auf Wochensicht um über 2.000 Kontrakte auf und reduzierten zugleich ihr Short-Engagement um lediglich 100 Futures. Dies ließ deren Netto-Long-Position von 31.300 auf 33.500 Kontrakte (+7,0 Prozent) ansteigen. Noch optimistischer war diese Gruppe von Marktakteuren letztmals im Juli. Unter den Kleinspekulanten überwog ebenfalls die Kauflaune. Deren Netto-Long-Position hat sich gegenüber der Vorwoche von 16.400 auf 18.300 Futures (+11,6 Prozent) verstärkt.

Anfang September äußerten sich die Analysten von HSBC in ihrem "Silber Monthly" relativ optimistisch. Sie sehen den Silberpreis "in der Mitte, nicht am Ende der Rally". Außerdem attestieren sie dem Edelmetall einen "intakten Haussetrend" und sehen das nächste Kursziel im Bereich von 35 bis 36 Dollar. So hoch notierte das Edelmetall zuletzt Anfang 2013.

Silberverbrauch deutlich höher als Recycling


Laut Daten des Silver Institute und der Researchfirma Metals Focus hat der Industriesektor seit dem Jahr 2000 ungefähr 11,5 Milliarden Unzen Silber verarbeitet. Die Recyclingbranche gewann aus Elektroschrott und anderen Quellen lediglich 3,5 Milliarden Feinunzen Silber. Das heißt: Während bei Gold nur geringe Mengen in diversen industriellen Anwendungen "verschwinden" kann man den "Schwund" bei Silber um ein Vielfaches höher ansehen. Viele Kapitalmarktexperten sehen Silber zwar eher als Industriemetall und weniger als Währung, verunsicherte Anleger sollten es - wie Gold - als altbewährte Krisenwährung einstufen und deshalb beide Edelmetalle innerhalb eines breit diversifizierten Portfolios berücksichtigen. Weil Silber deutlich stärkeren Kursschwankungen unterliegt als der Goldpreis, bietet sich an, das gelbe Edelmetall entsprechend stärker zu gewichten. 80 Prozent Gold zu 20 Prozent Silber scheint diesbezüglich einer angemessene Verteilung des Investmentrisikos gerecht zu werden.

Den finanzmathematischen Beleg, dass ein Silberinvestment als riskanter anzusehen ist als der Kauf von Gold, liefert der Terminbörsenbetreiber Chicago Board Options Exchange mit seinen Volatilitätsindizes auf Silber (VXSLV) bzw. Gold (GVZ). Mit über 55 Prozent übertrifft der Silber-Volatilitätsindex sein Pendant auf Gold (22 Prozent) derzeit um den Faktor 2,5. Doch eine höhere Volatilität führt nicht nur zu einem erhöhten Verlustrisiko, sondern auch zu einer erhöhten Gewinnchance. Ein Krisenschutz, der heftige Schwankungen verzeichnet, eignet sich nicht für jeden Anleger. Wer aber nicht alles auf die "Goldkarte" setzen möchte, dürfte bei langfristigem Anlagehorizont mit einem Silberinvestment oder regelmäßigen Silberkäufen (Stichwort "Sparplan") ein ordentliches Anlageergebnis erzielen - und angesichts der zahlreichen Krisenherde höchstwahrscheinlich deutlich ruhiger schlafen.

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