Eigentlich starke Zahlen, doch der Ausblick hätte  höhner ausfallen müssen: Der US-Chipkonzern AMD verliert am Mittwoch vorbörslich rund neun Prozent. Anleger hatten im KI-Boom noch mehr erwartet. Dabei wächst die Nachfrage nach Rechenzentrums- und KI-Chips weiter kräftig.

Ein Chipkonzern schlägt die Erwartungen beim Umsatz, profitiert vom KI-Boom, gehört zu den wichtigsten Nvidia-Rivalen – und trotzdem gerät die Aktie massiv unter Druck. Der US-Chipkonzern Advanced Micro Devices (AMD) hat am Mittwoch nach seinen Quartalszahlen vorbörslich rund neun Prozent verloren.

Dabei lieferte AMD am Dienstagabend nach Börsenschluss auf den ersten Blick starke Ergebnisse. Für das vierte Quartal meldete das Unternehmen einen Umsatz von 10,27 Milliarden Dollar und übertraf damit die Marktschätzungen von 9,67 Milliarden Dollar deutlich. Auch für das laufende erste Quartal stellte der Konzern 9,8 Milliarden Dollar Umsatz - plus/minus 300 Millionen Dollar - in Aussicht. Das lag ebenfalls über dem Konsens von 9,38 Milliarden Dollar.

Warum also der Kursrutsch?

Laut Marktbeobachtern lagen die Erwartungen schlicht extrem hoch. Im anhaltenden Boom rund um Künstliche Intelligenz hatten einige Analysten mit einer noch stärkeren Prognose gerechnet. AMD gilt neben Nvidia als einer der wichtigsten Anbieter von KI-Prozessoren für Rechenzentren. Viele Investoren hatten deshalb ein besonders optimistisches Signal für das neue Quartal erwartet. „Die Erwartungen waren ziemlich hoch“, sagte Susquehanna-Analyst Chris Rolland im US-Börsensender CNBC. Hinzu kam, dass AMD im Quartal überraschend Umsätze aus China ausgewiesen hat. Die aber waren in den bisherigen Schätzungen noch gar nicht enthalten gewesen. Rechne man diesen Effekt heraus, falle die positive Überraschung beim Umsatz geringer aus als gedacht, kommentierte Rolland.

AMD (WKN: 863186)

Riesiger Auftragsbestand

Trotz der kurzfristigen Enttäuschung bleibt das Geschäftsumfeld von AMD grundsätzlich intakt. Die Nachfrage nach Chips für KI-Rechenzentren sei weiterhin stark, sagte AMD-CHefin Lisa Su. Sie verwies auf den großen Auftragsbestand für Lieferungen in der Zukunft. Erst im Oktober hatte AMD einen Deal mit OpenAI geschlossen. Demnach will das KI-Startup über mehrere Jahre hinweg sechs Gigawatt von AMDs „Instinct“-Grafikprozessoren einsetzen, beginnend mit einer ersten Ausbaustufe von einem Gigawatt im zweiten Halbjahr 2026. Zudem besitzt OpenAI die Option, eine Beteiligung von bis zu zehn Prozent an AMD zu erwerben.

Auch Oracle hat angekündigt, später im Jahr 50.000 KI-Chips von AMD einzusetzen.

Gefährliches Chartsignal

Wachstum ist bei AMD also weiterhin gesichert. Doch nachdem sich die Aktie in den vergangen zwölf Monaten verdoppelte, ist viel von dieser Fantasie schon eingepreist, sodass schon kleine Abweichungen vom Pfad zu Enttäuschungen und Kursverlusten führen können.

Vorbörslich ist der Kurs am Mittwoch unter die 50-Tage-Loinie gefallen (s. Chart oben), was als erstes Alarmzeichen aufgefasst werden kann. Als das zuletzt im November geschah, erholte sich AMD davon wieder. ist. Anleger sollten sich dennoch genau überlegen, ob sie jetzt schon nachkaufen oder gar ganz neu einsteigen. Denn auch bei anderen Technologiewerten wurde die Luft zuletzt dünner.

Viel wird für die Branche nun von den Nvidia-Zahlen abhägen. Doch die kommen erst in drei Wochen: am 25. Februar nach Börsenschluss. 

30 Prozent in zwölf Monaten: 10 heiße Momentum-Aktien

Das ist die Titelgeschichte der neuen Ausgabe 07/2026 von BÖRSE ONLINE. Hier sofort als E-Paper kaufen

Lesen Sie auch

Prüft Verträge, gibt juristische Ratschläge: Dieses Tool löst das Beben bei Softwareaktien aus

oder

BioNTech- und Nvidia-Aktien verkauft, Medline und Alphabet rein: Erste 13F-Filings sind da!