Die Aktie legte seit September deutlich zu. Der Kurs könnte anhalten, wenn der Konzern sein Wachstumspotenzial ausschöpft. Diese Woche kommen Zahlen und der Ausblick auf 2026.

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Der Transport von Gütern ist stets ein Kompromiss zwischen Kosten und Dauer. Ein Großteil der Waren aus China findet seinen Weg per Schiff nach Europa. Seit Ende Januar bietet die DHL Group eine neue Variante. In einem Pilotprojekt testet der Logistikkonzern den Transport der Waren per Lkw nach Usbekistan und den Weitertransport per Flugzeug. Die Truck-Air-Variante ist zwar selten, dafür aber günstiger als ein reiner Transport per Flugzeug und deutlich schneller als per Schiff. „Die Nachfrage nach flexiblen und kosteneffizienten Logistiklösungen steigt jedoch weiter, gestützt durch das anhaltende Wachstum des Handels zwischen China und Europa sowie des gesamten Asien-Europa-Raums“, so Aditi Rasquinha, Vorstandschefin von DHL Global Forwarding Greater China. „Truck-Air hilft Kunden, kurzfristige Schwankungen zu vermeiden und gleichzeitig planbare Lieferzeiten zu gewährleisten.“ DHL investiert im Rahmen der „Strategie 2025 — Exzellenz in der digitalen Welt“ zwei Milliarden Euro in die Modernisierung der IT, die Einführung von KI, IoT, Robotik und Datenanalyse zur Effizienzsteigerung, Routenoptimierung und die Automatisierung. DHL Supply Chain erzielte nach eigenen Angaben bis 2025 in seinen europäischen Lagern operative Kosteneinsparungen in Höhe von 180 Millionen Euro durch KI-gestützte Robotik und Plattformen, vor allem durch reduzierten Personalaufwand, geringeren Energieverbrauch und weniger Retouren. Gleichzeitig verbesserte sich die Auftragsgenauigkeit auf 99,7 Prozent. Eine Investition von 737 Millionen US-Dollar zielt da­rauf ab, 1.000 KI-Roboter bis 2030 in Großbritannien und Irland einzusetzen.

Kosten senken, Umsatz steigern

In den ersten neun Monaten 2025 gab der Umsatz zwar leicht nach, dennoch konnte der Logistikkonzern die Prognosen der Analysten stets übertreffen. Kommende Woche legt DHL Group die Ergebnisse für das Gesamtjahr 2025 vor. Neben den nackten Zahlen werden die Marktteilnehmer vor allem auf den Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr achten. Im Rahmen der „Strategie 2030“ wurde das Ziel ausgegeben, den Umsatz bis 2030 auf über 120 Milliarden Euro zu steigern. Dazu müssen die Bonner jedoch 2026 wieder auf Wachstumskurs umschwenken.

Schub verspricht sich Konzernchef Tobias Meyer von einer Ausweitung wachstumsstarker Geschäftsbereiche. So wurden weltweit insgesamt 20 Länder definiert, die im Expressbereich ein überdurchschnittliches Wachstum versprechen und künftig stärker erschlossen werden sollen. Ein erwartetes Umsatzplus von sechs und acht Prozent pro Jahr wird zudem im E-Commerce erwartet. Dieser Bereich steuerte in den ersten neun Monaten 2025 mit rund fünf Milliarden Euro nur rund 8,1 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Ein Umsatzplus von rund 85 Prozent auf rund zehn Milliarden Euro gegenüber 2024 sieht das Management rund um Meyer zudem mit dem Transport von temperatursensiblen Produkten aus dem Life-Science- und Healthcare-Sektor. Nach Einschätzung vieler Experten hat DHL Group deutlich mehr Potenzial. Konkurrenten wie Fedex haben es gezeigt.

Wir wollen schneller und profitabler wachsen.“

DHL-Group-Chef, Tobias Meyer

DHL fliegt Fedex noch hinterher

Angetrieben durch gute Zahlen legte die Aktie von DHL Group seit dem September-Tief um rund 30 Prozent zu. Gegenüber dem Tief von 2022 liegt die Aktie sogar 61,5 Prozent im Plus. Der Anteilschein von Fedex hat seither jedoch um über 150 Prozent zugelegt! Fedex profitiert von der starken Marktposition in den USA. Dort hat auch DHL Group Potenzial. 2025 tätigte der Konzern drei kleinere Zukäufe im Bereich E-Commerce, Health­care und Reverse Logistics. Mit weiteren Zukäufen, einer aggressiveren Preispolitik im hochmargigen Bereich und vor allem durch Kooperationen mit großen E-Commerce-Händlern könnte DHL Group noch stärker daran partizipieren und dem Kurs von Fedex folgen. Möglicherweise äußert sich Meyer kommende Woche dazu.

Mit einem KGV von 14,9 und einer Divi­dendenrendite von 3,8 Prozent ist die Aktie derweil moderat bewertet. Nach dem jüngsten Kursanstieg erhöhen wir Kursziel und Stoppkurs. 

Dieser Artikel stammt aus der BÖRSE ONLINE Ausgabe 10/26. Noch mehr fundierte Einschätzungen lesen Sie hier.

DHL Group (WKN: 555200)

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: DHL Group.