Die aktuellen Geschäftszahlen von Stellantis sorgen für Entsetzen an der Börse. Der Autobauer, zu dem Marken wie Jeep, Peugeot, Fiat und Opel gehören, ist im zweiten Halbjahr 2025 tief in die roten Zahlen gerutscht. Droht VW demnächst ein ähnliches Schicksal?
Das bereinigte operative Ergebnis von Stellantis fiel für die sechs Monate bis Dezember auf minus 1,38 Milliarden Euro. Hauptverantwortlich für den drastischen Einbruch war die abrupte Kehrtwende in der Elektroauto-Strategie.
Abschreibungen von über 25 Milliarden Euro
Nachdem die Nachfrage nach E-Autos in Europa deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb und in den USA staatliche Kaufanreize gestrichen wurden, musste Stellantis seine ambitionierten Elektrifizierungspläne zurückfahren. Die Folge: massive Abschreibungen und Sonderbelastungen in Höhe von insgesamt 25,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Zudem wurden Batterieprojekte verkleinert oder neu bewertet. Besonders hart traf es Nordamerika, wo ein operativer Verlust von 941 Millionen Euro verbucht wurde.
Auch in Europa schrieb der Konzern rote Zahlen. Gleichzeitig läuft der Absatz wichtiger Marken mit rund 1,2 Millionen Fahrzeugen lediglich seitwärts. Frühere Sparprogramme und strategische Fehlentscheidungen führten zudem zu Qualitätsproblemen, Lücken im Modellangebot und einer unglücklichen Preisstrategie. Die fatale Folge: Die Marktanteile sanken praktisch über alle Fahrzeugsegmente hinweg.
Zwar meldet das Management erste positive Effekte durch neue Modelle und Preisanpassungen, doch die Herausforderungen bleiben enorm. Die Konkurrenz – insbesondere aus China – gewinnt auch in Europa Marktanteile, während hohe Preise und Unsicherheiten bezüglich der E-Auto-Förderung die Nachfrage bremsen. Für 2026 peilt Stellantis nun lediglich ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und eine niedrige operative Marge an.
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Was bedeuten die Stellantis-Zahlen für VW?
Die schwachen Ergebnisse von Stellantis sorgen in der Autobranche für Unruhe – und rücken nun auch Volkswagen in den Fokus. Am 10. März legt VW seine Quartalszahlen vor. Anleger fragen sich: Droht dem Wolfsburger Konzern ein ähnliches Szenario wie Stellantis?
Ähnlich wie Stellantis ist Volkswagen mit seinen Marken VW, Skoda und Seat/Cupra vor allem ein Massenhersteller - trotz Audi und Porsche. Und auch Volkswagen kämpft aktuell auf mehreren Baustellen. Zum einen bleibt die Nachfrage nach Elektroautos in Europa hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. Förderprogramme wurden gekürzt oder gestrichen, gleichzeitig sind viele VW-Modelle in dieser Kategorie weiterhin vergleichsweise teuer. Zwar hat VW mit der ID.-Familie eine breite E-Modellpalette im Angebot, doch der Preisdruck – insbesondere durch chinesische Hersteller – nimmt weiter zu. In China, einem der wichtigsten Absatzmärkte, verliert VW zudem seit Jahren Marktanteile an heimische Anbieter.
Hinzu kommen hohe Investitionen in Software, Batterietechnologie und neue Plattformen. Die Transformation zur Elektromobilität bindet enorme Mittel, während das klassische Verbrennergeschäft zwar noch Erträge liefert, aber langfristig unter Druck geraten dürfte. Effizienzprogramme und Kostensenkungen laufen, doch die Profitabilität im E-Segment ist weiterhin viel niedriger als im traditionellen Geschäft.
Mitentscheidend könnte der US-Markt werden: Anders als Stellantis, das besonders stark unter der dortigen Kehrtwende bei der Elektro-Förderung und hohen Abschreibungen leidet, setzt VW weiterhin auf den Ausbau seiner US-Produktion – etwa in Form neuer Batteriewerke. Allerdings könnte auch Volkswagen von einer schwächeren E-Auto-Nachfrage betroffen sein. Sollten die politischen Rahmenbedingungen unsicher bleiben und Kaufanreize entfallen, drohen auch hier Risiken für das Ergebnis.
Entscheidend wird daher sein, ob VW am 10. März stabile Umsätze und Gewinne und eine robuste operative Marge präsentieren kann. Die Stellantis-Zahlen zeigen jedenfalls, wie schnell strategische Fehlkalkulationen und schwache E-Auto-Nachfrage zu hohen Belastungen führen können. VW muss nun zeigen, dass im Rahmen der Sparprogramme wirklich eine kontrollierte und rentable Transformation gelingt – sonst könnten VW-Anleger die Geduld verlieren.
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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Stellantis, Volkswagen Vz..