Technisch kann es die kleine deutsche Softwarefirma mit den Großen der Branche aufnehmen. Zunehmend zeigt sich das auch in den Geschäftszahlen. Die Aktie hat noch viel Potenzial.

Die großen US-Softwarefirmen beherrschen den Markt. Das gilt auch im Bereich Serviceprozesse, also bei der Digitalisierung interner Vorgänge in Unternehmen. Firmen wie der US-Riese Servicenow erreichen einen Börsenwert im dreistelligen Milliardenbereich, fast tausendmal mehr als Serviceware.

Die kleine deutsche Softwarefirma kann es allerdings mittlerweile mit den ganz Großen aufnehmen, verkauft die Produkte rund um den Globus. Das Erfolgsrezept liegt vor allem in der kompromisslosen Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI). Während andere Anbieter die Technologie an ihre Lösungen andocken, hat der in Idstein im Taunus beheimatete IT-Spezialist sie frühzeitig in die Programmierung der Plattform integriert.

Das Unternehmen wurde 1998 gegründet und ging 2018 an die Börse. Die Mittel aus dem Börsengang wurden zur Neuent­wicklung der Software, aber auch für Übernahmen von Firmen ausgegeben. So hat Serviceware die Produktpalette ausgeweitet. Das Unternehmen hat nach dem Börsengang das Geschäftsmodell umgestellt. Spielten früher Lizenzen eine bedeutende Rolle, wurde auf Mietmodelle umgestellt. Diese Abrechnungsform unterscheidet sich von Lizenzmodellen in einigen Punkten. Vor allem werden die Einnahmen über einen längeren Zeitraum gestreckt.

Auf dem Weg zum Höchstkurs
Serviceware
Serviceware-Zentrale in Idstein: Die Trendwende ist längst geschafft
Serviceware - Chart - Infobox
BO Data/smallcharts

Software-Miete statt Lizenzen

Das sorgt dafür, dass die Umsatzrealisierung auf der Zeitachse nach hinten geschoben wurde. Weil Serviceware auch Integrationsaufwand hatte und mehr Geld für den Vertrieb bereitstellte, waren die Zahlen erst einmal nicht erfreulich. Der Gesamtumsatz geriet unter Druck, die Erträge fielen unter die Gewinnschwelle. Dass es im Bereich Mietsoftware zu hohen Zuwachsraten kam, interessiert die Investoren nicht. Zur Einordnung: Serviceware kam zu 26 Euro an die Börse, konnte den Emissionskurs aber nur kurz verteidigen. Dann fiel der Kurs bis auf sechs Euro. Das Tief wurde im Januar 2023 erreicht.

Doch seitdem geht es an der Börse wieder bergauf. Das Unternehmen hat den Wechsel von Lizenzen zu Mietsoftware­erlösen weitgehend abgeschlossen. Damit kommen Kostenskalierungseffekte zum Tragen, Serviceware ist wieder profitabel. Die Aktie folgte der Entwicklung, notiert aber noch deutlich unter dem alten Höchstkurs von 2018 bei 26,40 Euro.

Die beiden Gründer sind im Management und halten zusammen rund 62 Prozent. Das hat sich seit dem Börsengang nicht geändert. „Wir glauben an das Wachstum“, sagt etwa CEO Dirk Martin. Die Treue zum Unternehmen beginnt sich nun auszuzahlen. Denn durch künstliche Intelligenz hat sich der Markt für IT-Serviceleistungen komplett geändert. „Wir sind die Einzigen, die die Automation von Serviceleistungen und Kostenkontrolle in einer eigenen KI-Plattform verbinden“, sagt Martin. Das Ergebnis: Die Mietsoftwareerlöse legten zuletzt um 28,5 Prozent zu. Und weil der Markt weiter um rund ein Viertel wachsen soll, könnten Software-Mieteinnahmen, Ertrag und letztlich auch die Aktie folgen.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von BÖRSE ONLINE

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