Die Renditen auf Staatsanleihen sinken seit Wochen und davon profitieren jetzt Unternehmen mit hohen Schulden in der Bilanz – allen voran Immobiliengesellschaften. Die Folge: Der Wohnbaukonzern Vonovia legte binnen weniger Tage schon um elf Prozent zu.

Während viele Privatanleger derzeit vor allem auf die KI-Trades blicken, in denen eine Branche nach der anderen unter die Räder kommt, vollzieht sich am Bondmarkt eine überraschende Entwicklung: Seit Ende Dezember sinken die Renditen auf Staatsanleihen aller Art – und das hat auch Folgen für Aktien.

Im Dax ist das derzeit besonders gut an der Aktie des Wohnungsbaukonzerns Vonovia zu beobachten. Denn wie im Immobilienmarkt üblich, finanziert Vonovia sein Geschäft über hohe Schulden. Insgesamt standen zum 30. September 2025 mehr als 60 Milliarden Euro in der Bilanz – das entspricht etwa zwei Dritteln der Bilanzsumme. Darauf zahlte Vonovia im Jahr 2025 nach Analystenschätzungen rund 870 Millionen Euro Zinsen. Jeder Basispunkt (entspricht 0,01 Prozent), um den die Renditen sinken, spart damit etwa sechs Millionen Euro.

Erheblicher Zinshebel

Orientiert man sich an der Umlaufrendite, so ist deren Wert binnen weniger Wochen von 2,83 auf 2,69 Prozent gesunken, also um 14 Basispunkte. Gemäß der oben dargestellten Rechnung bedeutet das eine Entlastung von 84 Millionen Euro. Das spielt durchaus eine Rolle: 2024 hatte Vonovia noch einen Nettoverlust (Periodenergebnis) von 962,3 Millionen Euro geschrieben. Für 2025 rechnen Analysten mittlerweile mit einem Überschuss von 2,2 Milliarden Euro.

Die Kursrally begann schon im Dezember

Der Rückenwind von der Zinsfront schiebt die Vonovia-Aktie nun deutlich an. Seit Mitte Dezember stieg sie von 23,61 Euro auf 27,33 Euro an. Ein Plus von fast 16 Prozent. Das meiste davon, elf Prozent, kam seit dem 6. Februar 2026 hinzu.

Am Faschingsdienstag war Vonovia erneut der beste Wert im Dax mit einem Kursplus von 3,25 Prozent. Spannender noch: Mit einem Kurs von 27,33 Euro übersprang die Aktie erstmals seit Juli 2025 wieder die 200-Tage-Linie, die bei 27 Euro verläuft. Damit hat Vonovia ein Kaufsignal ausgelöst, das idealerweise in den kommenden beiden Handelstagen bestätigt wird. Heißt: Die Marke sollte halten, bevor Anleger damit beginnen, neue Positionen aufzubauen.

Viele gute Gründe für Vonovia

Andere Indikatoren hatten allerdings schon früher gedreht. Der Relative-Stärke-Index (RSI) sprang bereits Mitte Dezember auf grün – rechtzeitig zum Beginn des oben beschriebenen Aufstiegs. Das Kaufsignal im MACD folgte in der ersten Februarwoche.

Und nicht nur charttechnisch spricht einiges dafür, dass es mit dem Aufwind für die Vonovia-Aktie weitergeht. Auch an der europäischen Zinsfront stehen die Zeichen zunehmend auf Entspannung: Die Inflationsraten bewegen sich nun schon länger um die Zwei-Prozent-Marke herum, was vor allem die langfristigen Zinserwartungen drückt. Die spielen am Anleihenmarkt und für langfristig finanzierende Unternehmen wie Vonovia eine größere Rolle als die auf die kurzfristigen Zinsen ausgerichteten Leitzinsentscheidungen der EZB. Hinzu kommt, dass immer mehr Investoren aus US-Staatsanleihen in deutsche und europäische Schuldtitel umschichten. Die erhöhte Nachfrage lässt die Kurse von Anleihen und Pfandbriefen hierzulande steigen – und drückt damit umgekehrt die Renditen.

Ist die Zeit der schlechten Nachrichten zu Ende?

Das alles kommt Vonovia zugute. Zumal sich zuletzt auch die Immobilienpreise in Deutschland stabilisiert haben. Im Wohnungsmarkt, wo Vonovia tätig ist, steigen sie sogar wieder an. Die Zeit der Abschreibungen auf Portfoliowerte - und damit der schlechten Nachrichen - könnte zu Ende sein.

Am 19. März 2026 will das Unternehmen seinen Geschäftsbericht vorlegen. Dann könnte es weitere Impulse für die Aktie geben.

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