Ein neuer Vorstoß des US-Präsidenten erschüttert die Finanzbranche. Präsident Donald Trump will Kreditkartenzinsen auf zehn Prozent begrenzen. Die Ankündigung sorgt für deutliche Kursverluste bei Finanzwerten.
Nachdem US-Präsident Donald Trump am Montagabend ankündigte, die Zinsen für Kreditkarten drastisch zu begrenzen, stürzen Finanztitel schon den zweiten Tag in Folge ab.. Die Aktien von Visa und Mastercard verloren am Dienstag zum Handelsstart in New York fast fünf Prozent. American Express stand ein Prozent im Minus, nachdem die Aktie am Vortrag schon vier Prozent verloren hatte. Auch Bankaktien verlieren, allen voran J.P. Morgan, obwohl die Großbank am Dienstag Quartalszahlen meldete, die über den Erwartungen lagen.
"Maximalzinssatz von zehn Prozent"
Trump will mit seinem Vorstoß die hohe Verschuldung vieler US-Haushalte abschwächen. Schon ab dem 20. Januar solle für zunächst ein Jahr ein Maximalzinssatz von zehn Prozent gelten, kündigte Trump auf seiner Plattform Truth Social an. Unklar ist allerdings, auf welchem Weg eine solche Maßnahme rechtlich umgesetzt werden könnte. Der Präsident hat für so eine Anordnung keine Befugnisse; wenn überhaupt, müsste der Kongress ein entsprechendes Gesetz erlassen.
Beobachter sehen in dem Vorstoß Wahlkampftaktik mit Blick auf die Kongresswahlen („Midterms“), die am 3. November stattfinden. Erst vergangene Woche hatte Trump angekündigt, mithilfe von Hypotheken-Ankaufprogrammen durch die staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac die Hypothekenzinsen für die Amerikaner zu senken.
Amerikaner zahlen im Schitt 21,5 Prozent Zinsen auf Kreditkartenschulden
Trump begründet seinen neuen Vorstoß mit der angespannten finanziellen Lage vieler Amerikaner. Zahlreiche Haushalte lebten „von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck“, Rücklagen sind in den USA, der Kauf auf Kredit dagegen sehr verbreitet. Einige Haushalte haben sogar mehrere Kreditkarten, um die Schulden bei Bedarf von einer zur nächsten transferieren zu können. Dafür kassieren die Gesellschaften zum Teil happige Zinsen: Nach Daten der US-Notenbank Fed lag der durchschnittliche Kreditkartenzins Ende 2024 bei 21,5 Prozent – mehr als doppelt so hoch wie der von Trump ins Spiel gebrachte Deckel.
Banken warnen vor „verheerenden Folgen“
Die Reaktion der Finanzbranche fiel scharf aus. Banken und Lobbyverbände warnten in einer gemeinsamen Erklärung, eine Zinsobergrenze werde die Kreditvergabe stark einschränken und könne „verheerende Folgen für Millionen amerikanischer Familien und kleiner Unternehmen“ haben. Konkrete Details zu den befürchteten Auswirkungen nannten sie allerdings nicht.
Analyst Matt Britzman von Hargreaves Lansdown sieht die Geschäftsmodelle der Branche grundsätzlich infrage gestellt. Ein Zinssatz von zehn Prozent entspreche etwa der Hälfte des aktuellen Marktniveaus. Banken müssten ihr Risikomanagement und ihre Kreditvergabepolitik neu ausrichten. Wahrscheinliche Folgen seien niedrigere Kreditlimits, die Schließung riskanter Konten sowie Einschnitte bei Bonus- und Prämienprogrammen.
Auch europäische Finanztitel gerieten unter Druck
An den Börsen sorgte Trumps Vorstoß prompt für Kursverluste, die nicht auf die USA begrenzt blieben: In Europa gerieten zeitweise auch Barclays, Banco Santander und Société Générale unter Druck, die zusammen mit Visa und Mastercard jeweils eigene große Kreditkartengeschäfte unterhalten. Sie erholten sich jedoch am Dienstag wieder.
Politisch ist der Plan ein weiterer Mosaikstein in Trumps jüngstem, durchaus bemerkenswerten Kurswechsel. Noch vor Kurzem hatte der US-Präsident Debatten über steigende Lebenshaltungskosten als „Schwindel“ der Demokraten bezeichnet. Nun rückt er selbst, mit Blick auf die Kongresswahlen im November, das Thema „Erschwinglichkeit“ in den Mittelpunkt. Bei den Midterms stehen alle Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats zur Wahl. Verlieren die Republikaner ihre knappen Mehrheiten, würde Trumps Handlungsspielraum deutlich schrumpfen.
mit Material von dpa-afx
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