Im Ringen um die Commerzbank hat die Unicredit ihren Anteil an den Frankfurtern weiter aufgestockt. Was aber noch wichtiger sein könnte: Unicredit kontrolliert schon 38 Prozent der Stimmrechte – und am Mittwoch ist Hauptversammlung.

Fast zeitgleich mit der Stellungnahme des Commerzbank-Vorstands und -Aufsichtsrats zum Übernahmeangebot hat die Unicredit am Montag den aktuellen Stand ihrer Anteile an der Commerzbank mitgeteilt. Demnach besitzen die Italiener jetzt 26,77 Prozent der Commerzbank-Aktien und haben über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere 3,22 Prozent. Das macht zusammen 29,99 Prozent, damit bleibt Unicredit knapp unter der Schwelle von 30 Prozent, die ein Pflichtangebot ausgelöst hätte.

Noch spannender aber sind die Stimmrechte. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Commerzbank am Mittwoch (20. Mai 2026) zur Hauptversammlung nach Wiesbaden lädt. Denn Unicredit meldete auch eine Steigerung der Stimmrechte, auf die die Mailänder Zugriff haben. Dieser Anteil stieg von 32,64 auf 38,87 Prozent. Darin enthalten sind laut Unicredit Kaufpreis-Sicherungen für 8,88 Prozent der Aktien.

Hat Unicredit schon auf der HV die Mehrheit?

Nun kommt die besondere Arithmetik bei Hauptversammlungen ins Spiel. Dort gilt nämlich nicht die Mehrheit aller insgesamt stimmberechtigten Aktionäre, sondern allein die Präsenz vor Ort. Und das könnte Unicredit in die Hände spielen.

Im vergangenen Jahr waren auf der Commerzbank-HV nur insgesamt 49,65 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre vertreten. Das ist für deutsche Aktiengesellschaften sogar ein recht hoher Wert. Aber schon in so einer Konstellation hätte Unicredit-Chef Andrea Orcel mit seinem Stimmpaket die Mehrheit auf der Hauptversammlung. Selbst der Bund, der aktuell über 12,7 Prozent der umlaufenden Commerzbank-Aktien verfügt, könnte dem nichts entgegensetzen. Weitere 5,1 Prozent hält laut Commerzbank-Homepage der Vermögensverwalter Blackrock, der sich bisher nicht zu seiner Position im Übernahmekampf geäußert hat.

Mit einer Hauptversammlungs-Mehrheit könnte Unicredit theoretisch sogar den Aufsichtsrat abberufen oder eigene Mitglieder in das Gremium wählen lassen. Entsprechende Anträge lagen vor der HV nicht vor, können dort aber theoretisch jederzeit gestellt werden.

Commerzbank muss auf hohe Präsenz hoffen

Die Hauptversammlung der Commerzbank – üblicherweise eine Formalie – könnte dadurch zu einem öffentlichen Showdown werden, Wochen bevor die Frist für das eigentliche Übernahmeangebot ausläuft. Allerdings würde so ein Vorgehen seitens der Italiener die Fronten weiter verhärten.

Das Management der Commerzbank rund um den Aufsichtsratschef, den früheren Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann, und Vorstandschefin Bettina Orlopp dürfte daher im Vorfeld alle Hebel in Bewegung setzen, um möglichst viele weitere Aktionäre zur Hauptversammlung zu locken; oder sie zumindest dazu zu bewegen, ihre Stimmen vorab per Online- oder Briefwahl im Sinne der Verwaltung abzugeben.

Seit Montagmittag ist klar: Aus Sicht der Commerzbank sollten am Mittwoch besser mindestens 77,75 Prozent der Aktionäre ihre Stimmen anmelden – sonst könnte es für Vorstand und Aufsichtsrat auf dem Podium sehr ungemütlich werden.

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Häufige Fragen zum Thema

Was bietet Unicredit für die Commerzbank?

Die italienische Großbank Unicredit bietet im Zuge eines Aktientauschs 0,485 eigene Aktien für jede Commerzbank-Aktie. Was das Angebot auf Basis des aktuellen Tageskurses wert ist und wie weit es vom Börsenkurs derr Commerzbank-Aktie entfernt ist, erfahren Sie täglich aktualisiert auf boerse-online.de.

Welchen Anteil an der Comemrzbank besitzt Unicredit bereits?

Neuesten Angaben vom 18. Mai 2026 zufolge hat Unicrdit mittlerweile Zugriff auf 29,99 Prozent der Aktien. Da Unicredit bei der Übernahme zum Teil auch Derivate einsetzt, kontrollieren die Italiener sogar schon 38,87 Prozent der Stimmrechte.

Warum könnte es schon auf der Hauptversammlung am 20. Mai 2026 spannend werden?

Mit 38,87 Prozent der Stimmrechte könnte die Unicredit auf der Hauptversammlung bereits die Mehrheit haben - und entsprechend Entscheidungen zu ihren Gunsten herbeiführen. Denn dort zählt bei Abstimmungen allein die Präsenz der Stzimmen auf der Hauptversammlung. Bei jeder Gesamt-Präsenz unter 77,74 Prozent der Stimmen hätte Unicredit die Mehrheit. 

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.