In seinem vermutlich letzten großen Interview mit dem US-Börsensender CNBC hat Warren Buffett am Dienstagabend noch einmal eine Einschätzung zu den aktuellen Börsenbewertungen gegeben – mit einem Augenzwinkern, versteht sich.
Warren Buffett war Zeit seines Lebens eine Ausnahmeerscheinung unter den Investoren, eine wahre Legende: intelligent, mit dem richtigen Riecher und immer einem Fünkchen Humor, wenn er mit der Presse sprach oder die berühmten Briefe an die Aktionäre von Berkshire Hathaway formulierte.
Und wie es scheint, zeigt Buffett auch bei seinem Abgang Größe. Der mittlerweile 95-Jährige vermittelt den Eindruck, als falle es ihm tatsächlich relativ leicht, den Stab nun an Greg Abel zu übergeben.
An dem gefällt Buffett vor allem seine Bodenständigkeit. Greg Abel führe „ein scheinbar ganz normales Leben“, obwohl er ein Unternehmen mit 400.000 Mitarbeitern leite, das übrigens, so Buffett, bessere Chancen habe, in hundert Jahren noch zu existieren, „als jedes andere Unternehmen, das mir einfällt“. Außerdem schaffe Abel „deutlich mehr in einer Woche als ich in einem Monat“.
Abel ist auch Buffetts Vermögensverwalter
Er selbst habe an sich schon vor ein paar Jahren bemerkt, „dass sich Dinge verändern“, sagte Buffett. Zum Beispiel könne er manchmal das Gleichgewicht nicht mehr so gut halten. „Meine Stimme hat sich auch verändert“, erzählte er. Da sei ihm klar geworden, dass er alt werde und den CEO-Posten besser räumen sollte.
Auch für Buffett ganz persönlich hängt viel davon ab, dass sein Nachfolger das Dickschiff Berkshire Hathaway auf Kurs hält. Denn der Investor hat sein eigenes Portfolio wenig diversifiziert und hält den überwiegenden Teil seines Vermögens, das Bloomberg auf insgesamt 150 Milliarden Dollar schätzt, weiterhin in Berkshire-Aktien. Damit sei Abel quasi auch zu seinem eigenen Vermögensverwalter geworden, sagte Buffett bei CNBC. Aber: „Mir ist lieber, dass Greg mein Geld verwaltet, als jeder andere Top-Investmentberater oder jeder andere CEO in den USA.“
Eine Aufgabe blieb unerledigt
Nur eines hätte die Börsenlegende offenbar gerne noch selbst erledigt. Es scheint Warren Buffet zu wurmen, dass er für die riesigen Cash-Reserven von Berkshire Hathaway, die mittlerweile auf fast 400 Milliarden Dollar angeschwollen sind, keine geeigneten Übernahmeobjekte gefunden hat. Buffetts überraschendes Investment in Alphabet, das im November für Furore sorgte, kostete gerade mal 4,3 Milliarden Dollar, also nur etwas mehr als in Prozent davon.
„Wäre bereit, heute Nachmittag 100 Milliarden Dollar auszugeben“
Schon viele Jahre haben Buffett, Abel und Buffetts verstorbener Weggefährte Charlie Munger nach Übernahmezielen Ausschau gehalten. Allerdings ist Buffett nicht bereit, hohe Preise zu zahlen. „Wenn ich mir den Aktienmarkt ansehe, wenn ich mir Unternehmen in einer Größenordnung ansehe, die für unser Gesamtergebnis einen Unterschied machen würden, dann sehe ich nichts“, erklärte er im CNBC-Interview. „Wir haben ein oder zwei Dinge gekauft, aber das sind Peanuts. Dabei wäre ich bereit, noch heute Nachmittag 100 Milliarden Dollar auszugeben“, sagte Buffett. „Ich hätte lieber 100 Milliarden Dollar und ein wirklich gutes Unternehmen zu einem vernünftigen Preis als 100 Milliarden Dollar in bar“, sagte er. Barreserven seien natürlich sinnvoll, „aber Cash ist kein guter Vermögenswert“.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Berkshire Hathaway.