An den Finanzmärkten mehren sich die Warnzeichen für eine mögliche Kreditblase im sogenannten Private-Credit-Sektor. Als wären die geopolitischen Spannungen und steigenden Ölpreise nicht genug, „brennt“ es nun auch noch in einem bankennahen Marktsegment.

Private Kredite außerhalb des klassischen Bankensystems galten lange als Wachstumsstory. Mittlerweile sprechen Experten indes offen von strukturellen Risiken, die im Extremfall eine Kettenreaktion auslösen könnten - auch an den Aktienmärkten. Private Credit bezeichnet Kredite, die nicht von traditionellen Banken, sondern von Asset Managern, Private-Equity-Firmen oder spezialisierten Kreditfonds vergeben werden. Diese Anbieter werden häufig als eine Art Schattenbanken bezeichnet, weil sie bankähnliche Geschäfte betreiben, aber deutlich weniger reguliert sind.

Warum es im Private-Credit-Sektor brodelt

Der Markt ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen und umfasst inzwischen rund 1,8 Billionen Dollar. Viele Investoren schätzten die hohen Renditen dieser Fonds, doch gerade diese Renditen könnten sich nun als Problem erweisen. Kritiker warnen schon länger, dass Kreditstandards in diesem Bereich zunehmend aufgeweicht wurden.

Zuletzt sorgten mehrere Ereignisse für Nervosität. Einige Fonds mussten Auszahlungsbeschränkungen einführen, nachdem Anleger verstärkt Kapital abziehen wollten. In einzelnen Fällen wurden sogar Kredite verkauft, um Liquidität für Rückzahlungen zu schaffen. Solche Schritte gelten als klassisches Warnsignal für Stress im Finanzsystem.

Die Sorgen um den Private-Credit-Markt haben sich bereits deutlich an den Aktienkursen und in den Kurs/Buch-Verhältnissen solcher Fonds (siehe Grafik) bemerkbar gemacht. Besonders stark unter Druck geraten derzeit Unternehmen aus den Bereichen Private Equity und Asset Management. Mehrere große Namen der Branche mussten zuletzt spürbare Kursverluste hinnehmen. Dazu zählen etwa Blackrock, Ares Management, Apollo Global Management, KKR, Brookfield AM oder Invesco.

Auch klassische Banken geraten zunehmend in den Blick der Investoren. JPMorgan Chase hat bereits begonnen, den Wert bestimmter Kredite an Private-Credit-Fonds nach unten anzupassen und ihre Finanzierungsmöglichkeiten zu begrenzen, was die Kreditaufnahme der Fonds erschwert und als Vorsichtsmaßnahme gegen mögliche Marktverwerfungen gilt.

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Discounts der Private-Credit-Funds werden größer
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Discounts der Private-Credit-Funds werden größer

Sind europäische Unternehmen auch betroffen?

Im Vergleich zu den USA ist der Private-Credit-Sektor in Europa zwar kleiner, doch auch hier wächst der Markt schnell. Besonders große Vermögensverwalter und internationale Banken mit globalem Geschäft könnten anfällig sein. Die Deutsche Bank meldete vor wenigen Tagen für dieses Segment ein Engagement von rund 25 Milliarden Euro und erklärte, dass ihr Engagement im Private-Credit-Sektor etwa fünf Prozent des gesamten Kreditportfolios ausmache. Der Vorstand bezeichnete diese Anlageklasse als ein „zentrales Risiko“. Die Bank erklärte aber, dass sie aktuell keinen „wesentlichen Risiken“ im Zusammenhang mit nicht-banklichen Finanzinstituten ausgesetzt sei. Allerdings könnten indirekte Risiken über miteinander verknüpfte Portfolios und Geschäftspartner entstehen.

Deutsche Banken gelten bislang zwar als weniger stark exponiert als einige US-Institute, dennoch beobachten Marktteilnehmer die Entwicklung aufmerksam. Sollte es zu größeren Kreditausfällen kommen, könnte sich der Stress rasch über internationale Finanzverflechtungen ausbreiten.

Fazit: Noch befindet sich der Private-Credit-Sektor nicht in einer akuten Krise. Doch mehrere Faktoren – steigende Zinsen, geopolitische Risiken und zunehmende Rückforderungen von Anlegergeldern – könnten eine gefährliche Mischung bilden. Historisch gesehen waren Kreditmärkte oft der erste Ort, an dem sich systemische Risiken zeigten, bevor sie auf Aktienmärkte übergreifen. Sollten sich die aktuellen Warnsignale bestätigen, könnten besonders Private-Equity-Firmen, Asset-Manager und stark engagierte Banken zu den größten Verlierern eines möglichen Crashs gehören.

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