Langfristprognose: Erreicht der DAX 2030 30.000 Punkte? Die Begründung und zehn Dauerfavoriten - 03.03.21 - BÖRSE ONLINE
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Langfristprognose: Erreicht der DAX 2030 30.000 Punkte? Die Begründung und zehn Dauerfavoriten

Langfristprognose: Erreicht der DAX 2030 30.000 Punkte? Die Begründung und zehn Dauerfavoriten
03.03.2021 07:24:00

Der Deutsche Aktienindex startete stark in das neue Jahrzehnt. Wenngleich Rückschläge zu erwarten sind, sprechen mehrere Faktoren dafür, dass der DAX bis 2030 auf 30 000 Punkte steigt. Wir begründen dieses Kursziel und stellen zehn Dauerfavoriten vor. Von Wolfgang Hagl, Christian Ingerl

Frankfurt am Main. Hunderttausende Fans haben dem frisch gekürten Fußballweltmeister 2030 einen begeisterten Empfang bereitet. Keine 24 Stunden nach dem 2 : 1-Sieg im Finale gegen Gastgeber Argentinien landete das Team von Bundestrainer Jürgen Klopp im klimaneutralen Airbus am Frankfurter Flughafen. Anschließend fuhr der DFB-Tross in wasserstoffgetriebenen Cabrios zum Römer - als Reminiszenz an den WM-Sieg vor genau 40 Jahren fand die Siegesfeier wieder am Wahrzeichen der Mainmetropole statt. Jubelstimmung machte sich auch unweit der Partymeile breit: Mit 29 417 Punkten fixierte die Deutsche Börse ein neues DAX-Allzeithoch.

Auf den ersten Blick mag dieser fiktive Bericht für Fans der im notorischen Formtief steckenden Nationalmannschaft und Anleger gleichermaßen wie Science-Fiction klingen. Doch bei näherer Betrachtung ist weder der WM-Triumph noch der skizzierte Punktestand des deutschen Leitindex abwegig. Während der sportliche Ausblick im Zuständigkeitsbereich von "Kicker" und Co liegt, hat BÖRSE ONLINE die These "30 000 in 2030" aufgestellt.

Dividenden als Pluspunkt

Gerade ist der DAX zum ersten Mal auf mehr als 14 000 Punkte geklettert. Er müsste sich bis zum Ende des Jahrzehnts also mehr als verdoppeln, um das aufgerufene Niveau zu erreichen. Schreibt man die historische Entwicklung seit den 1960er-Jahren fort - der DAX hat in diesem Zeitraum pro Jahr um durchschnittlich 6,3 Prozent zugelegt -, landet die Benchmark 2030 bei etwas mehr als 25 000 Zählern. "Eine unterstellte jährliche Rendite von acht Prozent führt im selben Zeitraum zu einem Indexstand von knapp 30 000 Punkten", rechnet Carsten Klude, Chefvolkswirt von M. M. Warburg, im Interview auf Seite 12 vor. Er verweist zu Recht auf die Tatsache, dass der DAX ein Performanceindex ist. "Da die jährlichen Dividendenausschüttungen von derzeit etwa drei Prozent reinvestiert werden, müssten die Kurse nur um fünf Prozent pro Jahr steigen, um auf diese Gesamtrendite zu kommen", erläutert Klude.

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Treibstoff für die skizzierte Beschleunigung des nationalen Börsengradmessers könnte die anstehende Indexreform liefern. Im September stockt die Deutsche Börse den DAX um zehn auf 40 Mitglieder auf. Den 1988 ins Leben gerufenen Gradmesser erwartet eine Frischzellenkur: Die Kandidaten für eine Neuaufnahme sind größtenteils in zukunftsträchtigen Sektoren aktiv. Während Zalando und Hellofresh die gesamte Klaviatur der Megatrends Digitalisierung und E-Commerce spielen, würden Siemens Healthineers, Qiagen und Sartorius den Bereich Gesundheit stärken. Mit Siemens Energy und Symrise klopfen zwei wichtige Akteure der miteinander verwobenen Zukunftsfragen Klimawandel und Ernährung an der DAX-Tür.

Insofern trägt die Reform dem Wandel der deutschen Wirtschaft Rechnung. Wobei die stete Transformation auch am jetzigen DAX nicht spurlos vorbeiging. Insbesondere der IT-Bereich hat enorm an Bedeutung gewonnen. Die Softwareschmiede SAP steuert zusammen mit dem Chiphersteller Infineon aktuell mehr als 14 Prozent zum DAX bei. Seit 2010 hat sich die Gewichtung des Duos in etwa verdoppelt. Nimmt man die Deutsche Telekom dazu, dann bringen es Technologie und Kommunikation auf einen Anteil von knapp 19 Prozent. Mehr Bedeutung haben im heimischen Börsenbarometer nur noch die Bereiche Industrie sowie Pharma und Chemie.

Zeit für die Aufholjagd

Es ist das Ziel des Indexbetreibers, den DAX mit der Reform an die internationalen Gepflogenheiten anzupassen. Gerade die potenziellen Neulinge sollten dem Gradmesser helfen, auch im globalen Börsenrennen. Boden gutzumachen. Zwar ist der DAX weiterhin mit relativ wenigen Mitgliedern bestückt. Doch die Zahl der Wachstumswerte wird zunehmen. Für Carsten Klude ist die Gewinnentwicklung für den langfristigen Kursverlauf entscheidend. Schon in seiner aktuellen Zusammensetzung profitiert der DAX dem Börsenprofi zufolge von einer starken Exportorientierung. "Bei großen Handelspartnern ist die wirtschaftliche Dynamik deutlich größer als hierzulande", erklärt er.

In der Tat hilft gerade der Aufschwung in China und den USA den deutschen Großkonzernen aus dem tiefen Corona-Tal. Laut den aktuellen Prognosen dürfte der Gewinn der 30 Indexmitglieder 2020 um rund zwölf Prozent eingebrochen sein. Bereits im laufenden Jahr rechnen Analysten mit einer Ergebnisverbesserung von 28 Prozent. 2022 indiziert der von Factset ermittelte Konsens ein Gewinnwachstum von weiteren 16 Prozent. Aus dem Quotienten der aktuellen DAX-Kapitalisierung und dem erwarteten Profit resultiert für 2022 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13,3. Zum Vergleich: Beim US-Leitbarometer S & P 500 fällt diese Kennzahl um etwa die Hälfte höher aus.

Der Bewertungsabschlag ändert nichts daran, dass beim DAX auch in Zukunft mit Rückschlägen zu rechnen ist. Gerade die Corona-Krise hat gezeigt, wie schnell die Stimmung kippen kann. Es liegt in der Natur solcher Schockereignisse, dass sie kaum vorhersehbar sind. 2020 haben viele Deutsche den Crash genutzt, um sich der Börse verstärkt zu widmen. "Im dritten Quartal kauften private Haushalte per saldo Aktien und Investmentfondsanteile im Umfang von 20 Milliarden Euro", meldet die Bundesbank. Diese Summe übertrifft den Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre um annähernd das Dreifache.

Viele Börsenneulinge greifen zum Exchange Traded Fund (ETF). Zehn börsengehandelte Indexfonds bilden den DAX passiv ab. Sie verwalten zusammen annähernd 15 Milliarden Euro. Rund ein Viertel davon liegt im Xtrackers DAX ETF (WKN: DBX 1DA). Mit diesem Fonds holen sich Anleger die aktuell 30 und ab Herbst 40 Indexmitglieder für eine tiefe Gebühr von 0,09 Prozent per annum ins Depot.

Auf den folgenden Seiten stellen wir zehn Einzelwerte vor, die beim Vormarsch des DAX in Richtung 30 000 Punkte eine tragende Rolle einnehmen könnten. Obwohl nicht abgesprochen, deckt sich unsere Herangehensweise mit Carsten Kludes Einschätzung. Er erachtet Firmen aus dem Technologiesektor oder Unternehmen, die in ihrer Branche eine technologische Vorreiterrolle einnehmen, als besonders aussichtsreich. Hier sieht der M. M. Warburg-Experte am meisten Gewinnwachstumspotenzial. Bewusst haben wir uns bei der Suche nach den langfristigen Top-Picks auch die DAX-Aspiranten angesehen. Mit Sartorius, Symrise und Zalando fiel die Wahl auf drei Aktien, die auch 2030 noch für Jubelstimmung sorgen könnten.

Carsten Klude im Interview: "Dieses Kursziel ist keine Utopie"


Carsten Klude ist Chefvolkswirt von M. M. Warburg und verantwortet das Portfoliomanagement der Bank.

Börse Online: Ist ein DAX-Kursziel von 30 000 Punkten per 2030 realistisch?

Carsten Klude: In der Rückrechnung zeigt der DAX zwischen 1965 und 2020 eine jährliche Wertsteigerung von 6,3 Prozent. Schreibt man diese Entwicklung fort, errechnet sich ausgehend vom Schlusskurs des vergangenen Jahres für 2030 ein theoretisches DAX-Ziel von 25 272 Punkten. Eine unterstellte jährliche Rendite von acht Prozent führt im selben Zeitraum zu einem Indexstand von knapp 30 000 Punkten. Unter etwas optimistischeren Annahmen ist Ihr Kursziel also keine Utopie.

So weit die Theorie. Was spricht in der Praxis für die heimischen Large Caps?

Deutschland profitiert über den Export von der anhaltend hohen Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen mit dem Prädikat "Made in Germany". Bei großen Handelspartnern wie China oder den USA ist die wirtschaftliche Dynamik deutlich größer als in Deutschland. Insofern können die für die Börsenaussichten entscheidenden DAX-Gewinne auch in Zukunft stärker wachsen als die heimische Wirtschaft.

Der DAX wird im Herbst auf 40 Werte aufgestockt. Was versprechen Sie sich von der anstehenden Reform?

Mit 30 Mitgliedern ist der deutsche Leitindex bis dato nicht sonderlich diversifiziert und ausgewogen. Dieser Nachteil wird nun etwas ausgeglichen. Wichtig ist die Reform vor allem für die größer werdende Gruppe von Anlegern, die nicht in Einzeltitel, sondern in ETFs investieren.

Unter anderem mit passiven Fonds kehren viele Privatanleger an die Börse zurück - ist diese Entwicklung ein Warnsignal?

Nein. Vielmehr beurteilen wir das steigende Interesse als sehr positiv. Es hilft, die in Deutschland fehlende Aktienkultur endlich weiterzuentwickeln.

Adidas: Hightech-Treter für neues Wachstum

2020 hat Adidas die Krise mit voller Wucht zu spüren bekommen. Im Lockdown waren die meisten Läden geschlossen, der Konzern blieb auf Turnschuhen und Trikots sitzen. Doch das hinderte Vorstandschef Kasper Rorsted nicht daran, an der Zukunft des weltweit zweitgrößten Sportartikelherstellers zu schrauben. Im November hat Adidas "Strung" vorgestellt. 2022 soll der erste nach diesem Produktionsverfahren produzierte Laufschuh auf den Markt kommen. Ein Roboter webt dabei auf die Sohle aus dem 3-D-Drucker in einem Stück ein kokonartiges, passgenaues Obermaterial. In Marketing und Vertrieb setzt Rorsted voll auf die Digitalisierung. Über seine Apps erreicht das Unternehmen mittlerweile annähernd 150 Millionen Nutzer. Die sportliche Community ordert besonders häufig und im großen Stil. Zusammen mit Corona sorgte sie dafür, dass die Onlineverkäufe allein im dritten Quartal um mehr als die Hälfte zugenommen haben.

Die Themen Innovation, E-Commerce und Nachhaltigkeit - Adidas setzt verstärkt auf ressourcenschonende Materialien - dürften auch den Kapitalmarkttag am 10. März bestimmen. Kasper Rorsted präsentiert dann die neue Fünfjahresstrategie. Teilnehmer erfahren, ob die Franken gemeinsam mit Reebok in die Zukunft gehen oder die darbende US-Tochter 15 Jahre nach ihrer Übernahme zum Verkauf stellen. In jedem Fall bietet der Auftritt die Chance, den Fokus weg von der Krise hin zu den Chancen des Unternehmens zu richten. Adidas ist bestens gerüstet, um von der durch die Pandemie verstärkten globalen "Fitnessbewegung" zu profitieren. Die Marke mit den drei Streifen genießt international und quer durch Sportarten und Altersgruppen Kultstatus. Kurzum: Adidas sollte weiterhin zu den konditionsstärksten DAX-Aktien zählen.

Deutsche Post: Gelbe Flitzer im Dauereinsatz

Im Mai 2019 war Guangzhou Schauplatz für einen speziellen Jungfernflug. In der chinesischen Hafenstadt hob eine Paketdrohne im typisch gelben Design von DHL Express ab. Mit dieser feierlichen Premiere besiegelte die Deutsche Post eine strategische Partnerschaft mit Ehang. Zusammen mit dem Drohnenhersteller baut der DAX-Konzern in chinesischen Ballungsgebieten eine automatisierte und intelligente Zustelllogistik auf.

Zwar steckt dieser Service noch in den Kinderschuhen. Doch das Beispiel macht die enorme Bedeutung der Logistik in einer von Digitalisierung, immer schnelleren Produktionsprozessen und ökologischen Herausforderungen geprägten Weltwirtschaft deutlich. Egal ob in der Luft, zur See, auf der Straße oder als Dienstleister in der Lagerhaltung (Kontraktlogistik): Die Deutsche Post spielt die ganze Klaviatur dieses Geschäfts.

Corona bescherte der Infrastruktur des früheren Staatskonzerns einen regelrechten Stresstest. Der boomende Onlinehandel ließ die Menge der in Deutschland zugestellten Sendungen regelrecht explodieren - allein im vierten Quartal nahmen sie bei DHL um 23 Prozent zu. Konzernweit verbuchten die Bonner für 2020 Rekordzahlen: Bei einem Umsatzwachstum von 5,5 Prozent auf 66,8 Milliarden Euro steigerte die Deutsche Post ihr operatives Ergebnis prozentual zweistellig auf 4,84 Milliarden Euro. Trotz der Aussicht auf mehr Normalität stellt Vorstandschef Frank Appel sowohl im laufenden Jahr als auch für 2022 weiteres Wachstum in Aussicht. Details präsentiert der Konzernlenker am 9. März bei der Bilanzpressekonferenz. Neben einem bis 2023 reichenden Ausblick dürfen Anleger mit einem lukrativen Dividendenvorschlag rechnen.

Infineon: Mit Profi-Chips in eine digitalisierte Zukunft

Technologische Disruptionen erfassen derzeit viele Branchen. Jede Menge Bewegung ist dabei auf dem Sektor der Automobilelektronik festzustellen. Bereits heute befinden sich in so manchem Premiumfahrzeug mehr als 10 000 Halbleiter in Form von Chips und Sensoren. Doch das dürfte erst der Anfang sein: Nach Prognosen des Branchenverbands Semi könnte sich die Zahl in den nächsten zehn Jahren noch einmal verzehnfachen. Gute Aussichten also für Infineon, schließlich erzielen die Münchner etwas mehr als 40 Prozent der Erlöse mit der Autoindustrie. Das Unternehmen hat sich auch kein geringeres Ziel gesetzt, als sich an die Spitze der Megatrends Elektromobilität und autonomes Fahren vorzuarbeiten. Das sind aber nicht die einzigen Zukunftstrends, auf welche die Infineon-Strategie ausgelegt ist. Vor allem durch die im vergangenen Jahr abgeschlossene Übernahme des US-Konzerns Cypress wurde die Produktpalette von innovativen Lösungen für wachstumsstarke Anwendungen wie Internet der Dinge (IoT) und 5G-Mobilfunk deutlich erweitert.

Ein Blick auf die Prognosen führender Marktforscher zeigt, dass sich Infineon berechtigte Hoffnungen auf dynamisches Wachstum in den kommenden Jahren machen darf. Mordor Intelligence schätzt, dass der weltweite Halbleitermarkt für Kraftfahrzeuge von 48,13 auf 129,17 Milliarden Dollar zwischen 2020 und 2026 steigen wird. Das entspricht einem Wachstum von 17,9 Prozent pro Jahr. Auch die globale Nachfrage nach IoT-Lösungen dürfte prozentual zweistellig zulegen. Laut ASD Report wächst der Markt um jährlich rund ein Zehntel. Auf dem Weg in eine digitalisierte Zukunft führt also kein Weg an Infineon vorbei - und das gilt auch für die Aktie.

Linde: Megatrend Wasserstoff sorgt für Fantasie

Als Linde 1998 als Gründungsmitglied dem DAX beitrat, war das Geschäft noch stark vom Anlagenbau sowie der Förder- und Kältetechnik bestimmt. Doch das Unternehmen wandelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Gasspezialisten und stieg 2019 durch die Fusion mit der amerikanischen Praxair zum weltgrößten Industriegasehersteller auf. Vorstandschef Steve Angel will in Zukunft die Chancen in langfristigen Wachstumsmärkten wie Gesundheit, Elektronik und erneuerbare Energien nutzen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Wasserstoff. Linde deckt die gesamte Wertschöpfungskette von der Erzeugung und Verflüssigung über den Transport und Speicherung bis zum Betanken wasserstoffbetriebener Fahrzeuge ab. Vor allem "grünem" Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, wird großes Potenzial vorausgesagt. So geht IHS Markit davon aus, dass die Erzeugung von grünem Wasserstoff bis 2030 mit den Produktionskosten des derzeit dominierenden klimaneutralen "blauen" Wasserstoffs wettbewerbsfähig sein wird. Linde hat in diesem Bereich bereits die Nase vorn und baut derzeit die mit 24 Megawatt Leistung größte Anlage der Welt zur Erzeugung und Verflüssigung von grünem Wasserstoff an seinem Standort in Sachsen-Anhalt. Ab Mitte 2022 sollen bis zu 3200 Tonnen Wasserstoff pro Jahr produziert werden. CEO Angel rechnet damit, dass sich die rund acht Prozent, die das Wasserstoffgeschäft aktuell am Gesamtumsatz ausmacht, in Zukunft vervierfachen können. Das robuste Geschäftsmodell mit einer guten Positionierung im Zukunftsmarkt Wasserstoff macht die Linde-Aktie zu einem aussichtsreichen Langfristinvestment.

SAP: Datenwolke bringt langfristiges Wachstum

Drei Buchstaben stehen für Europas wertvollste Brand: SAP. Der Softwarekonzern ist mit einem Markenwert von 46,4 Milliarden Euro führend und weltweit damit auf Platz 17. Auch in Zukunft sollte der weiße Schriftzug auf blauem Hintergrund an Strahlkraft nicht verlieren, denn das Unternehmen setzt voll auf den Megatrend Cloud und hat mit der jüngsten Einführung von "RISE with SAP" eine weitere vielversprechende Lösung auf den Markt gebracht. Dabei handelt es sich um ein ganzheitliches Paket, das es ermöglicht, geschäftskritische Systeme in die Cloud zu verlagern. Im Grunde sollen die SAP-Kunden damit von einer Umstellung von Lizenzprodukten auf gemietete Anwendungen im Internet überzeugt werden. Bis 2025 hat sich SAP zum Ziel gesetzt, die Cloud-Erlöse auf mehr als 22 Milliarden Euro zu steigern. Zum Vergleich: Für 2021 lautet die Prognose auf rund 9,5 Milliarden Euro. Folglich werden sich die Geschäfte in der Datenwolke in den kommenden Jahren mehr als verdoppeln. Der Konzernumsatz wird 2025 bei mehr als 36 Milliarden Euro und das Betriebsergebnis bei über 11,5 Milliarden Euro erwartet. Auch daraus resultieren prozentual zweistellige Steigerungsraten. Mit Qualtrics hat SAP noch ein heißes Eisen im Feuer. Da die Sparte an die Börse gebracht wurde, anstatt sie ganz zu integrieren, hat die US-Tochter noch höhere Wachstumschancen. Mit der Plattform der Amerikaner können Unternehmen und Behörden Daten von Kunden und Mitarbeitern sammeln und diese in Echtzeit analysieren sowie weiterverarbeiten. Qualtrics kann aufgrund seiner Eigenständigkeit chancenreiche Kooperationen mit Konkurrenten wie Salesforce eingehen. Als Mehrheitsaktionär profitiert SAP letztlich so oder so vom Wertsteigerungspotenzial der US-Tochter.

Sartorius: Voller Einsatz im Kampf gegen die Pandemie

Mit Sartorius könnte im Herbst ein echtes Wachstumsunternehmen in den DAX einziehen. Laut dem aktuellen Ranking der Deutschen Börse würde der Laborausrüster im Zuge der anstehenden Indexreform in die erste Börsenliga aufsteigen. Vor diesem Ritterschlag präsentiert sich die seit 1990 notierte Gesellschaft in Höchstform. Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich die Sartorius-Vorzugsaktie gut verdoppelt. Operativ zählte das Göttinger Unternehmen zu den Corona-Profiteuren. Das für 2020 verbuchte Umsatzwachstum von 30,2 Prozent lässt sich zu mehr als einem Viertel auf die Pandemie zurückführen. Pipetten, Filter und Bioreaktoren von Sartorius waren und sind bei der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen und -Medikamenten im Einsatz. Ungeachtet der aktuellen Sonderkonjunktur ist der Bedarf der Pharmaindustrie groß. Beim Auftragseingang erzielte das Traditionsunternehmen 2020 - auch mithilfe von Übernahmen - ein überproportionales Wachstum von annähernd 50 Prozent. Entsprechend positiv blickt Vorstandschef Joachim Kreuzburg in die Zukunft: 2025 möchte er beim Umsatz die Schallmauer von fünf Milliarden Euro durchbrechen. Schafft Sartorius die um eine Milliarde erhöhte Zielmarke, würden sich die Erlöse gegenüber dem vergangenen Jahr mehr als verdoppeln. Trotz des enormen Wachstums möchte das Management auch bei der operativen Marge eine Schippe drauflegen. Natürlich ist der DAX-Aspirant sowohl in den Planungen als auch an der Börse nicht vor Rückschlägen gefeit. Angesichts der mit dem Kurs gestiegenen Bewertung gilt das umso mehr. Langfristig sollte Sartorius aber sowohl für den Leitindex als auch das Depot eine Bereicherung sein.

Siemens: Am Puls der globalen Megatrends

Bis Anfang Februar galt Joe Kaeser als bodenständiger DAX-Manager, der nicht viel Aufhebens um seine Person macht. Am Ende seiner sieben Jahre an der Spitze von Siemens gönnte sich der Niederbayer aber noch etwas Eigenlob. Zwar wäre der Industriekonzern auch ohne den von ihm realisierten Umbau noch existent. "Aber sicher nicht mit 130 Euro pro Aktie", erklärte Kaeser. Vielmehr würde es Siemens lediglich auf zehn Euro und die Hälfte der aktuell knapp 300 000 Mitarbeiter bringen. Der scheidende Chef verwies auf den Konglomeratsabschlag. Er würde Konkurrenten ausbremsen, welche die Zeichen der Zeit nicht erkannt hätten.

Tatsächlich hat Kaeser aus dem einstigen "Gemischtwarenladen" ein Unternehmen aus drei börsennotierten Teilen geformt. Sie beackern die Megatrends Gesundheit und Energiewende genauso wie Automatisierung oder E-Mobilität. Jetzt liegt es an Kaesers Nachfolger Roland Busch, das nächste Kapitel in der knapp 175-jährigen Unternehmensgeschichte zu schreiben. Der Physiker hat seit 1994 sein gesamtes Berufsleben bei Siemens verbracht und kennt das Unternehmen aus dem Effeff. Der Einstand als Chef ist geglückt: Dank einer überraschend schnellen Erholung der Autoindustrie sowie des Maschinenbaus nach der Corona-Delle konnte Busch die Prognose erhöhen. Er erwartet für das Geschäftsjahr 2020/21 (per 30. September) nun ein Umsatzwachstum von bis zu einem Zehntel. Beim Nettogewinn stellt der CEO sogar eine Steigerung um 20 bis 30 Prozent auf bis zu 5,5 Milliarden Euro in Aussicht. Eine Grundlage für etwas Eigenlob am Ende von Buschs Amtszeit ist also gelegt. Trotz aller anfänglichen Euphorie wird der Weg dorthin weder für den neuen Chef noch die Aktionäre ohne Rückschläge verlaufen.

Symrise: Ein klassischer Duft von Wachstum

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wo der Minzgeschmack in der Zahnpasta oder der Geruch des Parfüms herkommt? Die Antwort: von Symrise. Der Duft- und Aromenhersteller veredelt mit seinen mehr als 30 000 Produkten, wobei ein Drittel davon aus überwiegend natürlichen Rohstoffen stammt, eine Vielzahl von Nahrungs- und Kosmetikprodukten. In Segmenten wie Baby- und Tiernahrung sowie der Mundpflege ist das Unternehmen sogar führend. Der Weltmarkt, der aktuell rund 35 Milliarden Euro schwer ist, wird sich Experten zufolge in Zukunft weiter vergrößern. Vor allem der Trend zu neuen, exotischen Aromen sowie die zunehmende Präferenz für Produkte mit Premiumgewürzen und -saucen sollen das Wachstum antreiben. Laut Prognosen wird allein der Markt für Lebensmittelaromen und -verstärker zwischen 2020 und 2025 um jährlich im Schnitt 4,75 Prozent zunehmen. Ein noch etwas höheres Tempo hat sich Symrise auf die Fahnen geschrieben. Mittelfristig möchte das Unternehmen beim Umsatz um fünf bis sieben Prozent per annum wachsen. Die Ebitda-Rendite soll dabei stabil zwischen 19 bis 22 Prozent bleiben. Apropos stabil: Das Geschäft von Symrise ist relativ resistent gegen konjunkturelle Schwankungen. Selbst in der Finanzkrise 2008/09 sowie im Pandemiejahr 2020 schaffte der Konzern ein profitables Wachstum. Insgesamt konnte Symrise seinen Umsatz in den vergangenen zehn Jahren um 133 Prozent steigern, das Ebitda sogar weit mehr als verdreifachen. Auch an der Börse schreibt der Duftspezialist seit dem IPO in 2006 eine Erfolgsstory, die schon bald mit dem DAX-Aufstieg gekrönt werden dürfte.

Volkswagen: Unter Strom durch das 21. Jahrhundert

Das Ziel der Bundesregierung ist klar formuliert: Bis 2030 sollen sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen sein. Zum Vergleich: 2020 rollten erst knapp 395 000 E-Autos über die Straßen. Bei den batterieelektrisch angetriebenen Pkws (BEVs) führt hierzulande kein Weg an Volkswagen (VW) vorbei. Mit einem Neuzulassungsanteil von 24 Prozent lassen die Wolfsburger ihre ärgsten Konkurrenten Renault und Tesla klar hinter sich. Aber auch im Ausland haben die Niedersachsen auf die Überholspur gewechselt. In Norwegen, wo 2020 erstmals mehr E-Autos als Fahrzeuge mit anderen Antrieben verkauft wurden, zog VW mit seinen E-Modellen am US-Rivalen Tesla vorbei. Das zeigt, dass die klassischen Autoriesen beim Übergang zum Auto der Zukunft noch nicht geschlagen sind. Im Gegenteil: VW drückt aufs Gaspedal und schraubte jüngst die Investitionen in Zukunftstechnologien für die kommenden Jahre auf 73 Milliarden Euro hoch. Rund die Hälfte davon fließt in neue E-Modelle. So sollen bis 2030 konzernweit rund 70 reine Elektrovarianten entstehen und die Absatzquote von BEVs und Plug-in-Hybriden 30 Prozent erreichen. Als Zwischenziel wurde ein Verkauf von weltweit 1,5 Millionen E-Autos im Jahr 2025 gesetzt. Damit die Stromer noch mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommen, hat VW soeben das Projekt "Small BEV" gestartet. Dieses Modell wird unterhalb des bisher kleinsten E-Mobils ID.3 angesiedelt. Die VW-Aktie zählte zur Anfangsformation des DAX im Jahr 1988 und sollte in den kommenden Jahren weiterhin eine gewichtige Rolle in dem Index spielen. Angesichts der schnellen Transformation des Geschäftsmodells sehen wir bei VW beste Chancen, dass der Konzern auch in Zukunft ganz vorn auf dem Automarkt mitmischen wird.

Zalando: Mode und Wachstum in einem Paket

Mit "Schrei’ vor Glück! Oder schick’s zurück" hat Zalando 2012 einen Werbeklassiker geschaffen. Auch wenn das Unternehmen den Slogan nicht mehr aktiv nutzt, steht er mehr denn je für den rasanten Aufstieg des Online-Modehändlers. Im Herbst 2008 und damit kurz vor dem Ausbruch der globalen Finanzkrise gründeten Robert Gentz und David Schneider in einer Berliner Studenten-WG das Unternehmen. Obwohl das Timing denkbar schlecht war, sollte ihre Vision vom Kleidungskauf per Internet aufgehen. Mittlerweile ist Zalando mit 35 Millionen aktiven Kunden ein E-Commerce-Riese.

Jetzt schicken sich die jeweils keine 40 Jahre alten Gründer und heutigen Co-Chefs an, die Riege der DAX-Vorstände zu verjüngen. Mit der anstehenden Reform könnte Zalando im Herbst in den Leitindex einziehen. Zum Kandidaten machte die Internetaktie eine Corona-bedingte "Stay-at-Home"-Rally. Doch obwohl sich der Kurs seit dem Ausbruch der Pandemie mehr als verdoppelt hat, bringt Zalando auf lange Sicht noch viel Potenzial mit.

Zentraler Treiber ist der Wandel des Modegeschäfts. Zalando taxiert den europäischen Markt auf rund 450 Milliarden Euro. Davon spielen sich bislang nur in etwa 15 Prozent online ab. 2023 sehen die Berliner die E-Commerce-Quote bereits bei einem Fünftel. Gleichzeitig möchte Zalando den eigenen Marktanteil von 1,8 auf fünf Prozent ausbauen. Geht diese Rechnung auf, soll sich der über die Zalando-Shops generierte Bruttowarenwert bis 2023/24 gegenüber dem für das vergangene Jahr erwarteten Niveau annähernd verdoppeln. Fazit: Trotz einer üppigen Bewertung dürfte diese Wachstumsaktie auch als DAX-Mitglied noch für den einen oder anderen Jubelschrei sorgen.


Bildquelle: BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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