Der DAX hat eine bewegte Woche hinter sich und ringt mit den 15.000 Punkten. Ab morgen nimmt die Bilanzsaison richtig Fahrt auf und Anleger fürchten sich vor einem Event.

Auch die neue Börsenwoche steht im Zeichen der Konjunkturdaten. Die Investoren halten weiterhin Ausschau nach Hinweisen, wie stark der Zinserhöhungskurs der US-Notenbank Fed und anderer wichtigen Zentralbanken der Wirtschaft zusetzen könnte. Nach durchwachsenen US-Konjunkturdaten in der alten Woche werde befürchtet, "dass die US-Wirtschaft das erste Opfer der strikten Geldpolitik wird und in eine Rezession schlittert", schrieben die Analysten der Helaba. Diese Sorgen haben den deutschen Leitindex erneut unter die psychologisch wichtige 15.000-Marke gedrückt, die er während der Rally zum Auftakt des Jahres zeitweise überschritten hatte. Der DAX notierte am Freitag mit 14.975 Punkten 0,7 Prozent unter dem Vorwochenschluss.

Der überraschende Anstieg der Einkaufsmanagerindizes im Dezember hatte in den ersten Januartagen die Hoffnung genährt, dass die Wirtschaft im Euroraum vielleicht eine Rezession vermeiden könne, sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Die Stimmungsaufhellung reflektiere allerdings wohl vor allem die deutlich gesunkene Gefahr von Gas-Rationierungen. Doch die spürbare Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfeldes spreche weiterhin für einen leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung in der ersten Jahreshälfte.

Eine Verschnaufpause erwartet unterdessen Anleger in China. Die Börsen in der Volksrepublik bleiben in der neuen Woche wegen der Feiertage zum chinesischen Neujahr vom Montag bis Freitag geschlossen.

Die Quartalszahlen-Saison nimmt richtig Fahrt auf

Gleichzeitig nehmen Anleger die Finanzergebnisse und Prognosen der wichtigsten Firmen unter die Lupe, die ebenfalls auf eine sich anbahnende Rezession schließen lassen könnten. Die Bilanzsaison nimmt am Dienstag mit Zahlen von Microsoft, General Electric, Johnson & Johnson und Lockheed Martin Fahrt auf. Auch an den Folgetagen liegt der Fokus vor allem bei Großkonzernen in den USA. 

Am Mittwoch warten die Investoren mit Spannung auf die Zahlen von Tesla. "Die jüngsten Preissenkungen deuten auf keine starke Nachfrage hin", sagt Neil Wilson, Chef-Analyst beim Online-Broker Markets.com. Auch der Airbus-Erzrivale Boeing öffnet zur Wochenmitte seine Bücher. 

Für Donnerstag stehen unter anderem die Ergebnisse der Dax-Konzerne SAP und Sartorius sowie der US-Kreditkartenanbieter Mastercard und Visa auf der Tagesordnung. Zum Wochenausklang legen Intel, Chevron, American Express und Colgate-Palmolive ihre Zahlen vor.

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Frühindikatoren im Fokus

Die neue Konjunkturdaten-Woche fängt am Dienstag mit Einkaufsmanager-Indizes an. Der Finanzdienstleister S&P Global legt die vorläufigen Einkaufsmanager-Indizes (PMIs) für Januar vor. Ökonomen erwarten, dass sich das Barometer mit einem Wert von 49,7 wieder der Wachstumsschwelle von 50 Zählern annähert. Der Abschwung der deutschen Wirtschaft hatte sich im Dezember mit 49,0 Zählern unerwartet deutlich verlangsamt und auch die Euro-Zone drosselte ihre konjunkturelle Talfahrt. Zudem veröffentlichen die GfK-Marktforscher das Konsumbarometer, das die Stimmung der Verbraucher im Februar signalisiert. Von Reuters befragte Ökonomen rechnen trotz Energiekrise und hoher Preise mit einem Anstieg auf minus 33,0 von minus 37,8 Punkten im Januar, womit sich die Stimmung langsam aus dem Tief herausarbeitet.

Zur Wochenmitte legt das Münchner Ifo-Institut den ersten Geschäftsklima-Index im laufenden Jahr vor. Von Reuters befragte Experten erwarten einen Anstieg des wichtigen Barometers auf 90,1 Punkte im Januar von 88,6 Zählern im Dezember. Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, bleibt allerdings zurückhaltend. Auch wenn das Ifo-Geschäftsklima zum vierten Mal in Folge leicht steigen solle, müssten etwa die Einkaufsmanagerindizes deutlich über die 50-Schwelle springen, um die jüngste Dax-Erholung zu untermauern. "Bei allem aufkeimendem Optimismus sollten die Risiken in Sachen Krieg und Energiepreise, sowie die weiter viel zu hohe Inflation, und damit verbunden wohl noch mehr Leitzinserhöhungen, als anhaltende Belastungen für die Konjunktur nicht unterschätzt werden."

Am Donnerstag veröffentlicht das US-Handelsministerium Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2022. Auch wenn das Land in Zeiten steigender Zinsen und hoher Inflation Rezessionssorgen plagen, dürfte es vor der Jahreswende konjunkturell noch recht gut gelaufen sein: Für das vierte Quartal 2022 erwarten von Reuters befragte Experten beim BIP ein Plus von aufs Jahr hochgerechnet 2,8 Prozent, nach einem Zuwachs von 3,2 Prozent im Sommerquartal. Die Analysten der Helaba mahnen allerdings zur Vorsicht. "Robuste Zahlen zum US-BIP sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein schwacher Jahresbeginn zu erwarten ist."

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Von Reuters