Die Quartalsberichte der Tech-Giganten stehen unmittelbar bevor. Ob sie die Wende an der schwächelnden US-Wachstumsbörse Nasdaq einläuten können, bleibt angesichts der Konjunkturflaute ungewiss. Ein Analyst ist jedoch überzeugt: Anleger sollten sich noch vor der Veröffentlichung der Zahlen mit Aktien von Apple und IBM eindecken. Von Jens Castner

Mit mulmigen Gefühlen sehen Börsianer der Berichtssaison in den USA entgegen – insbesondere, was die Tech-Werte angeht. Nachdem Netflix bereits die Gewinnerwartungen verfehlt hat, aber beim Kundenwachstum überraschte, öffnen in den kommenden beiden Wochen alle großen Tech-Konzerne ihre Bücher.


Bei Apple und IBM einsteigen?

Ein Analyst sorgte jetzt in den USA für Aufsehen, berichtet das Wirtschaftsmagazin „Barron’s“. Er empfiehlt, nicht zu zaudern, sondern im Vorfeld der Zahlen bei Apple und IBM einzusteigen. Amit Daryanani, Aktienexperte beim investmenthaus Evercore ISI, hat beide Titel auf die „Tactical Outperform List“ gesetzt. Das ist eine Liste von Aktien, denen kurzfristig eine starke Performance zugetraut wird.

Für Apple spricht laut Daryanani, dass die Aktie seit dem Bericht fürs dritte Quartal im Oktober um 16 Prozentpunkte hinter dem S&P 500 zurückgeblieben ist, was nach einer „überzeugenden Kaufgelegenheit“ aussehe. Die Zahlen fürs vierte Quartal kommen am Donnerstag, 2. Februar, nach Börsenschluss auf den Tisch. Die Apple-Aktie war in den vergangenen Wochen unter Druck geraten, weil Analysten die Verkaufserwartungen für die neuen iPhone-Modelle wegen der Produktionsprobleme im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in China gedämpft hatten.

Daryanani sieht ein gewisses Risiko darin, dass die iPhone-Verkäufe im Schlussquartal die Erwartungen verfehlt haben könnten. Er glaubt aber nicht, dass das noch wesentliche Auswirkungen auf den Aktienkurs hat. Wichtiger sei die Prognose von Apple für die kommenden Quartale. Wenn das Management eine Erholung der iPhone-Umsätze in Aussicht stelle, könne das die Trendwende im Aktienkurs herbeiführen. Das Kursziel sieht er bei 190 Dollar (175 Euro), was etwa 40 Prozent über der aktuellen Notiz liegt. Daryanani geht davon aus, dass die Umsatzprognose fürs zweite Quartal um etwa fünf Prozent über den aktuellen Konsensschätzungen liegen wird, da sich die iPhone-Verkäufe langsam erholen.

Entlastung für Big Blue

Auch bei IBM rechnet Daryanani mit einem optimistischeren Ausblick auf 2023 als die Wall Street erwartet. Da der US-Dollar seit dem Bericht fürs dritte Quartal gegenüber dem Euro wieder deutlich nachgegeben habe, sieht er Rückenwind von der Währungsseite. Zwischen Juli und September war der starke Dollar einer der Hauptbelastungsfaktoren für IBM im internationalen Geschäft. Der Experte geht davon aus, dass das IT-Urgestein den Umsatz im vierten Quartal um ein bis zwei Prozent gesteigert hat und sich wegen des großen Kundenstamms auch für den Fall einer Rezession widerstandsfähiger präsentieren wird als kleinere Wettbewerber. Sein Kursziel erhöhte er zwar von 135 auf 150 US-Dollar (138 Euro). Mit etwa sieben Prozent ist der Kurszuwachs, den er IBM zutraut, jedoch deutlich geringer als bei Apple.

IBM wird die Zahlen fürs abgelaufene Quartal am kommenden Mittwoch, 25. Januar, veröffentlichen. Laut Konsensschätzungen erwarten die Analysten einen Umsatzrückgang von 16,7 auf 16,1 Milliarden US-Dollar, jedoch eine deutliche Steigerung des Gewinns pro Aktie von 3,35 auf 3,57 Dollar.

Bangen vor Microsoft-Zahlen

Bereits am Dienstag, 24. Januar, öffnet Microsoft die Bücher, was richtungsweisend für die weitere Kursentwicklung der Tech-Branche sein könnte. Hier erwarten Analysten fürs Schlussquartal 2022 – das zweite des Microsoft-Geschäftsjahres – einen Gewinn je Aktie von 2,30 US-Dollar. Die Gefahr, dass dieser Wert verfehlt wird, ist hoch. Schließlich meldete der Konzern kürzlich den Abbau von 10.000 Stellen – knapp fünf Prozent der Belegschaft.

Gar 11.000 Stellen will Meta Platforms streichen. Der Konzern, zu dem die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram sowie der Messenger WhatsApp gehören, wird seine Quartalszahlen am Mittwoch, 1. Februar, vorstellen. Auch hier deutet der Sparkurs darauf hin, dass es knapp wird, die vom Markt erwarteten 2,24 Dollar Gewinn je Aktie zu erreichen.

Der Google-Mutterkonzern Alphabet kündigte dieser Tage den Abbau von 12.000 Arbeitsplätzen an. Auch hier wird es spannend, ob die Gewinnschätzung von 1,18 Dollar je Aktie getroffen werden kann. Die Zahlen kommen am Donnerstag, 2. Februar.

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Feuerprimus Amazon

Bereits tief im Keller sind die Erwartungen an Amazon. Der weltgrößten Onlinehändler berichtet ebenfalls am 2. Februar über das wichtige Weihnachtsquartal. Der Analystenkonsens geht von einem mickrigen Gewinn von nur 18 US-Cent je Aktie aus, nachdem das Management bereits mehrfach vor schleppenden Geschäften gewarnt hatte. 2021 hatte der Internetgigant fürs Schlussquartal noch 27,74 Dollar Gewinn je Anteilsschein ausgewiesen. Da die Aktie in der Zwischenzeit im Verhältnis 20:1 gesplittet wurde, entspricht der Vergleichswert 1,39 Dollar je Anteilsschein. Bei Amazon könnten – ähnlich wie bei Apple – etwaige negative Überraschungen noch am ehesten im Kurs enthalten sein, denn die Belastungsfaktoren wie Konjunkturschwäche und stark gestiegene Personal- und Transportkosten sind bereits seit geraumer Zeit bekannt. Amazon ist mit 18.000 gestrichenen Jobs der Konzern, der am drastischsten auf die aktuelle Wirtschaftsflaute reagiert hat.

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