Uran vor der Rallye? Steigende Reaktornachfrage trifft auf schrumpfendes Angebot – warum Experten den Kernenergie-Rohstoff und Aktien aus dem Sektor Kernenergie als langfristiges Investment neu entdecken.
Die Energiepreise bleiben auf einem historisch erhöhten Niveau – und das hat handfeste Gründe. Der Nahost-Krieg, der beschleunigte Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und eine rasant wachsende Stromnachfrage durch KI-Rechenzentren setzen Verbraucher und Industrie gleichermaßen unter Druck. In diesem Umfeld rückt eine Energiequelle wieder verstärkt in den Fokus, die lange als politisch erledigt galt: die Kernkraft. Im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie liefert Atomkraft rund um die Uhr zuverlässigen Grundlaststrom – ohne CO₂-Emissionen, ohne wetterbedingte Schwankungen und mit einer langfristig kalkulierbaren Kostenbasis. Für Länder, die ihre Energiesicherheit stärken und gleichzeitig ihre Klimaziele erreichen wollen, wird die Kernenergie damit zunehmend zur strategischen Option. Und der Rohstoff, ohne den kein Reaktor läuft, heißt Uran.
Kernenergie-Renaissance: Noch am Anfang
Mobeen Tahir, Direktor im Bereich Makroökonomisches Research bei WisdomTree, sieht den Uranmarkt strukturell in einer außergewöhnlich günstigen Ausgangslage. In seiner jüngsten Analyse macht er deutlich, dass die globale Kernenergie-Renaissance zwar bereits Fahrt aufgenommen hat, aber noch längst nicht abgeschlossen ist. 31 Länder haben auf der UN-Klimakonferenz 2024 zugesagt, die weltweite Kernkraftkapazität bis 2050 zu verdreifachen.
Die USA gehen noch weiter und streben eine Vervierfachung ihrer Kapazität im gleichen Zeitraum an. Derzeit sind weltweit 436 Reaktoren in Betrieb, lediglich 74 befinden sich im Bau – davon allein 38 in China. Die bestehende Pipeline reicht damit bei weitem nicht aus, um die ambitionierten globalen Ausbauziele zu erreichen. Besonders bemerkenswert ist laut Tahir das wachsende Engagement des privaten Sektors. Technologiekonzerne wie Microsoft, Google, Amazon und Meta sichern sich langfristig Kernenergie-Lieferverträge, um den enormen Strombedarf ihrer KI-Infrastrukturen zu decken.
Strukturelles Angebotsdefizit als Preistreiber
Neben der steigenden Nachfrage sieht Tahir auf der Angebotsseite erhebliche Engpässe entstehen. Die globale Uranproduktion lag 2025 bei schätzungsweise 60.000 Tonnen – und reicht damit bereits heute nicht aus, um den Reaktorbedarf zu decken. Die World Nuclear Association prognostiziert, dass die Nachfrage von knapp 69.000 Tonnen im Jahr 2025 auf rund 86.000 Tonnen im Jahr 2030 und bis 2040 auf 150.000 Tonnen ansteigen wird. Gleichzeitig dürfte die Produktion aus bestehenden Minen zwischen 2030 und 2040 deutlich zurückgehen, weil reife Lagerstätten erschöpft werden. Manche Schätzungen sehen die Produktion ohne neue Investitionen um bis zu 50 Prozent einbrechen.
Das Problem: Neue Minen reagieren extrem langsam. Bis zur Produktionsaufnahme können bis zu 16 Jahre vergehen. Der sogenannte Anreizpreis – also das Preisniveau, das neue Minenprojekte wirtschaftlich macht – liegt Schätzungen zufolge zwischen 125 und 150 Dollar je Pfund. Aktuell notiert Uran bei rund 87 Dollar, was die erhebliche Lücke verdeutlicht. Tahir sieht in diesem strukturellen Ungleichgewicht ein klares Argument für steigende Preise und entsprechend bessere Margen bei Uranproduzenten.
Als konkrete Nutznießer dieses Trends nennt er vor allem etablierte Minengesellschaften wie Cameco sowie Unternehmen im Kernbrennstoffkreislauf wie Centrus Energy, die von politischer Unterstützung und steigendem Bedarf direkt profitieren.
Diversifiziert via ETF investieren
Wer von diesem Megatrend profitieren möchte, muss aber keine Einzeltitelrisiken eingehen. Eine breit diversifizierte Alternative bietet der VanEck Uranium and Nuclear Technologies UCITS ETF (ISIN: IE000M7V94E1). Der Fonds bildet den MarketVector Global Uranium and Nuclear Energy Infrastructure Index ab und deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Uranminenbetreibern über Brennstoffverarbeiter bis hin zu Kernkraftwerk-Infrastrukturunternehmen. Mit einem verwalteten Vermögen von rund 1,9 Milliarden Euro gilt er als größter Player in diesem Marktsegment, was eine hohe Handelsliquidität und enge Spreads sicherstellt. Die jährliche Gesamtkostenquote (TER) von 0,55 Prozent ist für einen Themen-ETF vergleichsweise günstig.
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